Schweriner Feldstadt : Altes Nachtjackenviertel jetzt chic

Blickt zufrieden über den Platz der Jugend:  Wolfried Mehnke ist in der Feldstadt aufgewachsen und fühlt sich wohl hier.
Blickt zufrieden über den Platz der Jugend: Wolfried Mehnke ist in der Feldstadt aufgewachsen und fühlt sich wohl hier.

Städtebauliche Sanierung der Feldstadt nach 25 Jahren erfolgreich abgeschlossen – heute: Wie alles begann

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14. Mai 2018, 23:30 Uhr

Anfang der 90er-Jahre galt die Feldstadt als Nachtjackenviertel von Schwerin. Unsanierte Häuser, holprige Straßen, unansehnliche Plätze prägten das Bild dieses Stadtteils. Um die städtebaulichen Missstände zu beseitigen, wurde die Feldstadt 1993 offiziell zum Sanierungsgebiet erklärt. Nach 25 Jahren Stadterneuerung konnte dieser Status jetzt aufgehoben werden. SVZ beleuchtet in dieser Woche, wie sich der Stadtteil seit der Wende verändert hat. Heute: ein Überblick.

Die Bestandsaufnahme 1991 fiel erschreckend aus: Die Hälfte aller Wohnungen hatte keine Bäder, zwei Drittel der Bewohner heizten mit Kohleöfen, 45 Prozent der Mieter klagten über feuchte Wohnungen. Mehr als die Hälfte aller Dächer und Fenster waren undicht, Fassaden und Treppenhäuser in erbärmlichem Zustand. „Der Handlungsbedarf war riesig“, fasst Stadtplaner Andreas Thiele rückblickend zusammen. Hier sei die Hilfe der öffentlichen Hand dringend benötigt worden.

Und die kam. Per Stadtvertreterbeschluss wurde die Feldstadt am 16. April 1993 zum Sanierungsgebiet erklärt. Zudem griff das Programm „Soziale Stadt“. Insgesamt 40 Millionen Euro aus Mitteln der öffentlichen Hand sind seither in die Sanierung der Feldstadt geflossen. Damit wurde zugleich ein gewaltiger Schub für private Investitionen gegeben. „Sind Straßen und Plätze in Ordnung, ziehen die Hauseigentümer rasch nach“, sagt Thiele aus Erfahrung. Das war auch in diesem Stadtteil so. 1995 ging es richtig los: Große Wasserstraße, Bleicherstraße, Schäferstraße und Eisenbahnstraße wurden erneuert. Bis 2000 folgten Gartenstraße, Hermannstraße, Töpferberg, Querstraße, Kleine Wasserstraße und Totendamm, danach der Rest. Den Abschluss bildete 2012 die Neugestaltung des Karl-Liebknecht-Platzes. Auch die soziale Infrastruktur, Spielplätze und öffentliche Einrichtungen waren in in Ordnung gebracht oder erneuert worden. Innenhöfe wurden grüne Oasen in der Stadt.

„Jetzt ist die Feldstadt ein attraktiver, stabiler Stadtteil mit großem inneren Zusammenhalt. Die Wohnzufriedenheit ist groß“, fasst Baudezernent Bernd Nottebaum zusammen. „Deshalb kann jetzt der Status als städtebauliches Sanierungsgebiet aufgehoben werden.“ Für die Eigentümer von Immobilien bedeutet dies Entlastung, da nun zum Beispiel keine Genehmigungspflicht für Baumaßnahmen mehr besteht.

Anwohner Wolfried Mehnke findet es toll, wie sich sein Stadtteil entwickelt hat. „Ich bin hier aufgewachsen. Es hat sich viel verändert und ist sehr schön geworden“, sagt der Rentner. Ihn stört nur, dass in vielen Straßen wieder Kopfsteinpflaster verlegt wurde. „Da sind die Fahrgeräusche der Autos sehr laut.“

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