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Aktion Stadtbild: So hat sich Schwerin verändert : Altstadt-Fassade mit Hightech-Garten

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"Sind die Pflanzen echt?" Diesen Satz hört Daniela Steinigk jeden Tag etliche Male, wenn sie auf "ihrer" Baustelle in der Klosterstraße unterwegs ist. Die gelernte Blumenbinderin lächelt dann freundlich und nickt.

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erstellt am 04.Nov.2013 | 10:57 Uhr

Altstadt | "Sind die Pflanzen echt?" Diesen Satz hört Daniela Steinigk jeden Tag etliche Male, wenn sie auf "ihrer" Baustelle in der Klosterstraße unterwegs ist. Die gelernte Blumenbinderin lächelt dann freundlich, nickt und erklärt gern, wie diese in Schwerin bislang einmalige Fassade funktioniert und wie sie heißt: vertikaler Garten nämlich. Das ist ein neuer Trend, der vor allem in Großstädten immer mehr Freunde gewinnt. Dort, wo nicht genügend Platz ist für einen ebenerdigen Garten, hängen ihn sich die Hausbesitzer einfach an die Wand. Wobei "einfach" leicht untertrieben ist. Denn was so beschaulich-natürlich anmutet, kann nur mit Hightech überleben. Eine computergesteuerte Gießanlage sorgt dafür, dass regelmäßig Wasser und bedarfsweise Dünger aus dem Tropfschlauch auf die Pflanzen träufeln. Ein Fühler stellt vorher fest, ob es draußen regnet, schneit oder friert - dann wird natürlich nicht gegossen. Das Regenwasser für die Pflanzen wird in einer Zisterne im Garten gesammelt. An der Schweriner Hauswand sollen künftig 800 einheimische Pflanzen wachsen, darunter Erdbeeren, Gräser, Frauenmantel, Storchenschnabel und Wollziest. Gebettet sind sie in Metallkörben, die das Mauerwerk schützen. In Lavagestein sollen sich die Pflänzchen jetzt verwurzeln, Daniela Steinigk hat sie alle selbst gesetzt. Schließlich ist sie Fachfrau: Die Schwerinerin hat noch zu DDR-Zeiten das Handwerk der Blumenbinderin gelernt und ist seit 1995 selbstständig. "Sonnenblume" heißt ihr Geschäft, das am Bürgermeister-Bade-Platz startete, 1998 in die Mecklenburgstraße neben die alte Schauburg zog und seit Kurzem in Wartestellung auf das neue Domizil in der Klosterstraße "pendelt". Aktuell ist die "Sonnenblume" in der Schlossstraße zu finden.

"Als das Haus in der Mecklenburgstraße verkauft wurde, haben wir uns nach etwas Neuem umgesehen und dabei das ehemalige Fisch-Geschäft gleich gegenüber ins Auge gefasst", erzählt sie. Ehepaar Steinigk kaufte schließlich den kleinen Gebäudekomplex mit dem ehemaligen Imbiss und dem Haus. "Eigentlich wollten wir das Flachdachhaus nur sanieren. Aber dann kam die Stadt auf uns zu mit der Idee, an dieser Stelle etwas Dominantes zu schaffen." Ein Architektenwettbewerb wurde ausgelobt, die Idee vom Büro "Selle + Raithel" gefiel der Jury und den Steinigks am besten. Der ehemalige Imbiss wurde im Frühjahr abgerissen und macht Platz für einen echten Hingucker. Das Eckhaus daneben wird liebevoll saniert. "Der Neubau ist eine leichte Holzkonstruk tion, so dass wir keine Pfahlgründungen vornehmen mussten", sagt Statiker Dr. Ronald Apitz. Außerdem sehen die freien Holzbalken in der 118-Quadratmeter-Wohnung über zwei Etagen fantastisch aus. Je ein Ladengeschäft und eine Wohnung sind für jedes der beiden Häuser geplant. "Die Wohnungen haben wir vom Papier weg vermietet", sagt Daniela Steinigk lächelnd. Das Geschäft im Eckhaus ist noch frei, Daniela Steinigk hat dafür aber schon Träume: "Ein Laden mit Leckereien wie in Bozen oder Meran, in dem man auch mal einen Prosecco trinken kann", schwärmt sie. Ins Erdgeschoss des Neubaus wird sie selbst einziehen, 80 Quadratmeter Verkaufsfläche, Arbeitsatelier, Kühlraum und ein separates Besprechungszimmer für Hochzeitsplanungen stehen ihr dann zur Verfügung. "Eigentlich wollten wir Ende November mit unserer großen Adventsausstellung hier loslegen", erzählt die Floristin. Doch die Anbauarbeiten verzögerten sich. Obwohl in dieser Woche schon die Fliesenleger kommen, rechnen die Steinigks frühestens Mitte Dezember mit ihrem Einzug. "Wir werden uns dann aber auch was Tolles zur Eröffnung einfallen lassen", sagt die Bauherrin fröhlich. Daniela Steinigks Optimismus und Tatkraft wirken ansteckend. Mit Blumen hat sie ihre neuen Nachbarn im Vorfeld überrascht und sie vorab um Verzeihung gebeten für eventuelle Beeinträchtigungen durch den Bau. Die zahlreichen Lackschichten auf der alten Holztreppe im Eckhaus hat sie selbst abgekratzt, zahllose Entscheidungen am Neubau mit getroffen, sich um ihren Sohn gekümmert und natürlich um ihre "Sonnenblume". Zweimal die Woche startet die Chefin morgens um 3 Uhr zum Hamburger Blumengroßmarkt, wo sie selbst den Einkauf für die nächsten Tage erledigt.

Während Daniela Steinigk vor ihrem grünen Haus in der Klosterstraße steht, bleiben viele Leute stehen, gucken und fotografieren. "Das wird jetzt wohl lange so gehen", sagt sie. "Die neuen Mieter habe ich schon vorgewarnt, aber die finden das toll."

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