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18. November 2017 | 17:09 Uhr

Schwerin : Architekten sehen Vorteile im Welterbe

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Welche Auswirkungen hätte der Welterbe-Status für das Schweriner Residenzensemble auf die Eigentümer von Gebäuden innerhalb des Antragsbereiches? Antworten bekamen Besucher des Bürgerforums im Schleswig-Holstein-Haus.

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erstellt am 26.Apr.2012 | 02:58 Uhr

Welche Auswirkungen hätte der geplante Welterbe-Status für das Schweriner Residenzensemble auf die Eigentümer von Gebäuden innerhalb des Antragsbereiches? Werden potenzielle Investoren abgeschreckt, die Häuser sanieren wollen? Kann künftig überhaupt noch neu gebaut werden in der Altstadt? Diese und viele andere Fragen bewegen die Schweriner, wenn sie von den forcierten Anstrengungen zur Aufnahme des Schlosses und der angrenzenden Gartenlandschaft in die Welterbeliste der Unesco hören. Antworten von Experten bekamen die Besucher des Bürgerforums im Schleswig-Holstein-Haus, zu dem der CDU-Stadtbezirksverband eingeladen hatte.

Zunächst aber stellte Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff den aktuellen Stand des Bewerbungsverfahrens dar: Dank der nun eindeutigen Positionierung des Landtages und der Landesregierung zu Gunsten Schwerins wird Mecklenburg-Vorpommern nur mit einem Objekt, nämlich dem historistischen Schlossensemble, in die Neuverhandlungen zur deutschen Antragsliste für das Welterbekommittee gehen. Alle anderen Wünsche, etwa das Doberaner Münster oder den Museumskomplex Peenemünde auf die Welterbeliste der Unesco zu bekommen, werden im Lande zurückgestellt.

Friedersdorff informierte zudem über das von Dr. Christian Ottersbach erstellte wissenschaftliche Gutachten und die Dokumentation, die die Einzigartigkeit und Authentizität des Schweriner Residenzensembles als Kulturlandschaft des romantischen Historismus ausweist. Die Einzigartigkeit sieht der Gutachter vor allem in der Geschlossenheit und dem weitestgehend erhaltenen Originalzustand des Ensembles mit Residenzschloss, historischen Gartenanlagen, dem Alten Garten als geschlossenem Platz mit zahlreichen historistischen Bauten wie Theater, Museum und Kollegiumsgebäude sowie angrenzenden Bauwerken dieser Zeit wie Kulissenhaus, Maschinenhaus, Direktorenvilla, Marstall, Dampfwäscherei, Bettenkammer, Jägerhof, Artilleriekasernen und weiteren noch erhaltenen Gebäuden. Das alles harmonisch eingebunden in die wasserreiche Endmoränenlandschaft verleihe Schwerin einen besonderen Reiz. Hinzu zählt Dr. Ottersbach dann noch die landschaftsgärtnerische Anlage Kaninchenwerder sowie vier Exklaven in der Pufferzone mit direktem Bezug zur Residenz: Dom und Schelfkirche als Grablege der Herzöge sowie Paulskirche und Neustädtisches Palais als historistische Bauwerke mit direktem Bezug zum Fürstenhaus.

Die große Ausdehnung des Areals, das für die Unesco-Liste vorgeschlagen werden soll, beunruhigt indes so manchen Schweriner. Die wichtigste Frage stellte Sven Klinger: „Werden künftig die Schlossfestspiele auf dem Alten Garten stattfinden können?“ Eindeutige Antwort der Experten: Ja. Dabei verwies Dr. Enoch Lemcke vom Kultusministerium auf die jüngste Stellungnahme des Ministerpräsidenten zu dieser Thematik, der sich zum „lebendigen Kulturerbe“, zur Weiterführung der Schlossfestspiele und anderer Veranstaltungen auf dem Alten Garten bekannt hatte. Zu beachten ist allerdings, dass Kulissen und Traversen nicht in überbordende Dimensionen ausufern dürfen.

Das Thema Bauen wurde ebenfalls mehrfach angesprochen. Auch da konnte der Präsident der Architektenkammer MV, Joachim Brenncke, klare Antworten geben: „Der Unesco-Status verbietet weder Neubau noch Sanierung, wie in Wismar, Stralsund oder Lübeck zu sehen ist. Gefragt ist allerdings anspruchsvolles Bauen, und dafür gibt es Regeln. Doch das dürfte sich ohnehin von selbst verstehen, denn kein Mensch würde heute mehr im Altbau sprossenlose Plastefenster einsetzen“, verdeutlichte Brenncke am konkreten Beispiel. Zugleich verwies er darauf, dass durch die Ausweitung der Denkmalschutzbereiche sich erweiterte Möglichkeiten der steuerlichen Abschreibungen für Investitionen ergeben. „Die Bauherren partizipieren ganz eindeutig davon“, betonte der Präsident der Architektenkammer. „Sie können viel mehr ziehen.“ Lemcke ergänzte: „Hier geht nichts über den Denkmalschutz hinaus.“

Martina Müller, Geschäftsführerin der Stadtmarketing-Gesellschaft, verwies darauf, dass Wismar und Stralsund, deren Altstädte seit zehn Jahren auf der Unesco-Liste stehen, nachweislich einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen seit dem Welterbe-Status verzeichnen können. „Schwerin kann bereits aus der Antragsphase Nutzen ziehen, wird doch schon allein damit ausgewiesen, dass das Schlossensemble wert wäre, auf die Liste zu kommen“, ergänzte Friedersdorff. Jetzt komme es darauf an, die Schweriner auf diesem Weg mitzunehmen, sie für ihr Denkmal, seinen Schutz und seine Pflege zu begeistern, sagte er.

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