Schwerin : Anwohner kämpfen um ihre Allee

Laden zum Alleenfest ein: Sandra Götz, Christel Kölzow, Rosemarie Krumsee (v.l.).
Laden zum Alleenfest ein: Sandra Götz, Christel Kölzow, Rosemarie Krumsee (v.l.).

Stadt will die Straße Am Immensoll erneuern und dafür 60 Bäume fällen, dagegen regt sich vielstimmiger Widerstand

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19. Juni 2018, 21:00 Uhr

Die Lindenallee der Straße Am Immensoll in Neumühle ist mit Plakaten zugepflastert. An jedem Baum hängt ein Schild, überall stehen Aufsteller. Der Protest der Anlieger ist unübersehbar. „Die Stadt will unsere Straße grundhaft ausbauen und dafür die komplette Lindenallee plattmachen. Mehr als 60 gesunde Bäume sollen gefällt werden. Das wollen wir verhindern“, sagt Rosemarie Krumsee, die gemeinsam mit weiteren Anwohnern eine Bürgerinitiative gegründet hat. Diese veranstaltet wöchentliche Mahnwachen vor der Staatskanzlei und sammelte beim Schlossfest hunderte Unterschriften. Am kommenden Freitag, dem 22. Juni, soll es ein Bürgerfest in der Allee geben. Dort wollen die Mitglieder ihr Anliegen erklären, die Anwohner der Straße sich besser kennenlernen und gemeinsam mit anderen Neumühlern und Naturfreunden feiern.

„Besonders ärgerlich ist, dass die Stadt uns verschaukelt, wir trauen ihr nicht mehr“, sagt Rosemarie Krumsee und fügt erklärend hinzu: „Als 2004 die Buslinie in unsere Straße gelegt wurde, haben wir die schriftliche Zusage bekommen, dass die Stadt für mögliche Schäden aufkommen und sie reparieren lassen werde. Schäden sind tatsächlich aufgetreten, denn 80 Busse pro Tag verkraftet die gepflasterte Fahrbahn nicht. Aber repariert hat die Stadt nichts.“

Statt dessen seien jetzt Pläne einer grundhaften Erneuerung vorgestellt worden mit der Begründung, die Fahrbahn müsse verbreitert werden, damit die Busse auch im Gegenverkehr die Straße passieren können. Dafür sollen auch die Alleebäume gefällt werden, die ein Gutachter als gesund und vital bewertet hat. „Dagegen wehren wir uns“, sagt Sandra Götz. „Wir Anwohner haben bereits Baumpatenschaften übernommen.“ Die entsprechenden Urkunden vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sollen beim Alleenfest am Freitag übergeben werden.

Sauer sind die Anlieger auch darüber, dass die Stadt nicht ernsthaft über Alternativen zur Reparatur der Straße diskutiere, sagt Christel Kölzow. Es gäbe überhaupt keine Notwendigkeit, die Fahrbahn zu verbreitern. „Wir wollen den Bus keineswegs vom Immensoll verbannen. Gerade ältere Anwohner finden es gut, dass er fährt. Aber warum ist es nicht möglich, dass er eine Schleife fährt? Er muss doch nicht in unserer Straße hin- und zurückfahren. In der Gartenstadt wurde doch auch ein Kompromiss gefunden“, betont Christel Kölzow.

Die Stadt ihrerseits plant die Sanierung der Straße Am Immensoll für 2020. Da die Bauverwaltung nach den Bürgerprotesten vom Großen Moor und aus der Rogahner Straße mehr Transparenz versprochen hatte, wurden die Ausbaupläne bereits im Februar öffentlich vorgestellt – und stießen auf wenig Gegenliebe. Denn bei einer grundhaften Sanierung wird nicht nur die Allee abgeholzt, sondern werden auch die Anlieger zur Kasse gebeten.

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