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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 23:23 Uhr

Ehrenamt in Pampow : Alles für den MSV Pampow

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel: Ingrid und Reinhard Reis kümmern sich beim Dorfklub darum, dass es auch neben dem Platz rund läuft

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Im Fußball gibt es unumstößliche Fakten. Elfmeter gibt es, wenn der Schiedsrichter pfeift. Gewonnen hat der, der ein Tor mehr geschossen hat und, wie Franz Beckenbauer einmal vollkommen zu recht feststellte: Die Schweden sind keine Holländer. Für Ingrid Reis gibt es noch eine Faustregel: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – und zwischendurch gibts Wäsche. Viel Wäsche. „Acht Maschinen sind es schon“, sagt Ingrid Reis und zählt zusammen, was sie immer montags in die Wäschetrommel im Waschraum des MSV Pampow steckt. Die Spielkleidung der Erstvertretung, die des Reserve-Teams, der dritten Mannschaft und die der C-Jugend. Es ist nicht so, dass sie ein Trikot bevorzugt, aber zu dem Leibchen mit der Nummer 6 hat Ingrid Reis ein ganz besonderes Verhältnis. „Das trägt unser Sohn Mathias“, sagt sie und hängt das Trikot in der Umkleidekabine an den Wäscheständer zum trocknen.

Familie Reis ist mit dem MSV Pampow stark verwurzelt. Vater Reinhard kümmert sich um gut bespielbare Plätze, Mutter Ingrid um ein blitzsauberes Vereinsheim und Sohn Mathias als Mannschaftskapitän um gute Ergebnisse in der Verbandsliga.

Seit vier Jahren ist Ingrid Reis (60) für den MSV im Einsatz. „Als Frührentnerin habe ich Zeit, brauche eine Beschäftigung und bin gerne unter Leuten“, sagt sie. Zu tun gäbe es beim MSV genug. Besonders an Spieltagen, so wie heute, an dem abends die Verbandsliga-Elf im Meisterschaftsspiel auf den Hagenower SV trifft. Früh morgens schließt Ingrid Reis das Vereinsheim auf. Dann wird der große Raum für die VIP-Gäste eingedeckt. Eine Catering-Firma kümmert sich zwar später um die Verpflegung, aber den Kaffee für zwischendurch hat sie immer im Blick. Sind die Kabinen sauber? Ist genug Papier auf dem WC? Alles soll passen, denn der MSV will ja auch einen guten Eindruck bei den Gästen hinterlassen. „Frau Reis ist immer für den Verein da. Wir sind ihr sehr dankbar, dass sie uns so hilft“, sagt MSV-Geschäftsführer Martin Herrmann und lobt das ehrenamtliche Engagement. Dem Verein zu Liebe investiert auch Reinhard Reis seit sieben Jahren viel Zeit. Allein zwei Stunden braucht er, um an Spieltagen die Kreidelinien auf den beiden Plätzen zu ziehen. Vom Rasenmähen mal ganz abgesehen. Bald kommt noch ein weiterer Platz dazu. „Aber nicht für mich“, sagt der 66-Jährige. Das Atmen fällt schwer, die Bandscheiben schmerzen und das Kreuz auch. Die vielen Jahre als Kraftfahrer haben ihre Spuren hinterlassen. „Im Sommer ist endgültig Schluss“, sagt Reinhard Reis, der bei jedem Heimspiel eineinhalb Stunden vorher schon im Kassenhäuschen sitzt. So wie heute Abend, wenn sein Team ab 19.30 Uhr weiter in der Verbandsliga für Furore sorgen will. Und, gibt es bald Oberliga-Fußball in Pampow? „Na ja, wir sollten mal die Kirche im Dorf lassen“, sagt Vater Reis, während Frau Ingrid die Trikots abhängt. In ein paar Stunden werden sie wieder dreckig gemacht. Ein Fall für Frau Reis, aber auch den wird sie sauber lösen.

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