Schwerin : Als der Fahrer noch am Steuer stand

Die Eröffnungsfahrt der elektrischen Straßenbahn am 1. Dezember 1908
Die Eröffnungsfahrt der elektrischen Straßenbahn am 1. Dezember 1908

Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Schwerin: Heute – die Straßenbahn von ihren Anfängen bis zur Gegenwart

von
06. März 2018, 12:00 Uhr

Ohne den öffentlichen Nahverkehr wären die Straßen der Landeshauptstadt hoffnungslos überfüllt. Bus, Straßenbahn oder Fähre sorgen für Entlastung. Die verschiedenen Verkehrsmittel in der Stadt haben ihre ganz eigene Geschichte. Heute: die Straßenbahn.

15. November 1908: Von diesem Tag an mussten sich die Schweriner an ein ganz neues Fortbewegungsmittel in ihrer Stadt gewöhnen. Die Straßenbahn rumpelte erstmals durch die Altstadt. Zur Probe. Zuvor hatte die Stadtverwaltung der Firma Lahmeyer aus Frankfurt am Main den Zuschlag für den Bau der Bahn gegeben. Das Unternehmen riss Straßen auf, legte Schienen, stellte Leitungsmaste und die Fahrleitung auf. Für den Strom sorgte das bereits vier Jahre vorher gebaute Elektrizitätswerk am Pfaffenteich. Am 1. Dezember 1908 war es dann soweit. Der Fahrplan stand, die Jungfernfahrt des weiß-gelbfarbenen Triebwagens konnte starten. Anders als heute, hatte der Fahrer in seinem schmalen Führerhaus noch keinen Sitzplatz. Im Stehen und im Siebeneinhalb-Minuten-Takt fuhren wenige Tage nach Eröffnung bereits drei Linien. Im 1. Weltkrieg, 1917, musste Schwerin an die zu Festungsstädten ausgerufenen Spandau, Metz und Posen sechs Triebwagen und 14 Beiwagen abgeben. Dieses Material sahen die Schweriner nie wieder. Im 2. Weltkrieg wurde das Straßenbahndepot am
7. April 1945 völlig zerstört, nur vier Straßenbahnen blieben übrig. Der innerstädtische Verkehr existierte praktisch nicht mehr. Als die Bahn den Betrieb wieder aufnahm, waren die Gästezahlen enorm. 1948 beförderte die Straßenbahn fast fünf Millionen Fahrgäste. Mitte der 60er-Jahre diskutierte die Stadt die Umstellung von Straßenbahnen auf Busse. Gerade in Lankow zeigten sich die Vorteile der Straßenbahn, denn die Busse waren im Neubaugebiet nur zu Beginn in der Lage, alle Fahrgäste zu befördern.

Welche Bedeutung hat die Straßenbahn heute? „Die Straßenbahn ist unangefochtener Spitzenreiter im städtischen Nahverkehr“, sagt Wolfgang Block vom Nahverkehr Schwerin. Die Straßenbahn mache 71 Prozent des ÖPNV aus. 2017 habe das Unternehmen zwölf Millionen Fahrgäste auf diesem Wege befördert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen