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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Dezember 2017 | 13:07 Uhr

Montagsdemo : Auf den Spuren der Revolution

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner besuchten 25 Jahre nach der ersten Montagsdemonstration die Orte der Stadt, die für die politische Wende im Land stehen

von
erstellt am 25.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Die Erinnerung verblasst schon etwas. Das Foto der ersten Montagsdemo in Schwerin, das die Stele vor dem Arsenal am Pfaffenteich ziert, ist kaum mehr zu erkennen. Und dabei ist die Stele vor dem berühmten Fenstersims, auf dem tausende Schweriner am 23. Oktober 1989 ihre Kerzen abgestellt hatten, in den vergangenen Jahren schon zweimal erneuert worden. Auch die eigens während der Sanierung des heutigen Innenministeriums ausgesparte Fläche unterm Fenster zeigt jetzt nur noch mit viel gutem Willen Spuren der vielen Kerzen, die die Volkspolizisten vor 25 Jahren einfach nicht mehr schafften wegzutreten. Es waren einfach zu viele.

Damit die Erinnerung an die Friedliche Revolution in Schwerin nicht auch in den Köpfen verblasst, gab und gibt es zahlreiche Veranstaltungen, Dokumentationen und Veröffentlichungen. Mit einer ganz besonderen reihte sich jetzt die Friedrich-Ebert-Stiftung ein: Martin Klähn, Mitbegründer des Neuen Forums in Schwerin, lud zu einem Stadtrundgang ein – und gut drei Dutzend Interessierte gingen mit ihm auf Spurensuche. Nach dem zweistündigen Rundgang stellte sich ein weiterer Zeitzeuge dem Gespräch: SDP-Gründungsmitglied Gottfried Timm.

Die Spurensuche führte an die Orte der Stadt, an denen 1989/1990 Geschichte geschrieben wurde: Der Alte Garten gehörte dazu, wo sich am 23. Oktober vor 25 Jahren erstmals öffentlich in der damaligen Bezirksstadt der politische Konflikt zeigte. Das Neue Forum hatte zur ersten Montagsdemonstration in Schwerin aufgerufen. Und die SED-Oberen konterten: Sie organisierten eine eigene Kundgebung zur selben Zeit. Auf dem Alten Garten trafen die beiden Lager aufeinander. „Auch wenn die Leipziger Demos zuvor gut gelaufen waren, hatten wir uns auf alles vorbereitet“, berichtete Martin Klähn. Dom, Schelf- und Paulskirche waren als Rückzugsorte geöffnet, Anna-Hospital und die Kita in der Apothekerstraße boten Kinderbetreuung und auf Handzetteln wurde zum widerstandslosen Verhalten geraten, sollte es zu Festnahmen kommen. Doch alles blieb gewaltfrei.

Klar war das lange nicht. Zur „umfassenden politisch-operativen Sicherung der Großkundgebung“, wie es im Stasi-Jargon hieß, waren Waffen an Funktionäre herausgegeben, Zuführungspunkte eingerichtet und Sicherheitskräfte zusammengezogen worden. Doch der Ernstfall trat nicht ein – auch in Schwerin verlief die Revolution friedlich. „Vielleicht waren es auch unsere Symbole, die Kerzen“, erinnerte sich Ingo Schlüter, heute DGB-Funktionär. „Wir hielten Kerzen, mit denen man eben nicht schlagen konnte.“

Und auch die Streifenpolizisten agierten teilweise rational, erinnerte sich Martin Klähn: Auf der Werderstraße fragten sie uns, ob wir nicht schon in der Amtstraße abbiegen könnten. Dann wäre es für sie leichter, als wenn sie die Kreuzung zur Knaudtstraße sperren müssten. Haben wir gemacht. Wir waren ja flexibel.“

Zu den Stationen des Rundgang gehörten auch der Paulskirchenkeller, das erste Büro des Neuen Forums in der Goethestraße 99, die alte Meldestelle in der Franz-Mehring-Straße und der Dom, wo es in der Wendezeit die Friedensgebete gab.

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