Geplantes Baugebiet in Schwerin : Ansturm auf Waisengärten

<strong>Bis zum geplanten Baustart im nächsten Frühjahr </strong>sorgen Schafe und Ziegen dafür, dass die Waisengärten nicht zuwachsen. <foto>kawi</foto>
Bis zum geplanten Baustart im nächsten Frühjahr sorgen Schafe und Ziegen dafür, dass die Waisengärten nicht zuwachsen. kawi

Schafe und Ziegen sorgen im Auftrag der EGS auf natürliche Art dafür, dass die einstigen Waisengärten nicht wieder zuwuchern. Sie übernehmen "funktionale Aufgaben" für ein Baugebiet in der attraktivsten Lage der Stadt.

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06. Juni 2012, 07:44 Uhr

Werdervorstadt | "Ich beobachte die Kleinen fast täglich, wie sie liebevoll von der Schaf-Mama gepflegt werden und die ganze Herde auf den Nachwuchs aufpasst", beschreibt unsere Leserin Ute Moldenhauer die derzeitige Situation in den Waisengärten. Sie wurde jüngst sogar Augenzeugin einer Schafgeburt. Die Tiere sorgen im Auftrag der Entwicklungsgesellschaft Schwerin (EGS) auf natürliche Art dafür, dass die einstigen Gärten nicht wieder zuwuchern. Deshalb möchte EGS-Chef Robert Erdmann auch gar nicht das Wort Idylle hören, wenn Passanten die Situation auf der Halbinsel am ehemaligen Polizeigelände beschreiben. Die Schafe und Ziegen würden lediglich eine funktionale Aufgabe übernehmen. "Es ist ein Baugebiet", sagt Erdmann nüchtern.

Und es ist nicht nur ein Baugebiet in der attraktivsten Lage der Stadt, sondern auch ein sehr gefragtes. Obwohl nach bisherigen Planungen der Spatenstich im ersten Bauabschnitt erst im Frühjahr 2013 erfolgen kann und die ersten der bis zu 350 Wohnungen im mehr als acht Hektar großen Areal frühestens 2014 bezogen werden können, gibt es schon eine lange Liste von Interessenten.

"Wir haben 267 Fragebögen von potenziellen Bewohnern ausgewertet", berichtet Erdmann. Aus den Antworten sollen Erkenntnisse gewonnen werden, was am Markt gefragt ist und deshalb auch tatsächlich gebaut wird. Für den ersten Bauabschnitt erarbeite die EGS derzeit die Parzellenstruktur. Noch in diesem Jahr sollen erste Flächen an Investoren verkauft werden, die dann im Auftrag der Käufer bauen.

Nur etwa jeder Zweite der Interessenten kommt aus Schwerin. Auch deshalb hofft Erdmann, dass die vorliegenden Zeitpläne gehalten werden. "Wir können mit der Bebauung der Waisengärten zusätzliche Einwohner nach Schwerin holen, beispielsweise auch aus den alten Bundesländern und Berlin", erklärt Erdmann. "Aber wir können mit unserem Angebot auch verhindern, dass bauwillige Schweriner abwandern." Derzeit befinden sich der Entwurf des Bebauungsplanes noch in der Feinabstimmung in den Ämtern der Stadt.

Die meisten Kaufinteressenten wünschen sich eine klassische Wohnung in den Waisengärten, hat die Befragung ergeben. Jeder Vierte möchte ein Stadthaus, also eine Art viergeschossiger Reihenhausbau. Immerhin 35 Prozent hätten gern ein frei stehendes Haus - was der B-Plan aber für die Waisengärten nicht vorsieht. "Mit diesen Kunden werden wir reden, um sie dennoch als Kaufinteressenten zu halten", sagt Erdmann. Die meisten der potenziellen Käufer wollen im Übrigen mit einem Zwei-Personen-Haushalt auf die Waisengärten ziehen: 48 Prozent. Bei jedem vierten Interessenten sind es drei Personen, fast ebenso viele sind vier oder mehr Personen. Aus diesen Zahlen und der Alterstruktur - die Mehrzahl ist zwischen 30 und 55 Jahre alt, aber immerhin 32 Prozent der Interessenten sind älter als 55 Jahre - will die EGS gemeinsam mit den Investoren Angebote für die Käufer entwickeln.

Für den ersten Bauabschnitt, der noch nicht ans Wasser führen wird, gibt es laut Erdmann bereits zwei Investoren. Weitere würden gesucht. Vorgesehen ist in diesem Bereich Geschosswohnungsbau auf vier Etagen, aber auch einige Stadthäuser, die in ersten Entwürfen der Lückenbebauung in der Franz-Mehring-Straße ähneln.

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