Schwerin : Angriff auf Notunterkunft

Notunterkunft in der Comeniusschule am Tag nach dem Angriff: Klare Anweisung des Sicherheitsdienstes, Flüchtlinge dürfen nicht fotografiert werden, sie selbst wollten auch nicht auf das Bild.
Notunterkunft in der Comeniusschule am Tag nach dem Angriff: Klare Anweisung des Sicherheitsdienstes, Flüchtlinge dürfen nicht fotografiert werden, sie selbst wollten auch nicht auf das Bild.

Sieben Schweriner attackieren Aufnahmestelle für Flüchtlinge in Lankow. Täter gestellt – und auf freiem Fuß

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25. September 2015, 21:00 Uhr

Lankow Es ist kurz nach Mitternacht. Erst fliegt eine Bierflasche, dann werden Holzpfähle auf die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes geworfen, die die Notunterkunft für Zuwanderer in der Ratzeburger Straße  bewachen. In der Nacht zu Freitag ist es in Schwerin zu einem Übergriff auf das Flüchtlingsheim in der Ratzeburger Straße gekommen.  

Eine  Gruppe attackiert die ehemalige Schule, in der  gerade rund 150  Flüchtlinge untergebracht sind.  Dann betreten die Angreifer  das Grundstück. Die Wachleute ziehen sich ins Gebäude zurück,  alarmieren per Notruf die Polizei. Direkte Angriffe auf Flüchtlinge gibt es nicht. Niemand wird verletzt. Kurze Zeit später treffen  die Beamten   am Tatort   ein. Sie stellen die Tatverdächtigen in der Nähe der alten Comeniusschule. Fünf Männer, zwei Frauen. Sie sind zwischen 23 und 38 Jahre alt, stammen alle aus dem Schweriner Raum.   Der Polizei sind Mitglieder der Gruppe bekannt, diese wurden schon in den Tagen zuvor bei Demonstrationen vor der Unterkunft gesichtet.  Am Tatabend sollen sich einige  Angreifer an einem Supermarkt getroffen und Alkohol getrunken haben. 

Die Personalien werden festgestellt. Hausfriedensbruch und versuchte gefährliche Körperverletzung – diese Anzeigen werden erstattet. Die weiteren Ermittlungen übernimmt der  Staatsschutz in Absprache mit der Staatsanwaltschaft.  Angriff auf ein Flüchtlingsheim, für Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek steht fest: „Ein solcher  Sachverhalt wird von uns mit hoher Priorität behandelt.“

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow zeigt sich entsetzt:  „Ich bedauere, dass es  in unserer Stadt zu so   einer Tat kommen konnte. Ich finde es unerträglich, dass  Menschen attackiert werden, die in Not sind.“

Die Landeshauptstadt hat Anzeige gegen die Angreifer erstattet. Als Konsequenz aus der Attacke wurde der Wachdienst in Lankow verstärkt. Auch die Polizei will ihre Präsenz im Stadtteil noch einmal erhöhen. Polizeisprecherin Isabel Wenzel:  „Wir werden nicht tatenlos  Angriffe  auf die Flüchtlingsunterkünfte zulassen.“

Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen sind offenbar gerechtfertigt, denn aus den Reihen der Täter soll nach dem Angriff der Satz gefallen sein: „Das war nicht das letzte Mal.“

Während selbst ernannte  „besorgte Bürger“ beharrlich Gerüchte streuen über einen Kriminalitätsanstieg durch Flüchtlinge, ohne Beweise dafür zu liefern, waren Täter und Straftaten in Lankow real.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier

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