Arge startet ihr bislang größtes Projekt

Umbau läuft auf Hochtouren: Werner Koch und Christian Pupp haben im Sozialkaufhaus einen Job auf Zeit.Wolfried Pätzold
Umbau läuft auf Hochtouren: Werner Koch und Christian Pupp haben im Sozialkaufhaus einen Job auf Zeit.Wolfried Pätzold

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06. April 2010, 09:42 Uhr

Parchim | Hinter den Schaufensterscheiben des früheren Kaisers-Marktes in der Parchimer Brunnenstraße tut sich wieder etwas. Es wird tüchtig gemalert, gehämmert und am Lieferanteneingang treffen die ersten Waren ein.

Am 3. Mai werden sich hier die Türen nach mehr als einem Jahrzehnt Leerstand wieder öffnen. Die Kreisstadt bekommt dann ein weiteres Kaufhaus. Doch von üblichen Geschäften unterscheidet es sich grundlegend. "Bei uns gibt es vielfältige Waren: von der Schrankwand über das Küchengeschirr bis zur Babywäsche", sagt Kaufhausleiter Bernd Hännel. Und alles zum unschlagbaren Preis. "Die Couch, der Kühlschrank oder ein Fahrrad kosten maximal fünf Euro. Das T-Shirt mitunter für wenige Cent."

"Wer hier einkaufen möchte, muss allerdings einen Bewilligungsschein der Arge oder des Sozialamtes vorweisen und im Landkreis Parchim wohnen", erklärt Kornelia Gruel als Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft zur Grundsicherung für Arbeitssuchende (Arge). Sie betreut etwa 6500 Bedarfsgemeinschaften mit rund 11 000 Frauen, Männern und Kindern, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II beziehen und zwischen Schweriner und Plauer See zu Hause sind. Für sie wird nun ein gemeinnütziges Kaufhaus eingerichtet, um die steigende Nachfrage nach bezahlbaren Waren abzudecken. "Wir bringen damit unser bislang größtes Projekt zum Laufen. Es geht um den sozialen Frieden. Unsere Kunden können sich viele Dinge in den normalen Geschäften einfach nicht leisten", sagt Kornelia Gruel.

Auf der Suche nach leistungsfähigen Partnern hat sich die Arge unter mehreren Bewerbern für eine Kooperation der seit zwei Jahren in der Region tätigen FAW Akademie Lübeck und der Beschäftigungsgesellschaft ABS Parchim entschieden. "Wir betreiben bereits gemeinnützige Kaufhäuser unter anderem in Grevesmühlen, Wismar, Ribnitz-Damgarten und Wolgast", sagt FAW-Projektleiter Ingo Sonntag. "Im Mittelpunkt steht nicht der Verkauf, sondern die Befähigung der Mitarbeiter, unter realen Bedingungen zurück auf den ersten Arbeitsmarkt zu kommen. Und das haben rund 30 Prozent in unseren anderen Kaufhäusern auch geschafft", gibt sich Sonntag zuversichtlich.

In Parchim werden 50 Frauen und Männer, von denen viele bereits jetzt beim Umbau mitarbeiten, tätig sein. Acht von ihnen arbeiten weiter in der Textilwerkstatt der ABS, die Waren für das Kaufhaus in den eigenen Räumen in der Meyenburger Straße aufarbeiten.

Möbel, Bekleidung, Fahrräder, Haushaltstechnik u.ä. werden im gesamten Landkreis gesammelt. Wer spenden möchte, kann sich im Kaufhaus melden (Telefon 038 71 / 421 188 00) und die Abholung sperriger Güter vereinbaren.

Kooperationen werden auch mit Firmen der Region aufgebaut. Zum Beispiel mit dem BBM-Einrichtungshaus. Möbel, die Kunden beim Neukauf entsorgen lassen, werden nach Möglichkeit aufgearbeitet und wieder angeboten. Da das Kaufhaus neben einer Marketingabteilung auch über mehrere Werkstätten verfügt, bekommen Kunden zwar gebrauchte, aber voll funktionstüchtige Waren. "Wir rechnen bereits am ersten Tag mit einem großen Ansturm", so Ingo Sonntag.

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