Holthusen : Arbeiten auf dem Bauernhof

Futter für Hängebauchschwein Fritzi:  Sophie Beese reicht ihm Apfelstücke, die er genüsslich verschlingt. Der Kinderbauernhof der Holthusener Genossenschaft ist ein Anziehungspunkt.
Futter für Hängebauchschwein Fritzi: Sophie Beese reicht ihm Apfelstücke, die er genüsslich verschlingt. Der Kinderbauernhof der Holthusener Genossenschaft ist ein Anziehungspunkt.

Die 18-jährige Sophie Beese leistet in der Agrargemeinschaft Holthusen vor Studienbeginn ein Freiwilliges Ökologisches Jahr

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18. November 2015, 16:50 Uhr

„Freddy. Fritzi.“ Die beiden Hängebauchschweine schauen aus dem Stall und nähern sich ganz gemächlich dem Eingangstor. Sie ahnen, dass es Futter gibt. Dafür sind sie immer zu haben. Sophie Beese kennt das Ritual mittlerweile. Sie mag die beiden Schweine, die mit Schafen, Ziegen und einem Esel auf dem Kinderbauernhof der Agrargemeinschaft Holthusen leben. Im roten Plasteeimer hat Sophie Apfelstücke und reicht Fritzi eins davon. Der lässt sich nicht lange bitte, frisst es genüsslich. „Man sieht es den beiden nicht unbedingt an“, sagt die 18-Jährige. „Aber sie bekommen tatsächlich viele frische Vitamine, also sehr gesundes Futter.“

Mit dem Tierleben in der Holthusener Genossenschaft hat sich Sophie Beese schon vertraut gemacht. Das Füttern der Schweine gehört dazu. Aber das ist längst nicht alles. Sophie absolviert hier ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr und will Erfahrungen sammeln.

Im Sommer hat sie ihr Abitur am Goethegymnasium in Schwerin gemacht. Wie ihre Freundin auch. Sie haben sich Gedanken gemacht, was sie studieren könnten und sind auf den Studiengang Agrar- und Umweltwissenschaften gestoßen. An der Fakultät der Universität Rostock. Zugangsvoraussetzung ist allerdings ein Praktikum. Die Zeit zwischen Abi und Studienbeginn sei dafür zu kurz gewesen, erzählt Sophie Beese. Und eine kleine Pause nach der ganzen Paukerei wollte sie sich schon gönnen. Also hat sie sich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr entschieden, das als Praktikum angerechnet wird.

In der Agrargemeinschaft Holthusen habe sie schon mehrere Bereiche kennen lernen können. Auch die Milchwirtschaft. Um drei Uhr stand sie zu Hause in Kothendorf auf, eine Stunde später säuberte sie schon die Euter der Milchkühe im Stall und schaute den Melkern beim Anlegen des Melkgeschirrs über die Schulter. Jetzt hat die Agrargemeinschaft ihre Kühe verkauft und die Milchproduktion vorübergehend eingestellt. Nur noch weibliche Jungrinder, die bald kalben, stehen im Stall. Holthusen will einen neuen modernen Milchviehstall außerhalb des Dorfs bauen (SVZ berichtete).

Mit Romantik habe die Arbeit im Stall nichts zu tun, sagt Sophie. Das habe sie auch gar nicht erwartet. „Ich stand mit meinen Stiefeln auch schon mal 20 Zentimeter in der Kuhschiete. Und der Stallgeruch ist auch nicht gerade angenehm. Aber was solls! Das gehört nun mal zur dieser Arbeit dazu“, sagt die Kothendorferin. Kälber zu tränken, sich um Neugeborene zu kümmern, sei dann schon reizvoller.

Ihre Betreuerin, die Chefin der Agrargemeinschaft, Brigitte Roost-Krüger, habe ihr gesagt: Arbeit schadet nicht. Und diesen Satz hat sich Sophie zu eigen gemacht. Man sollte vor jeder Arbeit Respekt haben, egal ob einer im Büro am Computer sitze oder im Stall die Kühe füttere, betont sie.

Gefreut hat sich die 18-Jährige, dass Brigitte Roost-Krüger sie mit nach Brüssel zur großen Demonstration vor dem Europäischen Parlament mitgenommen hat. Die Milchbauern haben gegen die niedrigen Milchpreise protestiert. „Die Demo hat mich beeindruckt“, sagt Sophie. Herausgekommen ist allerdings bislang nichts.

Das Arbeitsfeld indes wird für Sophie nicht unbedingt geringer. Sie habe sich schon mit der Eisproduktion auf dem Hof beschäftigt, bei der Mela in Mühlengeez einen ganzen Tag lang Eis verkauft. „Das war anstrengend.“ In den Wintermonaten will die 18-Jährige Deko-Utensilien ausbessern, Info-Tafeln anlegen, im kleinen Museum die Gegenstände katalogisieren, einen Kneipp-Pfad und ein Kräuter-Beet anlegen …

Sophie will das Jahr in Holthusen nutzen, um herauszufinden, was sie an der Rostocker Fakultät studieren und welchen Schwerpunkt sie setzen möchte. Die Chefin der Agrargemeinschaft ist von Sophie Beeses Einsatz angetan. „Es macht Spaß mit ihr. Solche freiwilligen Helfer würden wir gern wieder nehmen.“

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