Schwerins Museumsschätze : Als Depot viel zu schade

Die massiven Schiebe-Regale, in denen Gemälde aufbewahrt werden, können problemlos ab- und an anderem Ort wieder aufgebaut werden, erklärte Museumsdirektor Dr. Dirk Blübaum.  Fotos: Hoefer
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Die massiven Schiebe-Regale, in denen Gemälde aufbewahrt werden, können problemlos ab- und an anderem Ort wieder aufgebaut werden, erklärte Museumsdirektor Dr. Dirk Blübaum. Fotos: Hoefer

Freunde des Museums hoffen, dass die Lager-Räume bald für öffentliche Ausstellungen genutzt werden

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25. April 2017, 08:00 Uhr

Für die normalen Museums-Besucher ist es eine Tabu-Zone, einige Vereinsmitglieder der „Freunde des Staatlichen Museums“ nennen es augenzwinkernd das „Allerheiligste“: Im Depot im Untergeschoss des ehrwürdigen Baus am Alten Garten werden nicht nur Schätze verwahrt, gepflegt und wissenschaftlich aufbereitet. Die Räume selbst sind so prächtig und gut erhalten, dass sie perfekte Ausstellungsflächen abgeben. Das waren sie zu Großherzogs Zeiten auch und das sollen sie wieder werden: Stephan Wenzl, Abteilungsleiter Staatshochbau, Liegenschaften, Schlösser und Gärten im Finanzministerium, kann sich das jedenfalls vorstellen. Natürlich erst, wenn das Landesdepot in der Stellingstraße fertig ist, in das dann auch die Bestände des Staatlichen Museums einziehen sollen. Also in den 2020er-Jahren. Das erklärte Wenzl bei einer Führung, die die Freunde des Museums anlässlich ihrer Mitgliederversammlung organisiert hatten.

Türen, Säulen, Fußboden – fast alles erinnert im Depot neben dem Café Kunstpause an die großen Säle ein Stockwerk darüber. Nur eingerichtet sind sie anders. Zuerst gelangt man in einen Raum, in dem Möbel und andere Kunstwerke unter weißem Tuch versteckt sind. Das ist die Dekontamination, erklärt Kunsthistoriker Dr. Gerhard Graulich, der durchs Depot führt. „Vor allem in den 50er-Jahren wurden Holzschutzmittel eingesetzt, die heute noch toxisch wirken“, sagt er. Bei einigen Mitarbeitern, die ständig mit den behandelten Kunstwerken zusammen sind, könnte man das bereits im Blutbild nachweisen. „Wir sind eines der ersten Museen, die mit großem Aufwand gegen diese gesundheitsschädlichen Stoffe vorgehen“, sagt Graulich und zeigt, wie das Absaugen der belasteten Stäube funktioniert.

Eine Tür weiter finden sich die hohen Depot-Regale, in denen eng an eng Gemälde hängen. Etwa 4000 Bilder hat das Staatliche Museum, nur 15 Prozent von ihnen sind in Ausstellungen zu sehen. Mit den Skulpturen, Möbeln, Textilien, Waffen, Porzellan, Kupferstichen verhält es sich ähnlich. Von der Antike bis zur Gegenwart reicht die Sammlung, die unter genau abgestimmten klimatischen Verhältnissen verwahrt wird. Luftfeuchtigkeits-, Temperatur- und andere Messgeräte gibt es in jedem Raum, Depotmeister Jürgen Meyer kontrolliert sie ständig, achtet auf konstante Bedingungen. Fünf Restauratoren sind beim Museum fest angestellt. Bei komplizierten Problemen werden Experten von außerhalb hinzugezogen.

Neue Herausforderungen fürs Depot kommen mit der modernen Kunst: Manche Installationen werden gleich nach der Schau wieder abgebaut und sind dann nur als Konzept auf Papier vorhanden, etwa Jörg Herolds hölzernes „Mahnmal für einen Matrosen“. Fürs Depot perfekt. Einige Bilder hingegen sind so groß, dass für sie speziell Kisten gefertigt werden müssen.

Die Gäste waren begeistert von der Führung, die sie auch ins Untergeschoss zu Möbeln, Waffen und Skulpturen brachte. Mit dabei war auch Donata, Herzogin zu Mecklenburg von Solodkoff, die jetzt Ehrenmitglied der Freunde des Staatlichen Museums wurde. Die Freunde fördern das Museum durch Mitgliedsbeiträge und Spenden und unterstützen damit unter anderem Ankäufe, den Druck von Katalogen und die wissenschaftliche Arbeit des Museums.

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