Brücke in den neuen Job : Antigone hilft bei der Arbeitssuche

Bewegen sich inzwischen sicher auf der Bühne:  Die Teilnehmer des Projekt „Job Act“ proben ihre Inszenierung des  Theaterstücks „Antigone“.
Bewegen sich inzwischen sicher auf der Bühne: Die Teilnehmer des Projekt „Job Act“ proben ihre Inszenierung des Theaterstücks „Antigone“.

Unter Anleitung eines Theaterpädagogen entwickeln 20 Langzeitarbeitslose Motivation für die Bühne und für den Weg zurück ins Berufsleben

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18. Dezember 2013, 23:11 Uhr

Theaterspiel baut Brücken ins Arbeitsleben. Davon sind die 20 Teilnehmer des Projekts „Job Act“ überzeugt, das gemeinsam vom Jobcenter, der gemeinnützigen Projektfabrik Witten und dem Schweriner Bildungsträger GAP Nord auf die Beine gestellt wird. Die Frauen und Männer sind seit vielen Jahren arbeitslos, wollen sich aber damit nicht abfinden. Mit ihrem Theaterprojekt schöpfen sie neue Hoffnung.

„Ich habe schon an vielen Maßnahmen teilgenommen. Die haben alle nichts gebracht. Ich glaube, diesmal ist es anders“, sagt Steffi. Matthias begründet sein Engagement so: „Ich will wieder in Arbeit kommen. Deshalb muss ich jede Chance wahrnehmen. Und hiermit sind die Aussichten gut.“ Doch warum? Das erklärt Grit: „Ich habe gelernt, frei zu sprechen, meine Kommunikationsfähigkeit ist viel besser geworden.“ Andrea ergänzt: „Wir lernen neue Seiten an uns kennen. Das stärkt das Selbstbewusstsein und hilft, neue Wege zu gehen.“

Es funktioniert. Das hat das erste Projekt dieser Art, das im Sommer zu Ende ging, bewiesen. „Deshalb haben wir auch dieser neuen Maßnahme zugestimmt“, sagt Erika Herbers, stellvertretende Teamleiterin im Jobcenter. Carina Weimann von der Projektfabrik Witten untermauert das mit Zahlen: „Unsere Langzeitstudien belegen einerseits die für diese Klientel ausgesprochen hohe Vermittlungsquote und die Nachhaltigkeit. Selbst nach drei Jahren sind immer noch mehr als 50 Prozent der ehemaligen Teilnehmer in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen.“

Theaterpädagoge Dietmar Lenz arbeitet an vier Tagen pro Woche mit seinen Schützlingen. Er erklärt, warum die Schauspielerei so hilfreich ist: Die Gruppe habe sich für die Aufführung eines Stücks aus der Antike entschieden, für „Antigone“ von Sophokles. Das bedeute zunächst Wissenserweiterung, denn keiner der Teilnehmer kannte das Stück. Logisch folgte die Auseinandersetzung mit den Thema Macht, das mit jüngerer Geschichte und Aktualität verbunden wurde. Schauspiel bedeute zudem zu lernen, auswendig zu lernen, was die Konzentrationsfähigkeit steigere. Klares Artikulieren und sauberes Sprechen seien oft weiteres Neuland für die Teilnehmer. Und schließlich forme die Darstellung der jeweiligen Rollen die Persönlichkeit.

Begleitet wird „Job Act“ durch Bewerbungsmanagemet, persönliche Betreuung und Beratung und zwei zweimonatige Praktika für jeden Teilnehmer, ergänzt GAP-Projektmanagerin Birgit Merunka. Dafür hat sie bereits Stellen in Hotels und Gaststätten, in Supermärkten, bei Wachdiensten, in einer Schneiderei, in der Verwaltung und in Bildungseinrichtungen gefunden.

Das Stück selbst soll am 14. Februar um 19.30 Uhr im Haus der Kultur am Südufer des Pfaffenteichs aufgeführt werden.

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