Frauen in Männerberufen: Teil 1 : Allein unter Männern

Als wenn sie nie was anderes gemacht hätte: Katja Stafenk repariert fast jedes Auto im Nu.
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Als wenn sie nie was anderes gemacht hätte: Katja Stafenk repariert fast jedes Auto im Nu.

Katja Stafenk macht sich gerne die Hände dreckig – sie ist Kfz-Mechatronikerin und arbeitet als einzige Frau in der Werkstatt

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10. August 2015, 11:00 Uhr

Links und rechts der gläsernen Eingangstür stehen grüne, hochgewachsene Pflanzen. Durch die Tür gelangt der Besucher in den großen Verkaufsraum. Er ist sehr hell. Bodentiefe Fenster lassen die Sonne herein. Der Boden ist hell gefliest. Es wirkt schick. Edel. An einem weißen Empfangstresen des Autohauses „BMW - Hugo Pfohe“ steht eine junge Frau im Business-Outfit und begrüßt Kaufwillige. Ein Job, den oft Frauen ausüben. Es ist aber kein Beruf für Katja Stafenk. Die 32-Jährige macht sich gerne die Hände dreckig. Arbeitet alleine zwischen sechs Männern in der Werkstatt des Autohauses. „Es macht mir sehr viel Spaß“, sagt sie und lächelt.

Sie trägt einen grauen Blaumann, ein blaues Poloshirt, dunkle Arbeitsschuhe und graue Handschuhe. Ihre blonden kurzen Haare werden lässig von einer Sonnenbrille zurückgehalten. Sie kniet auf den braunen Fliesen der Werkstatt. Schraubt an einem schwarzen BMW 7er. Ist konzentriert. „Ich liebe diesen Job. Man sieht sofort Ergebnisse“, sagt Stafenk begeistert. Sie arbeitet in Schichten. Diese Woche hat sie Frühschicht. Ist von 7.30 bis 16 Uhr in der Werkstatt. „Morgens bekommt jeder seine Aufträge zugeteilt und dann legen wir auch schon los“, erklärt die junge Frau, die in ihrer Freizeit gerne Sport treibt. Gerade, dass sie mit der Hand arbeite, mache ihr Spaß. Bevor Stafenk im März ihre Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin als beste des Jahrgangs abschloss und sofort in ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen wurde, studierte die heute 32-Jährige Kulturwissenschaften und Philosophie. Nebenbei fing sie an, an Fahrrädern herumzuschrauben, wie sie erzählt. Dabei entdeckte Stafenk ihr Talent und die Liebe zum Handwerk. „Unser Team ist toll. Wir verstehen uns alle gut“, sagt die Schwerinerin, die zu Hause gerne Musik hört, Platten kauft und einen, wie sie selbst sagt, außergewöhnlichen Musikgeschmack hat.

Lieblingsarbeiten habe sie keine. „Mir macht alles Spaß. Morgens kommt ein kaputtes Auto rein und abends kann ein erleichterter Besitzer es abholen – toll“, schwärmt Katja Stafenk. Unterschiede zwischen Männern und Frauen würden hier nicht gemacht. Und überhaupt findet sie, dass dieser Beruf kein typischer Männerjob wäre. „Jedenfalls nicht mehr heute“, unterstreicht sie ihre Meinung und schraubt dabei weiter am BMW rum. Fließend sind ihre Bewegungen. Alle Abläufe sind routiniert. Sie arbeitet gut gelaunt, aber ruhig. Immer eben vor sich hin, bis die Arbeit getan ist.

Der Besucher sieht Katja Stafenk jedoch nicht. Durch die gläsernen Türen des Verkaufsraumes verlässt er das Autohaus. Die nette Dame am Empfang ruft ein „Auf Wiedersehen hinterher“. Er vermutet nicht, dass in der Werkstatt eine Frau arbeitet.

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