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Foto-Tour im Stasi-Bunker bei Crivitz : Auf der Jagd nach dem besonderen Motiv

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hobbyfotografen aus ganz Deutschland suchen in alten Industrie- und Militäranlagen den „Kick“

von
erstellt am 30.Jan.2017 | 08:00 Uhr

„Der Bunker ist in einem Top-Zustand“, freut sich Carsten Bieranz. Und der Geschichtsfan und Hobbyfotograf ergänzt: „Hier gibt es noch eine Menge originale Dinge zu entdecken.“ Dann macht der Mann aus Lüneburg seine Kamera fertig, schießt Aufnahmen von der Filteranlage für Wasser und Luft. Die Relais der Elektroanlagen fehlen, sie wurden einfach herausgerissen. „Wahrscheinlich Kupferdiebe, die es auf die Kabel abgesehen hatten“, vermutet Christian Julius. Der Ingenieur aus Barntrup in Ostwestfalen hat den Foto-Trip nach Mecklenburg organisiert. Eine Hand voll Mitstreiter ist dazu angereist. „Wir suchen das besondere Fotomotiv, an Orten, von denen sich die Menschen schon lange zurückgezogen haben“, fügt Holger Bender aus dem südhessischen Pfungstadt hinzu. Das sind zumeist alte Industrie- und Armeeobjekte. Deren Geschichte und oft auch deren Zustand sorgen für Gänsehautmomente. Die wollen die Fotografen einfangen und festhalten. Die Bilder werden auch ins Internet gestellt. „Aber wir verraten nicht, wo genau sie entstanden sind“, betont Julius.

Das erste Objekt bei der Tour vom zurückliegenden Wochenende ist aber kein geheimer Ort mehr: Anfang der 1970er-Jahre ließ die Stasi in einem Wald bei Crivitz eine Ausweich-Kommando-Zentrale für die Stasi-Spitze des Bezirks Schwerin errichten. Im „Ernstfall“ sollte von dort aus der Geheimdienst weiterarbeiten können. Zehn Gebäuden entstanden auf dem 14 Hektar großen Areal abseits der B 321. Sie stehen heute leer, sind aber in einem relativ guten Zustand. Das Herzstück liegt tief unter der Erde: der Bunker vom Typ 1 / 15 V 2b. Der hat eine Grundfläche von 1500 Quadratmetern. Darin finden sich 19 enge Räume, die 2 mal 15 Meter groß und 1,85 Meter hoch sind. Sie sollten als Unterkünfte, Büro, Nachrichtenzentrale, Küche, Sanitäts- und Waschraum dienen. Nur der zentrale Führungsraum war doppelt so groß.

Auf diesen Bunker bei Crivitz ist Christian Julius durch einen SVZ-Bericht aus dem Jahr 2010 gestoßen. Damals war es genau 20 Jahre her, dass die „Politische Bürgerinitiative Crivitz“ mit einer mehrtägigen Mahnwache den Abzug der Stasi aus dem Objekt und die Übergabe des Areals an die Nationale Volksarmee erwirkte. Ein Stück regionale Wendegeschichte. Danach wurden die Gebäude als Lager genutzt, heute stehen sie leer. Mitglieder eines Fördervereins schauen regelmäßig nach dem Rechten, die Polizei legt ihre Streifenfahrten durch die Region extra so, dass die Beamten mehrfach am Tage am Bunker vorbeischauen. „Die wussten auch Bescheid, dass wir hier am Wochenende unsere Fotos machen“, betont Christian Julius.

Allerdings ist es nicht immer leicht, Hausherren dazu zu bewegen, einen verlassenen Ort für solch eine Aktion zu öffnen. „Zudem liegen die manchmal in Sperrgebieten“, fügt Christian Julius an. Doch die Gastgeber lassen sich anhand der bisherigen Aufnahmen meist überzeugen, dass es diesen modernen Schatzsuchern um Geschichte und Fotokunst geht.

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