Schwerin : Anonyme Anzeigen gegen Gärtner

Weit mehr als nur kleine Gartenlauben: In der Anlage „Am Heidensee“ sind in den 1960er-Jahren große Gartenhäuser entstanden. Der Vereinsvorsitzende möchte deshalb auch eine Gesetzesänderung, die aus „Lauben“ künftig „Gartenhäuser“ macht.
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Weit mehr als nur kleine Gartenlauben: In der Anlage „Am Heidensee“ sind in den 1960er-Jahren große Gartenhäuser entstanden. Der Vereinsvorsitzende möchte deshalb auch eine Gesetzesänderung, die aus „Lauben“ künftig „Gartenhäuser“ macht.

Vorsitzender der Kleingartenanlage „Am Heidensee“ verteidigt gewachsene Struktur mit mehretagigen Gartenhäusern

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18. März 2014, 16:00 Uhr

Ist es nur Neid oder Gerechtigkeitssinn? Der Vorstand des Kleingartenvereins „Am Heidensee“ sieht sich immer öfter mit anonymen Anzeigen konfrontiert. Dabei geht es zum einen um die Nicht-Erreichbarkeit der Uferkante, weil Kleingärtner sie vollends in Besitz genommen haben. Andererseits sind offenbar manchen Schwerinern die mehretagigen Gartenhäuser ein Dorn im Auge.

„Das ist historisch so gewachsen“, sagt Manfred Erdmann, seit 1988 Vorsitzender des Vereins. „Ich erinnere mich sehr genau an die schlimme Zeit des Krieges und an die ersten Jahre danach. Unser Kleingarten wurde zum Mittelpunkt der Familie. Mein Vater sorgte durch Bewirtschaftung der 400 Quadratmeter Gartenfläche dafür, dass Obst und Gemüse geerntet werden konnten. Rasen gab es nicht, jeder Quadratmeter wurde bestellt und das Wasser dafür mühsam aus dem Heidensee geholt“, berichtet Erdmann. 1962 bekam die Anlage Trinkwasseranschlüsse, 1968 wurde jeder Garten an das Energienetz angeschlossen. „Es entstanden viele Gartenhäuser, einige größer als 45 Quadratmeter mit Keller und auch in zwei Etagen“, erzählt der Vereinsvorsitzende. „Die Wohnungsnot in Schwerin war groß, kinderreiche Familien und Familien mit behinderten Kindern haben bei uns im Verein eine Bleibe gefunden und erhielten auch eine Genehmigung, größer zu bauen. Die Nachfrage war riesig, drei Jahre Wartezeit waren keine Seltenheit.“

219 Gärten zählt der Verein am Heidensee heute. Den Anfang der 1990er-Jahre geplanten Anschluss ans Abwassernetz stoppte die Stadt: „Man befürchtete das dauerhafte Wohnen in den Gartenhäusern und damit einen Verstoß gegen das Bundeskleingartengesetz“, erinnert sich Erdmann.

Dass es auch heute kein dauerhaftes Wohnen im Garten geben darf, kann der Vereinsvorsitzende nachvollziehen. Dennoch würde er gern eine Änderung im Bundeskleingartengesetz erreichen. Statt „Im Kleingarten ist eine Laube in einfacher Ausführung mit höchstens 24 Quadratmetern Grundfläche einschließlich überdachtem Freisitz zulässig“ hätte er gern das Wort „Laube“ gegen „Gartenhaus“ getauscht.

Die anonymen Anzeigen landen immer zuerst bei der Stadtverwaltung oder dem Kreisverband der Gartenfreunde Schwerin – „und dann ,verschlüsselt‘ bei uns“, sagt Erdmann. „Es muss auch mal darüber geredet werden, wie wir auf diese anonymen Anzeigen reagieren sollen“, ergänzt der Vereinsvorsitzende. Denn „die kleingärtnerische Tätigkeit soll in einem freundlichen Umfeld stattfinden. Dafür setze ich mich ein.“

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