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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 06:15 Uhr

Neu Zippendorf : Asylbewerber bleiben Nachbarn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schwerin hält an seiner Linie fest: Hilfesuchende werden weiter dezentral untergebracht – Gespräche mit Vermietern laufen

von
erstellt am 24.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Asylbewerber sollen in Schwerin auch weiterhin dezentral untergebracht werden. „Wir halten an unserer bisherigen Regelung fest“, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) bei einer Veranstaltung im Haus der Begegnung in Neu Zippendorf. Nach Angaben von Stadtsprecherin Michaela Christen gibt es in dieser Frage auch keine unterschiedlichen Auffassungen in der Verwaltungsspitze. Gerüchte über Differenzen zwischen Gramkow und Sozialdezernent Dieter Niesen (SPD) wies sie zurück.

Rund 190 Asylbewerber, darunter etwa 60 Kinder, beherbergt die Stadt aktuell in den Übergangswohnungen in der Hamburger Allee und anderen Standorten in Schwerin. Die Flüchtlinge kommen unter anderem aus dem Iran, Syrien, Afghanistan und der Ukraine.

Im laufenden Jahr werde die Landeshauptstadt mehr Asylbewerber aufnehmen, als sie eigentlich müsse, erklärte Oberbürgermeisterin Gramkow. „Wir kommen unserer Verantwortung nach und werden den Menschen helfen.“ Besonders gerührt zeigte sich Gramkow vom Schicksal einer Familie aus Syrien, die ihren bescheidenen Wunsch in einem Satz zusammengefasst habe: „Bisher haben wir in einem Pappkarton geschlafen, eigentlich brauchen wir nur ein Bett.“ Derzeit liefen Gespräche mit der Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS), der Schweriner Wohnungsbaugenossenschaft (SWG) und anderen Vermietern über die Anmietung von zusätzlichem Wohnraum für Asylbewerber, so Gramkow.

Das Land rechnet in diesem Jahr mit etwa 4700 neu ankommenden Asylbewerbern in Mecklenburg-Vorpommern. Grundlage sei eine Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge vom September vergangenen Jahres, sagte die Sprecherin des Innenministeriums, Marion Schlender. Nach dem Verteilungsschlüssel innerhalb von MV müsse die Landeshauptstadt in diesem Jahr rund 135 Asylbewerber aufnehmen. Diese Zahl könne sich aber durchaus noch erhöhen, schließlich sei der Zustrom von Flüchtlingen im letzten Quartal 2014 besonders groß gewesen.

Laut Schlender hält das Land unterdessen an seinen Plänen fest, auf dem ehemaligen Armeegelände in Stern Buchholz eine Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Horst bei Boizenburg zu errichten. Rund 600 Plätze gäbe es in Horst. „Die Kapazitäten reichen aber nicht mehr aus“, so die Ministeriumssprecherin. Deshalb sollen in Stern Buchholz bis zu 450 Unterkunftsmöglichkeiten geschaffen werden.

Voraussichtlich Mitte des Jahres werde die Außenstelle in Stern Buchholz ihren Betrieb aufnehmen, kündigte Schlender an. Nur die Vermietungsmodalitäten müssten noch geklärt werden. Das Schweriner Unternehmen KGW, das auf dem Gelände in Stern Buchholz einen Solarpark betreibt, hatte die frühere Bundeswehr-Immobilie beim Land ins Gespräch gebracht – zum Ärger von OB Gramkow an der Stadt vorbei (wir berichteten). Allerdings: Eine Nutzung der leerstehenden Wohnblöcke als Flüchtlingswohnheim war von der Kommune zuvor abgelehnt worden – mit Hinweis auf den Vorrang der dezentralen Unterbringung.

Wegen der beabsichtigten Einrichtung einer Außenstelle von Horst gäbe es nun aber keine Probleme zwischen Land und Stadt, betonte Ministeriumssprecherin Schlender. „Die Stadt unterstützt uns.“

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