Freiwillige : Altes Obst und moderne Technik

Lieblingsort: Im Dorfschullehrergarten ist Sasia Hänchen sehr gerne und sehr oft. Denn hier steht die Maulbeerhecke, die als Nahrung für die Mueßer Seidenraupen dient.
Lieblingsort: Im Dorfschullehrergarten ist Sasia Hänchen sehr gerne und sehr oft. Denn hier steht die Maulbeerhecke, die als Nahrung für die Mueßer Seidenraupen dient.

FÖJ: Sasia Hänchen muss im Volkskundemuseum Äpfel sammeln, Insekten füttern und Fotos digitalisieren

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15. September 2015, 23:29 Uhr

Sasia Hänchen kommt mit dem Bus um kurz nach acht. Dann geht sie in die Bibliothek, legt dort ihre Sachen ab und schaut erst einmal nach, wie es den winzigen Seidenraupen geht. Sind noch genug Maulbeerblätter zum Frühstück da? Im Dorfschullehrergarten gibt es Nachschub. Eine Handvoll Grün reicht für die letzte Nachzucht vor dem Winter, die zurzeit auf ein Tablett passt und die Nacht auf dem Schreibtisch verbringt.

Nach der Fütterung beginnt für Sasia das weitere abwechslungsreiche Tagwerk im Freilichtmuseum Mueß. Das reicht nämlich von Äpfelsammeln bis zur Digitalisierung von Fotos und dauert bis nachmittags um kurz nach vier. Die 18-jährige Sasia macht im Volkskundemuseum seit wenigen Tagen ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr. Und weil ihr „Chef“ Volker Janke sich genau zu diesem Zeitpunkt den Fuß gebrochen hat, ist die Abiturientin dort besonders wichtig. Sie meistert diese Aufgabe mit Bravour und ausgesprochen guter Laune.

In diesem Sommer hat Sasia Hänchen Abitur am Goethe-Gymnasium gemacht – und ihre Zukunft vorher gemeinsam mit einer Freundin ziemlich gut durchgeplant. In der 9. Klasse hatte sie ein Praktikum im Kindergarten gemacht. „Nicht so meins“, entschied die Schülerin. „Ich bin nicht so der soziale Typ.“ Ein Jahr später folgte ein Praktikum in der Gärtnerei auf dem Hof Medewege. Volltreffer. Für Biologie interessiert sich die junge Schwerinerin seit jeher, natürlich war das auch ihr Leistungskurs im Abi. Mit einer Freundin hat sich Sasia mögliche Studiengänge angeschaut, Universitäten und Schnupper-Vorlesungen besucht. Ein Studium der Agrarwissenschaft in Rostock steht jetzt oben auf ihrer Prioritätenliste. Ob das aber wirklich das Richtige für sie ist, genau das will Sasia mit dem FÖJ herausfinden. Ihre Freundin geht den gleichen Weg und macht ebenfalls ein Freiwilliges Ökologisches Jahr.

Das Freilichtmuseum lernt die junge Schwerinerin erst richtig kennen. Natürlich war sie mit ihren Eltern hier schon auf dem Pflanzenmarkt und bei den Wintersonnenwerken zu Gast, aber die richtigen Schätze entdeckt sie jetzt. Neben der Raupen- hat Sasia auch schon die Bienenfütterung gelernt, traut sich mittlerweile auch ohne Schutzhut an das summende Volk. „Die scheinen mich zu mögen“, sagt Sasia. „Wenn ich komme und die Zuckerlösung einfülle, bleiben sie jedenfalls ganz ruhig. Erste Wochenend-Einsätze hat die 18-Jährige auch schon hinter sich – beim Windros-Festival und bei der Mitmach-Küche des Klöndor-Vereins. Der teilt sich mit dem Volkskundemuseum die Stelle von Sasia, erzählt Volker Janke.

Er hat für die 18-Jährige übrigens einen Spezialauftrag in den kommenden Monaten: das weitere Digitalisieren des riesigen Foto-Archivs des Museums. Damit hat Janke im vergangenen Jahr begonnen und ein 5-Schritte-Programm ausgearbeitet, um die Bilder auch in 20 Jahren noch unter nachvollziehbaren Stichworten zu finden und vielleicht allgemein im Internet zugänglich zu machen. Knapp 100 000 alte Bilder hat das Museum.

Volker Janke glaubte anfangs, dass er bis zur Rente mit der Digitalisierung zu tun haben werde. „Wir haben im vergangenen Jahr eine Studentin da zusätzlich mit rangesetzt und jetzt sind schon 25 000 Bilderdatensätze gespeichert“, sagt Janke glücklich und stolz. „Wenn das so weitergeht, schaffen wir unser Archiv in drei Jahren.“ Sasia wird dabei fleißig mithelfen.


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