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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. Oktober 2017 | 15:53 Uhr

Ernte bei Görslow : Auch Kamele mögen seine Gerste

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landwirt Frank Piehl hat erste Ernte-Etappe geschafft – 60 Hektar sind gedroschen und das Korn wird sogar nach Saudi-Arabien geliefert

von
erstellt am 23.Jul.2016 | 16:00 Uhr

Golden wiegen sich die Ähren im Wind. Aber nicht mehr lange, denn der Mähdrescher ist schon in Sichtweite. Frank Piehl steuert seinen „Löwen im Kornfeld“ in schnurgerade Bahnen über die große Fläche bei Görslow. Es sind die letzten Stunden der Wintergersten-Ernte. „Wir sind schon in Verzug und freuen uns über den Sonnenschein in diesen Tagen. Jetzt können wir alles vom Halm holen“, erklärt der Landwirt. Zufrieden klingt er dennoch nicht. „Hier liegen die ersten Ähren schon auf dem Boden“, sagt er, steigt aus und hat mit einem Griff gleich drei Gersten-Köpfe vom Boden aufgesammelt. Das Stroh sei schon so schwach, dass die Ähren abknicken.

„Man sieht auch, dass die Gerste nur noch in wenigen Bereichen gut dasteht“, schiebt der 48-Jährige hinterher. Dann steigt er wieder in seine gelbe Erntemaschine. Es geht weiter. Jede Sonnenminute muss genutzt werden und sei gerade in der Erntezeit auch bares Geld.

Ist das Getreide zu nass, wird nicht gedroschen. „Bei 14 Prozent Feuchte ist alles gut. Liegt der Wert bei 16 Prozent, werden pro Tonne etwa 20 Euro für Trocknungskosten abgezogen“, sagt Frank Piehl. Da kommt es schnell mal vor, dass die Laune in den Keller geht. Was sagt die Familie? „Meine Frau hat sich mittlerweile dran gewöhnt, dass ich dann etwas unleidlich bin“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

60 Hektar haben er und sein Bruder Klaus in diesem Jahr angebaut. Der durchschnittliche Ertrag liegt in diesem Jahr zwischen sechs und sieben Tonnen Getreide je Hektar. Auf dem Bordcomputer sieht er stets genau den geernteten Ertrag. „Liegt der Wert bei acht Tonnen je Hektar, dann schaut der Landwirt auch nicht so grimmig aus der Wäsche“, sagt er und muss selbst lachen. Doch dieser Wert erscheint immer nur kurz auf dem Display. Meistens dann, wenn das neun Meter breite Schneidwerk weit entfernt von der Leitspur die Ähren verschlingt. Plötzlich ein lauter Knall in der Kabine. „Oh, wir haben einen Stein erwischt“, sagt Piehl, lässt das Schneidwerk rauf- und runterfahren, die Schnecke in entgegengesetzter Richtung drehen. Dann muss er doch noch raus. „Ja, manchmal ist auch Handarbeit gefragt“, sagt er und entfernt den faustgroßen Stein.

Wenige Minuten später rattert die Technik erneut. Der Korntank ist voll. Sein Bruder Frank ist schon auf dem Weg. Schnell sind die Ladefläche des L60 und der Anhänger gefüllt. „Das ist ein schöner Moment. Hier siehst du den Erfolg deiner Arbeit“, sagt er und schaut zu, wie die Gerste auf die Ladefläche fließt.

Dass aus diesen goldenen Körnern kein Bier wird, ist Frank Piehl egal. „Wir haben Futtergerste angebaut. Die wächst hier besser als Braugerste. Unterm Strich müssen wir das anbauen, womit wir Geld verdienen“, sagt der Alt Schlagsdorfer. Die Gerste der Piehls wird beim Landhandel in Brüel abgeliefert. Dann geht sie auf weite Reise. „Das Meiste landet in Saudi Arabien, die deutsche Gerste lassen sich auch die Kamele gern schmecken“, erzählt der Landwirt.

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