Schweriner Politik : Alte Bibliothek für Stadtpolitiker?

Die ehemalige Stadtbibliothek  als Ort für die Stadtvertretersitzung – das wünscht sich Oberbürgermeister Rico Badenschier
Die ehemalige Stadtbibliothek als Ort für die Stadtvertretersitzung – das wünscht sich Oberbürgermeister Rico Badenschier.

Stadtvertreter diskutieren OB-Vorschlag: Stadtgeschichtsausstellung ins Rathaus und Perzinasaal Tagungsort der Fraktionen

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03. November 2017, 05:00 Uhr

Eher vorsichtig statt mit einem Paukenschlag hat Oberbürgermeister Rico Badenschier den Umzug der Stadtvertretung aus dem beengten Rathaus in die frühere Stadtbibliothek in der Wismarschen Straße ins politische Gespräch gebracht. Dabei hätte die ebenso pfiffige wie unorthodoxe Idee durchaus einen Trommelwirbel verdient. Denn das, was der Kulturdezernent sich da ausgedacht hat, ist nicht nur machbar und Geld sparend, sondern auch noch ein Gewinn für alle Beteiligten. Doch auch nach einem Jahr als Verwaltungslenker geht Badenschier das Thema vorsichtig an: Nach Besprechungen im Vertrautenkreis und der Dezernentenrunde stellte er die Idee in seiner Fraktion vor. Auch weitere Fraktionen informieren sich, am Montag ist die CDU an der Reihe, die Woche darauf folgt die Linke.

Und das ist die Idee: Die viel zu kleine Stadtgeschichtsausstellung zieht von den Schweriner Höfen in den Demmlersaal des Rathauses. In den Höfen könnte es zwar mehr Platz geben, dafür müsste die Stadt aber zahlen. Im Demmlersaal – dort wo ohnehin die Touristen sind – könnte die Stadtmarketing den Einlassdienst für die stadthistorische Schau über die Tourist-Information mitorganisieren und sogar die Ausstellung in Stadtführungen einbinden. Der alte Ratssaal würde dabei als Ort für Hochzeiten erhalten werden. Es gäbe also kaum Einschränkungen – außer, dass die Stadtvertretung andernorts tagen müsste.

Und die Badenschier-Lösung dafür ist frappierend einfach, spart Geld, belebt eine nahezu ungenutzte Immobilie und bringt der kommunalen Politik sowohl einen repräsentativeren Beratungsort als auch endlich für Zuschauer deutlich verbesserte Bedingungen. Denn der Perzinasaal der Stadtbibliothek ist mehr als vorzeigbar. Er bietet auch erstmals den Platz, die Politiker-Tische anders anzuordnen, als würde man wie im Demmlersaal ein sporadisch eingerichtetes Dorfkino besuchen. Zudem waren alle bisherigen Versuche, für das alte Bibliotheksgebäude mit der problematischen Statik einen Käufer zu finden, gescheitert.

Aus der Empore, wo einst die Kinderbibliothek zu finden war, könnten politisch interessierte Schweriner die Stadtvertretungen verfolgen – und vor allem auch besser hören. Die notwendigen Büros, beispielsweise für den Sitzungsdienst, ließen sich darüber einrichten, so dass auch das Seniorenbüro weiter im Haus bleiben könnte. Im Erdgeschoss könnte der künftige Tagungsort des Hauptausschusses eingerichtet werden.

Auch für die notwendigen Umbauten – ein zweiter Fluchtweg ist notwendig – gibt es schon Vorschläge: Das Architekturbüro Fachwerkler sieht unter anderem einen Lichthof bis aufs Dach vor und würde quasi zusätzliche Wände ziehen lassen, um die Tragfähigkeit zu garantieren. Dank des bereits vorhandenen Fahrstuhls wären Stadtvertretersitzungen damit erstmals behindertengerecht.

Und noch ein Belebungseffekt sieht Badenschier für das weitläufige Ensemble vor, das sich bis zur Paulskirche erstreckt. So könnten im hinteren Bereich nicht nur die Künstler des Dezernat 5 einen repräsentativen Platz finden, sondern auch das Flippermuseum.

Sorgen macht sich OB Badenschier um zwei Punkte: Ist es legitim, das Rathaus als Stätte der politischen Entscheidungen aufzugeben? Und: Wo können Demos vor der Stadtvertretung stattfinden, ohne den Straßenbahnverkehr in der Wismarschen Straße zu gefährden. Beides sicher legitim. Aber: Die politischen Entscheidungen fielen vor dem Rathaus im Neustädtischen Palais, was auch keine Kritik gebracht hatte. Und Demos könnten auch auf der anderen Gebäudekomplex-Seite stattfinden – an der Paulskirche. Das wäre sogar geschichtsträchtig.

Die SPD-Fraktion stärkt dem SPD-Oberbürgermeister jedenfalls bei seinem Vorschlag den Rücken. Aber das ist auch wenig verwunderlich. Jetzt sind die anderen Fraktionen gefragt.
 

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