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Schwerin: Neue Gartenstadt : Anwohner bremsen Raser aus

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Pflanzkübel gegen den Durchgangsverkehr. Als die Gartenstadt begann, als neues Wohngebiet zu wachsen, hatten die Verkehrsplaner offenkundig nicht mit der Findigkeit der Schweriner Autofahrer gerechnet.

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erstellt am 14.Dez.2011 | 07:02 Uhr

Gartenstadt | Als die Gartenstadt begann, als neues Wohngebiet zu wachsen, hatten die Verkehrsplaner offenkundig nicht mit der Findigkeit der Schweriner Autofahrer gerechnet. Denn die Zufahrt zum Neubau-Areal von der Ludwigsluster Chaussee aus war zwar früh konzipiert. Doch die Autolenker wollen auch aus südwestlicher Richtung die Neue Gartenstadt erreichen bzw. diese zur Verärgerung der Anlieger einfach nur queren. So entwickelte sich ein Durchgangsverkehr, den eigentlich niemand in der Gartenstadt haben möchte. "Seit Jahren gibt es schon Probleme mit dem unerwartet hohen Verkehrsfluss durch die Straße Langer Berg", sagt Dr. Wolfgang Leist, der in der Neuen Gartenstadt lebt und sich in der Fraktion der Unabhängigen Bürger kommunalpolitisch engagiert. "Schon vor Jahren war deshalb angedacht, Pflanzkübel oder ähnliches aufzustellen, um den Verkehr zu bremsen", berichtet Dr. Leist. Das sei aber im Sand verlaufen, weder Stadt noch Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen Schwerin (SDS) wollten solche Kübel zur Verfügung stellen.

Durch den Anschluss des bisherigen Teilstücks der Mettenheimer Straße an die verlängerte Haselholzstraße sowie die Bautätigkeit im dritten Bauabschnitt habe sich noch einmal der Verkehrsfluss durch den Langen Berg erhöht, weiß Dr. Leist zu berichten. Wenn die komplette Mettenheimer Straße fertig ist, würde es eine direkte Verbindung zwischen der Ludwigsluster Chaussee und der Hagenower Straße geben, die nicht die Anwohner stört. Auch das Technologie- und Gewerbezentrum (TGZ) und das Technische Hilfswerk wären dann von der vierspurigen Ludwigsluster Chaussee aus erreichbar. Doch das ist Zukunftsmusik. Rechtliche Probleme bremsten den Weiterbau des bereits fertigen Teilstücks aus, wie auf der jüngsten Beratung des Bauausschusses zu hören war. Mit dem Baubeginn für den Fertigbau der Mettenheimer Straße sei im besten Fall im nächsten Frühling zu rechnen, hieß es.

Eine noch viel zu lange Zeit angesichts der Verkehrsbelastung vor der eigenen Haustür, sagte sich Dr. Leist. "Ich habe daher bei einer Sitzung des Ortsbeirats Gartenstadt/Ostorf vorgeschlagen, bei der die Wut der Anwohner über den in ihren Augen stattfindenden Stillstand noch einmal hochkochte, dass wir wenigstens kurzfristig die Pflanzkübel-Lösung in Angriff nehmen sollten."

Da auch aktuell Stadt und SDS keine Kübel zur Verfügung stellen konnten, hat der engagierte Gartenstädter die Idee, dass die Anwohner die Kübel selbst herstellen, und das dafür gebrauchte Material möglichst von der Stadt bezahlt wird. "Die Stadt hat sich dazu bereit erklärt, bis zu 200 Euro an Materialkosten zu übernehmen", berichtet Dr. Leist. Binnen Tagen hatten die Anwohner das Material besorgt, die Kübel zusammen gebaut und gestrichen. "Wir haben dann schnellstmöglich mit der Stadt und der SDS einen Termin gemacht und die Positionen der vier Kübel festgelegt. Die SDS steuerte Warnbaken bei und binnen einer Stunde waren die Kübel aufgestellt." Wenn sich die Standorte bewähren, werden die Kübel im Frühjahr bepflanzt.

"Die Kübel haben eine tatsächliche Funktion, sie beruhigen den Verkehr deutlich", sagt Dr. Leist. "Ich finde das ein sehr gelungenes Beispiel, wie man mit eigentlich sehr wenig Aufwand und Kosten etwas für die Gemeinschaft erreichen kann, wenn sich Ortsbeirat, Bürger, Stadt und SDS zusammentun", sagt der Familienvater. "Das kann ein Beispiel auch für andere Stadtteile und andere Probleme sein. Wenn Bürger und Stadt gemeinsam agieren, können wir viel erreichen."

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