Vogelhäuschen für 25 000 Euro : Artenschutz wird groß geschrieben

Bevor an der Möwenburgstraße die alten Hallen abgerissen werden, wurde der Schuppen (r.) bereits zum Artenschutzhaus ausgebaut werden.
Bevor an der Möwenburgstraße die alten Hallen abgerissen werden, wurde der Schuppen (r.) bereits zum Artenschutzhaus ausgebaut werden.

Bevor an den Sodemannschen Teichen und am Nordufer des Ziegelsees gebaut werden kann, müssen Ausweichquartiere für Vögel her

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11. Februar 2014, 23:34 Uhr

Die Landeshauptstadt geht neue Wege im Naturschutz. Am künftigen Wohngebiet „Am Sodemannschen Teich“ soll der erste Artenschutzturm Schwerins entstehen. Ein Neubau für rund 25 000 Euro, die der Bauträger der Fläche bezahlen muss und letztendlich auf den Grundstückspreis aufschlagen kann.

Solche Artenschutztürme sind grundsätzlich nichts Neues – sie stehen überall in Deutschland. Bei Gera wurde der Turm eines inzwischen abgerissenen Gutes umgerüstet, in Wünschendorf/Elster wird eine ehemalige Pumpstation genutzt und in Barnin bei Crivitz ist es ein nicht mehr benötigter Hochtrafo. Solche Türme, so die Stiftung Pro Artenschutz, „sind wahre Rettungsinseln für regional bedrohte, Gebäude bewohnende Tierarten“. Die Bauten sind so ausgerüstet, dass sie Verstecke und Quartiere für Schleiereulen, Dohlen, Stare, Mehl- und Rauchschwalben, den Hausrotschwanz, die Bachstelze, Haus- und Feldsperlinge sowie mehrere Fledermausarten bieten. Aber auch einzeln lebende Einsiedlerbienen und selbst Reptilien könnten hier Unterkunft finden.

An den Sodemannschen Teichen soll der Artenschutzturm als Ersatz für Fledermaus- und Vogelquartiere gebaut werden, die abgerissen werden oder schon verschwunden sind. Die Tiere hatten sich in den seit Jahren nicht mehr genutzten Gebäuden der ehemaligen Großbäckerei häuslich eingerichtet. Damit sie in ihrem angestammten Gebiet bleiben können, soll nun der Artenschutzturm gebaut werden. „Das ist vor allem für Rauchschwalben wichtig“, sagt Britta Gronewold vom Umweltamt. „Für sie gibt es in dem Gebiet sonst keine Ausweichquartiere.“ Denn die Rauchschwalbe nistet in Gebäuden. Das aber wird in der Stadt immer schwieriger, weil Häuser immer dichter gemacht werden und Industriebrachen, wie an den Sodemannschen Teichen, nach und nach verschwinden.

Der Artenschutzturm soll 6,60 Meter hoch werden und etwas abgesetzt von der Wohnbebauung errichtet werden. Bäume und Sträucher werden ihn umgeben. „Solche Bauwerke werden in der Regel gut angenommen“, so Gronewold. „Wir gehen davon aus, dass das auch hier geschieht.“

Ein Artenschutzbauwerk anderer Art gibt es bereits an der Möwenburgstraße. Dort werden am Nordufer des Ziegelsees alte Hallen abgerissen, um Platz für neue Wohnhäuser zu schaffen. Das Problem auch hier: Fledermäuse und Rauchschwalben brauchen Ausweichquartiere. Deshalb hat der Investor einen am Ufer stehenden Schuppen zur Artenschutzhütte umgebaut. Die Tiere sollen dort während der Bauarbeiten Unterschlupf finden. „Wenn die Neubauten fertig sind, müssen sie so ausgerüstet werden, dass sie Vögeln und Fledermäusen Quartier bieten“, sagt Britta Gronewold. „Dann kann der Schuppen abgerissen werden.“ Die neuen Gebäude – geplant sind ein Doppelhaus, ein Fünf- und ein Zehngeschosser – werden mit Schwalbennestern und Fledermaushütten ausgerüstet.

Der Bau von Artenschutztürmen und -häusern ist zwingend vorgeschrieben. „Das ist EU-Recht“, sagt Britta Gronewold. Danach dürfen „Fortpflanzungs- und Ruheplätze“ von Fledermäusen und Vögeln nicht zerstört werden. Ist das aber unumgänglich, muss Ersatz geschaffen werden. So eben auch am Sodemannschen Teich und an der Möwenburgstraße.

Ersatzquartiere für Flattertiere können aber durchaus auch unbeachtet bleiben. Ein Schwalbenhaus, das vor Jahren im Hof des Sportgymnasiums aufgestellt wurde, haben die Tiere einfach ignoriert.

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