Schwerin : Altbauten erschweren Rettung

Damit die Feuerwehr ohne Einschränkung arbeiten kann, braucht es viel Platz.
Damit die Feuerwehr ohne Einschränkung arbeiten kann, braucht es viel Platz.

Schweriner Feuerwehr sieht Gefahren bei alten Häusern – Architekten setzen bei der Planung gern auf die Unterstützung Brandschützer

23-82601930_23-102879832_1542115014.JPG von
30. Oktober 2017, 05:00 Uhr

Wenn die Feuerwehren in Großstädten ausrücken müssen, stehen die Rettungskräfte oft bereits auf dem Weg zum Einsatzort vor Problemen. Zugeparkte Feuerwehrzufahrten, zu enge Straßen, weil in zweiter Reihe angehalten wird – in zahlreichen Städten behindert die schwierige Parkplatzsituation die Arbeit der Rettungskräfte. „In Schwerin ist das noch nicht so“, sagt Ulf Kerl erleichtert. „Die Parkdisziplin ist gut, dafür sorgt auch der Ordnungsdienst“, so der Leiter der Fachgruppe Gefahrenvorbeugung bei der Schweriner Berufsfeuerwehr. So wie die aktuelle Situation ist, sei sie hinnehmbar und tragbar.

Für viele der Einsatzfahrzeuge der Schweriner Wehr reicht eine Straßenbreite von drei Meter. Bei engeren Straße sei das Parken sowieso verboten, erklärt Kerl. „Muss die Drehleiter zum Einsatz kommen, brauchen wir deutlich mehr Platz.“ Das zehn Meter lange, sogenannte Hubrettungsfahrzeug mit der 30 Meter langen Leiter benötigt ausreichend Platz um in die Straße einbiegen zu können und muss außerdem bis vor das betroffene Haus fahren können.

Die Drehleiter wird immer dann benötigt, wenn der zweite Rettungsweg aus den Obergeschossen der Gebäude durch Leitern der Feuerwehren sichergestellt werden muss. „Seit Jahren ist dieser zweite Rettungsweg im Bauordnungsrecht vorgeschrieben“, erklärt Ulf Kerl. „Denn sehr häufig ist der Treppenraum als erster Rettungsweg durch Feuer und vor allem Rauch nicht nutzbar.“ Architekten planen den zweiten Rettungsweg gerne über Leitern der Feuerwehr, weil es die kostengünstigste Variante ist. Doch nicht immer können die Rettungskräfte diesen herstellen – zu hohe Häuser, zu enge Straßen. „Dann muss der zweite Rettungsweg baulich geschaffen werden“, so Kerl.

Der Leiter der Fachgruppe Gefahrenvorbeugung macht auf eine andere Problematik aufmerksam: die zahlreichen Altbauten in der Schweriner Innenstadt. „Bei diesen Gebäuden können wir als Feuerwehr einen Rettungsweg nicht immer gewährleisten.“ Das habe oft nichts mit der Parkplatzsituation zu tun, sondern vielmehr mit der Tatsache, dass diese Altbauten keinen baulichen zweiten Rettungsweg und viele Wohnungen keine Fenster zu Straßenseite haben. „Eine bauliche Veränderung an den Gebäuden kann nur in besonderen Fällen erfolgen, weil sie dem Bestandsschutz unterliegen und die Situation den Behörden gar nicht bekannt ist“, sagt Kerl.

Bei baulichen Veränderungen in der Stadt wie am Großen Moor wird die Feuerwehr oft gebeten, Stellung zu nehmen. „Dann proben wir auch mal eine Anfahrt zu einem Gebäude wie in der Barcastraße“, erzählt Ulf Kerl. „Denn wir wollen nicht unnötig Parkplätze wegnehmen.“ Und wenn mal doch ein parkendes Auto den Rettungsweg behindert? „Dann dürften wir Gewalt anwenden, um vorbeizukommen. Da haben wir das Recht auf unserer Seite“, sagt Ulf Kerl.



Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen