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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 03:13 Uhr

Lebendes Moor : Atelier für Künstler des Überlebens

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

BUND ernennt Moore zum Biotop des Oktobers: SVZ besucht Pflanzen und Tiere in Schwerins stark gefährdeten Sümpfen

von
erstellt am 21.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Mythen über Moorleichen und Irrlichter ranken sich um die feuchten, dunklen Orte. Sümpfe gelten als lebensfeindlich, als Biotope kämpfen sie allerdings seit Jahren selbst ums Überleben – zum Beispiel bedroht vom Jahrhunderte langen Torfabbau. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ernannte die bedrohten Lebensräume zum Biotop des Monats Oktober. SVZ besucht mit dem Schweriner Verband einige Moore der Landeshauptstadt.

Vom Paulsdamm aus erhalten Schweriner einen ersten Blick ins Atelier der Überlebenskünstler. Gräben ziehen sich entlang, Wurzeln, Bäume und Totholz recken sich aus dem trügerischen Untergrund. Nährstoffarm und feucht ist es. Nur die Trickreichen überleben die extremen Bedingungen im Moor. Die extremen Standortbedingungen würden den Bewohnern alles abverlangen, erläutert der BUND. So würden sich im Moor die seltsamsten Bewohner wohl fühlen. Fleischfressende Pflanzen wie der Rundblättrige Sonnentau fangen mit ihrem Spezialklebstoff Insekten, um auf dem nährstoffarmen Boden an nahrhafte Proteine zu gelangen. Der wurzellose Kleine Wasserschlauch fängt unter der Oberfläche der Moorseen kleinste Wassertiere. Die Samen des am Boden kriechenden Sumpf-Bärlapp brauchen bis zu fünfzehn Jahre zum keimen. „Trocknet ihr Lebensraum aus oder wird die Konkurrenz zu stark, verschwinden sie“, so Janine Wilken vom BUND Schweri . „Kein Wunder, dass die Pflanze vom Aussterben bedroht ist.“

Aber Torfmoose bauen die Sumpflandschaft stetig aus. Der untere Teil des Mooses stirbt ab und bildet Torf, der obere Teil wächst unbegrenzt weiter. Auf den nassen Torfböden fühlt sich das puschelige Wollgras zuhause. Es gilt als Pionier des unwirtlichen Lebensraumes.

Selten sind die so genannten Schwingrasen, die es auch am Grimke See in Görries gibt. Ein falscher Schritt kann lebensgefährlich sein. „Wie der Name schon sagt, schwingen diese aus Moosen bestehenden ,Rasen‘, wenn man darüber läuft“, erklärt Janine Wilken. „Es fühlt sich an, als würde man auf einem Wasserbett gehen. Dass liegt daran, dass der Boden mit Wasser gesättigt ist.“

Mitte Mai bis Juni können Geduldige am Grimke See auch die Kleine Moosjungfer beobachten, eine streng geschützte Libellenart. Sie hat sich laut Dr. Hauke Behr vom Schweriner Umweltamt erst kürzlich dort eingefunden.

Ebenfalls sehr selten ist der Große Moorbläuling, ein Schmetterling. Die Raupen des Überlebenskünstlers lassen sich im Herbst von den Blütenpflanzen fallen, von Ameisen einsammeln und entwickeln sich über den Winter im warmen Ameisenbau. Im Frühjahr schlüpfen dann die Schmetterlinge.

Schwimm-, Lauf- und Blattkäfer, Mooreidechsen, Moorfrösche und Kreuzottern sind in Sümpfen beheimatet. Im Herbst bekommen sie Besuch von vielen Zugvögeln wie den Kranichen. Wer den Feuchtgebieten einen Besuch abstatten will, sollte sich sachkundigen Führern anschließen. Lehrpfade gibt es auch am Grambower Moor.

 

 

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