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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 13:36 Uhr

Staatstheater Schwerin : Auf Crashkurs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Staatstheater Schwerin braucht weitere 5,5 Millionen Euro. OB Gramkow: Land plant an Realitäten vorbei.

svz.de von
erstellt am 09.Dez.2015 | 20:30 Uhr

Mit schweren Vorwürfen gegen den Kultusminister wehrten sich gestern Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) und die Intendanz des Mecklenburgischen Staatstheaters gegen das Einfrieren der vereinbarten Soforthilfe von 1,5 Millionen Euro für das Fünf-Sparten-Haus. Von Anfang des Reformprozesses an habe festgestanden, dass sich ein weiteres Defizit bei der Theaterfinanzierung auftun werde. Minister Mathias Brodkorb (SPD) kenne die Zahlen seines Hauses nicht. Von Brodkorbs Beraterfirma Metrum seien vor Jahren Zahlen in die Welt gesetzt worden, die nicht stimmten, so die Kritik.

Der Hintergrund: Das Kultusministerium verweigert die Auszahlung der Soforthilfen mit der Begründung, dass vom Staatstheater ein zusätzlicher Finanzbedarf für 2016 bis 2020 über die vereinbarten jährlichen 1,1 Millionen Euro hinaus geltend gemacht werde. Kommt das Geld nicht, muss der Schweriner Generalintendant Joachim Kümmritz zum Insolvenzrichter. Die Fusion zwischen dem Staatstheater und dem Landestheater Parchim unter Landesbeteiligung würde scheitern.

Generalintendant Kümmritz: „Bis 2020 gibt es trotz Einhaltung aller Absprachen – Haustarifverträge für die Mecklenburgische Staatskapelle, Schließung einer Spielstätte, Personalabbau usw. – eine Differenz zu den bisher gedachten Rechnungen von 5,5 Millionen Euro.“ Das heißt, weitere Landeszuschüsse sind notwendig.

Aus diesem Grund hatte Brodkorb Anfang der Woche die Reißleine für eine Landesbeteiligung an der neuen Theatergesellschaft gezogen. „Die Risiken sind uns als Land nicht bekannt“, begründete er den Schritt.

Gramkow: „Es kann nicht sein, dass der Bildungsminister jetzt zum Rückzug bläst und den gemeinsamen Weg verlässt, weil sich die Zahlen seines Metrum-Gutachtens als nicht belastbar erweisen. Wir als Kommunen wollen nicht den Scherbenhaufen einer missglückten Theaterreform zusammenkehren.“ Sie wirft der Regierung vor, im Haushalt 2016/2017 an den Realitäten vorbeigeplant zu haben, und die Fehler der eigenen Politik bei den Theaterträgern abzuladen.

Dennoch Gramkows klares Bekenntnis: „Nach drei Jahren harter Verhandlungen darf die Theaterreform nicht mit einer Insolvenz auf der Zielgeraden scheitern. Wir stehen zum Modell eines Staatstheaters Mecklenburg in Landesträgerschaft.“

Gestern Abend beschäftigte sich der Koalitionsausschuss von SPD und CDU mit dem Thema. Brodkorb steht beim Koalitionspartner CDU unter Druck, weil dieser fürchtet, dass Schwerin gegenüber den Theatern in Vorpommern, im Stammwahlgebiet der CDU, bevorzugt werde.

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