Welt-MS-Tag : Alles geht, aber eben nur anders

Im Frühjahr 1989 erhielt die damals 32-Jährige die Diagnose Multiple Sklerose...
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Im Frühjahr 1989 erhielt die damals 32-Jährige die Diagnose Multiple Sklerose...

Vor 27 Jahren erhält Gudrun Schoefer die Diagnose Multiple Sklerose – zum Welt-MS-Tag spricht sie über ihre Erfahrungen

svz.de von
31. Mai 2017, 12:00 Uhr

Das Jahr 1989 ist für die meisten Deutschen das Jahr des Mauerfalls. Doch für Gudrun Schoefer ist es ein Jahr, dass einen ganz anderen Umbruch in ihrem Leben bewirkte. Es ist das Jahr, in dem sie erste Symptome einer Erkrankung des zentralen Nervensystems an sich feststellte. Es ist das Jahr, in dem die gebürtige Boltenhagenerin die Diagnose Multiple Sklerose (MS) erhält.

Weltweit leben Schätzungen zufolge 2,5 Millionen Menschen mit MS. In Deutschland laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) etwa 200 000, davon rund 2500 in MV. Eine von ihnen ist Gudrun Schoefer, die bereits ein Jahr nach der Diagnose den Landesverband der DMSG mitbegründet. Anlässlich des heutigen Welt-MS-Tages, der in diesem Jahr unter dem Motto „Alles geht, aber eben nur anders“ steht, sprach SVZ-Volontärin Jacqueline Worch mit der 60-Jährigen über ihr Leben mit Multiple Sklerose.


Was haben Sie gefühlt, als Sie damals die Worte Multiple Sklerose gehört haben?
Es war die Zeit des Umbruches 1989. Es veränderte sich so viel. Ich war nicht erschrocken, sondern habe eher gedacht: Ach, eine Krankheit muss jetzt aber nicht sein. Mein Arzt fragte mich dann, ob ich wisse, was MS ist. Ich nickte, ich wusste nur, dass das Ende möglicherweise der Rollstuhl sein könnte. So war damals das Bild von MS in der Öffentlichkeit. Ich hatte jedoch keine Angst oder keine Panik. Selbst als er mir sagte, dass ich die Fortbildung auf der ich gerade war, abbrechen müsste, um dringend ins Krankenhaus zu gehen, lehnte ich ab. Erst als er mir klar sagte, dass ich erblinden könnte, wenn ich es nicht täte, wurde mir bewusst, dass es doch ernster ist. Daraufhin ließ ich mich ins Krankenhaus einweisen.

War Ihnen bewusst, was die Diagnose in Zukunft für Sie bedeuten würde?
Nein. Das habe ich ehrlich gesagt nicht so ernst genommen. Die Ärzte werden schon irgendwas machen, dachte ich. MS war damals noch nicht so im Fokus. Es war mir nicht klar, wo es hätte hingehen können.

Welche Symptome haben dazu geführt, dass Sie zum Arzt gegangen sind?
Ich hatte extreme Gleichgewichtsstörungen, ich konnte nicht mehr richtig sehen und hatte Probleme mit dem Zufassen. Das waren meine ersten Symptome. Dann bin ich beim Arzt gewesen und die meinten dann, dass es eine Arteriosklerose, also eine Arterienverkalkung, sei. Damit habe ich mich nicht abgefunden. Eine Freundin hat dann für mich einen Termin beim Facharzt, beim Neurologen gemacht. Der sagte mir dann, dass ich dringend ins Krankenhaus muss.

Wie ist Ihr Umfeld mit der Diagnose umgegangen?
Mein Freundeskreis war total lieb. Mein Mann und meine Tochter haben sich natürlich große Sorgen gemacht und haben sich um mich gekümmert, aber sie haben mich nicht verhätschelt.

Wie schätzen Sie die Therapiemöglichkeiten für MS in Deutschland ein?
Ich war in der halben Welt durch meine Aufgabe in der MS Gesellschaft unterwegs. Ich durfte über zehn Jahre als deutsche Vertreterin im ‚persons with ms comitee‘ der internationalen MS Gesellschaft mitarbeiten. Dort habe ich erlebt und gehört, wie die Versorgung von Menschen mit Behinderungen in anderen Ländern funktioniert. Klar, gibt es auch noch bessere Modelle in Europa. Aber wir hier in Deutschland brauchen nicht um die aktuellen Therapien zur Behandlung der MS kämpfen. Wir bekommen sie.
 

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