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Selbstversuch in Schwerin : Alter versperrt alltägliche Wege

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Selbstversuch zeigt: Bewegung mit Handicap schränkt in Schwerin vieles ein

svz.de von
erstellt am 14.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Es ist eine Tatsache: Älter werden wir alle. Doch wie fühlt sich das eigentlich an? Und was bedeutet ein Leben mit einer Behinderung? Das Projekt „Kultur ohne Barrieren“ hat Medienvertreter aus ganz Mecklenburg-Vorpommern zu experimentellen Selbstversuchen eingeladen, um altersbedingte Beeinträchtigungen zu erleben.

„Wir wollten besonders die Pressevertreter ansprechen“, erklärt Katharina Rupnow. „Doch leider haben nur zwei Medien mitgemacht“, bedauert die Projektverantwortliche. Denn bei Einladungen zu Veranstaltungen werde oft auf eine Barrierefreiheit hingewiesen, in den Ankündigungen der Medien tauche davon allerdings häufig nichts mehr auf.

Um am eigenen Körper zu erfahren, wie es ist, wenn alltägliche Gewohnheiten zur Belastung werden, schlüpft eine Journalistin in einen Alterssimulationsanzug. Mit 27 Kilogramm mehr auf den Rippen wird dann die Ausstellung der Stiftung Mecklenburg im Schleswig-Holstein Haus besucht. Dabei lauern zahlreiche Hürden auf die Versuchsperson.

Mit einer speziellen Brille wird außerdem ein Gesichtsfeldausfall, auch Skotom genannt, simuliert. Die Sehbehinderung kann nach einem Schlaganfall auftreten ebenso wie die halbseitige Lähmung, die mit einer Schiene vorgetäuscht wird. Der Redakteurin ist es dann nicht mehr möglich, die Dauerausstellung zu besuchen. Fünf Treppenstufen verhindern das Weiterkommen im Rollstuhl.

„Besonders bei kulturellen Veranstaltungen stoßen Besucher mit einer Behinderung immer wieder an ihre Grenzen“, berichten die Projektverantwortlichen. Doch für die Veranstalter gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um die Barrierefreiheit umzusetzen. Neben taktilen Lageplänen zur Orientierungshilfe und einem Assistenzservice bietet „Kultur ohne Barrieren“ auch Gebärdensprachdolmetscher und Hörverstärkungsanlagen an.

Brit Bellmann weiß um die Problematik im Schleswig- Holstein-Haus, sagt sie. „Wir haben bereits Hörstationen und Stühle zum Ausruhen. Nun brauchen wir eine Rampe für die Stufen“, erzählt die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Mecklenburg.

Seit Juli 2015 läuft das auf zwei Jahre befristete Projekt, das vom Wirtschaftsministerium MV und der EU gefördert wird. „Wir haben bereits erste Erfolge erzielt“, freut sich Katharina Rupnow. „Leider fühlen sich viele ältere Menschen nicht von unserem Projekt angesprochen.“ Denn mit dem Wort Barrierefreiheit werden oft mehrfach behinderte Personen in Verbindung gebracht. Doch auch Senioren meiden immer häufiger kulturelle Veranstaltungen.

Betroffene können sich nicht nur an den jeweiligen Veranstalter wenden sondern auch beim Kompetenzzentrum für Menschen mit Hör- und Sehbehinderungen im Haus der Begegnung nach den Angeboten des Projektes „Kultur ohne Barrieren“ nachfragen.

„Wir müssen die barrierefreien Möglichkeiten stärker bewerben und brauchen dazu auch die Medien“, fordert Katharina Rupnow.

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