Rückkehrer : Antigone macht Mut für Arbeitsuche

Bewegen sich inszwischen sicher auf der Bühne:  Die Teilnehmer des Projekts „Job Act“ proben ihre Inszenierung des  Theaterstücks „Antigone“. Premiere ist am Freitag um 19.30 Uhr.
Bewegen sich inszwischen sicher auf der Bühne: Die Teilnehmer des Projekts „Job Act“ proben ihre Inszenierung des Theaterstücks „Antigone“. Premiere ist am Freitag um 19.30 Uhr.

Theaterpädagogisches Projekt hilft bei Rückkehr ins Berufsleben: Freitag bringen 16 Langzeitarbeitslose das Stück von Sophokles auf die Bühne

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12. Februar 2014, 23:51 Uhr

Sie sind kaum wiederzuerkennen, die Teilnehmer des Projekts „Job Act“: Nach sechs Monaten theaterpädagogischer Arbeit kann jeder der zuvor sehr zurückhaltenden Langzeitarbeitslosen frei sprechen, vom Stück erzählen, das sie gemeinsam auf die Bühne bringen wollen, und von den Hoffnungen auf eine Ausbildung oder einen festen Arbeitsplatz.

„Meine Bilanz ist sehr positiv, wenn ich auf unser Projekt schaue“, sagt Michael. „Anfangs wusste ich ja nicht so genau, worauf ich mich einlasse, aber es hat sich wirklich gelohnt. Ich bin jetzt viel sicherer geworden.“ Auch Maik findet viele lobende Worte für die theaterpädagogische Arbeit: „Anfangs war es wirklich schwer. Es hat schon Überwindung gekostet, allein vor den anderen auf der Bühne zu stehen. Doch die Neugier hat gesiegt. Man muss sich aber auch darauf einlassen, damit es Spaß macht“, berichtet er. Andrea erzählt, dass sie anfangs sogar aussteigen wollte: „Ich habe mich gefragt, was das Ganze wohl bringen soll: morgens Sport machen und das laute Vorlesen. Es hat etwas gedauert, aber dann war der Sinn klar. Und es hat viel gebracht.“ Den größten Sprung hat wohl Steffi gemacht, meint Projektkoordinatorin Birgit Merunka. Vor einem halben Jahr habe sie kaum ein Wort gesagt. Auf Fragen habe es höchsten einsilbige Antworten gegeben. Nun aber bei der Projektpräsentation stellt Steffi unter Beweis, was sie gelernt hat: „Wir arbeiten im Team, das ist das Wichtigste. Und wir können uns aufeinander verlassen. Wir haben vieles ausprobiert, können jetzt viel sauberer sprechen und auch Mimik und Gestik einsetzen“, berichtet sie.

Eines seiner Ziele habe das Projekt „Job Act to connect – Theater schafft Brücken in Arbeit oder Ausbildung“ damit bereits erreicht, sagt Carina Weimann von der Projektfabrik gGmbH Witten, die gemeinsam mit dem Bildungsträger GAP Nord in Schwerin und dem Jobcenter diese besondere Bildungsmaßnahme durchführt: Das Selbstbewusstsein der Teilnehmer entwickeln, den Teamgeist und die Kommunikationsfähigkeit fördern, die Persönlichkeit stärken.

Und auch bei Ziel zwei, den Weg zu Beruf oder Ausbildung zu ebenen, sei schon viel erreicht worden, ergänzt Birgit Merunka von GAP Nord Schwerin: „Für alle Projektteilnehmer haben wir ein jeweils achtwöchiges Praktikum organisiert.“ Für die meisten stehe auch das zweite Anschlusspraktikum. Vom 4. März an werde dann jeweils vier Tage pro Woche im Betrieb gearbeitet, freitags erfolge im Team die Wochenauswertung und es werde weiter an Bewerbungen gearbeitet. „Zwei unserer Projektteilnehmer konnten wir übrigens bereits während des Theaterspiels in Arbeit vermitteln und einen in Ausbildung“, berichtet sie weiter.

Doch die Beschäftigung mit dem antiken Stoff von Sophokles hat den Projektteilnehmern noch mehr gebracht: Die Auseinadersetzung mit gesellschaftlichen Problemen. „Antigone ist aktuell“, sagt Ilonka. „Sie hat sich für Gleichberechtigung eingesetzt, wollte die weibliche Seite stärken. Und sie forderte Respekt für jedermann, trat für einen respektvollen Umgang mit allem Menschen ein, ganz gleich, welcher Herkunft. Und sie wollte Gerechtigkeit“, betont die junge Frau. Diese Ziele seien heute genau so aktuell wie damals, sagt sie. Ungerechtigkeit, insbesondere gegenüber Frauen, sei heutzutage in der Dritten Welt noch immer an der Tagesordnung. Auch Christian und Mathias bestätigen: Viele der in dem Stück thematisierten Fragen seien nach wie vor aktuell. Deshalb werben die Laienschauspieler dafür, dass sich möglichst viele Zuschauer ihre Aufführungen anschauen. Und die werden ziemlich professionell. Nicht nur, dass die 16 Frauen und Männer bei Theaterpädagogen Dietmar Lenz eine Menge gelernt haben und frei und sicher auftreten werden. Auch die Bühne wird ansprechend hergerichtet und mit Technik bestückt. Die Laienschauspieler werden alle in Kostümen auftreten, die unter Anleitung von Kostümbildnerin Soogi Kang gefertigt wurden. Premiere ist morgen um 19.30 Uhr im Saal von Ataraxia am Südufer des Pfaffenteichs. Am Sonnabend erfolgt zur selben Zeit eine zweite Aufführung. Der Eintritt ist frei.

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