Schwerins Gewässer : Aubach trieb die Mühlen an

Versteckt und in miserablem Zustand am Aubach: Für die Erneuerung der ältesten Brücke der Stadt aus dem Jahr 1773 fehlt das Geld.
Versteckt und in miserablem Zustand am Aubach: Für die Erneuerung der ältesten Brücke der Stadt aus dem Jahr 1773 fehlt das Geld.

In Schwerin gibt es nicht nur die Seen – das kleine Gewässer hatte einst große Bedeutung für die Stadt

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23. Juni 2017, 16:00 Uhr

Wasser – das ist das bestimmende Element überall in der Stadt. Seen machen Schwerin zu einem beliebten Wassersportrevier. Geschätzt 8000 Boote auf den Gewässern legen dafür Zeugnis ab. Das Besondere aber: Viele der großen Seen sind miteinander verbunden und über die Stör könnte man auf dem Wasserweg sogar bis Berlin gelangen. SVZ stellt in dieser Woche die Flüsse und Kanäle in Schwerin vor und beleuchtet ihre Geschichte und ihre jetzige Bedeutung. Heute: der
Aubach.

Es ist ein kleiner, unscheinbarer Bach, der sich da vom Kleinen Dambecker See südlich von Wismar durch die Wiesen schlängelt, den Trebbower See, den Barner Stücker See und den Medeweger See passiert, um dann in den Pfaffenteich zu münden. Von dort geht es weiter durch den Ziegelsee und den Heidensee in den Schweriner See. Doch so unbedeutend der 24 Kilometer lange Aubach für die Stadt auch zu sein scheint, war er doch noch bis 1860 wichtig für die Versorgung der Bürger: Sein Wasser trieb mehrere Mühlen an.

In der Nähe des Bürgermeister-Bade-Platzes stand einst die Bischofsmühle. Eine erste Anlage mit diesem Namen wird in den Akten schon 1178 erwähnt. Eine Bischofsmühle wird dann 1763 genannt. Diese Mühle nutzte das Wasser des Aubachs. Sie wurde von 1860 an als Dampfmühle betrieben, 1925 stillgelegt und 1933 abgerissen. Ihre Kellergewölbe sind noch teilweise vorhanden. In den Mauern sind noch die Löcher zu sehen, durch die die Antriebswellen liefen.

Die Bischofsmühle stand einst vor den Toren der Stadt an der Straße nach Lübeck. Lange bevor der Bahndamm nach Bad Kleinen gebaut wurde, führte diese Straße über eine Aubachbrücke aus dem Jahr 1773. Dies ist damit die älteste Brücke Schwerins. Es gab einmal die Idee, einen Radweg über sie zu führen. Doch der städtische Geldmangel verhinderte alle weiteren Planungen – die Brücke verfällt.

Das Wasser des Aubachs trieb noch eine weitere Mühle an – die Grafenmühle. Sie stand an der Ecke Schlossstraße, Mecklenburgstraße. Für ihren Betrieb wurde ein Damm durch den Ziegelsee gebaut. Dieser Mühlendamm, heute der Spieltordamm, wurde 1710 für den Verkehr freigegeben. Er staute den Aubach und es entstand der Mühlenteich, der heutige Pfaffenteich. Von dort floß das Wasser über den Fließgraben – über dem jetzt die Mecklenburgstraße verläuft – zum Burgsee und trieb auf seinem Weg die Grafenmühle an. An der Ostseite des Fließgrabens endete damals die Stadt. Erst als Georg Adolph Demmler das Fließ im Jahr 1841 überwölbte, konnte sich Schwerin weiter ausbreiten – es entstand die Paulsstadt.

Bis Anfang der 1970er-Jahre hatte der Aubach noch eine weitere, besondere Funktion. In der Nähe seiner Mündung in den Pfaffenteich befand sich das Winterquartier für die Schweriner Schwäne. Wie heute noch in Hamburg wurden die Vögel eingefangen, ins Winterquartier gebracht und dort versorgt. Darunter befanden sich damals auch noch Schwarze Schwäne. Diesen Eingriff in die Natur gibt es heute in Schwerin nicht mehr – und auch die Schwarzen Schwäne sind von den Gewässern verschwunden.

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