Probleme an den Schulen : Alkohol an Schulen kein Einzelfall

Alkohol und Gewalt an der Schweriner Bertolt-Brecht-Schule auf dem Großen Dreesch sind kein Einzelfall, sagt die Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung Mecklenburg-Vorpommern (Lakost MV).

svz.de von
18. Januar 2013, 06:44 Uhr

Grosser Dreesch | Alkohol und Gewalt an der Bertolt-Brecht-Schule - Berichte der SVZ darüber waren der Anlass für eine rege Diskussion zu diesem Thema. Dabei wurde sehr deutlich, dass es diese Probleme nicht nur an der Integrativen Gesamtschule auf dem Großen Dreesch gibt. Und aus den Meinungsäußerungen ging auch klar hervor: eine "Assi-Schule" ist die Brechtschule ganz und gar nicht.

Nun hat sich auch die Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung Mecklenburg-Vorpommern (Lakost MV) zu Wort gemeldet. Sie hat mit Interesse die Diskussion in der SVZ zu Alkohol an Schulen verfolgt. Nach ihrer Einschätzung, so bestätigt sie, ist es kein spezifisches Problem der Bertolt-Brecht-Schule oder von Schulen auf dem Großen Dreesch, sondern ein Problem, das überall und in allen Schulformen vorkommen kann. Die Erfahrung zeige, dass ein Vertuschen, um den Ruf der Schule nicht zu gefährden, der Schule langfristig mehr schadet als eine offene Aufarbeitung.

Der Begrüßungstrunk und das Anstoßen bei festlichen Anlässen sind feste Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens, so die Lakost. Die enthemmende, anregende und entspannende Alkoholwirkung werde in vielen Situationen ganz gezielt gesucht, um die Kontaktaufnahme zu erleichtern, um die Atmosphäre ungezwungener zu machen. Alkohol werde demgemäß mit vielen positiven Situationen in Zusammenhang gebracht.

"Im Rahmen des prinzipiell tolerierten und sozial anerkannten Alkoholkonsums in der Gesellschaft sind wir alle ständig ebenso mit unerwünschten Folgen konfrontiert", so die Lakost. Und doch werden in erster Linie die positiven Effekte hervorgehoben, beispielsweise in der Werbung. Die negativen Effekte werden eher verharmlost und höchstens punktuell problematisiert, z.B. beim Alkoholkonsum Minderjähriger. Es wird beklagt, dass Kinder und Jugendliche heute immer früher und immer mehr Alkohol konsumieren, ohne gleichzeitig den riskanten Alkoholkonsum von Erwachsenen zu problematisieren. "Und wir dürfen nicht vergessen, dass jeder Schnaps, den Kinder und Jugendliche trinken, durch die Hand von Erwachsenen gegangen sein muss", stellt Rainer Siedelberg, Geschäftsführer der Landeskoordinierungsstelle, fest.

Präventionsarbeit ist ihm wichtig, aber wie soll sie aussehen? Hier sei die Verantwortung der Gesellschaft gefragt und eine langfristige Änderung der sozialen Rahmenbedingungen notwendig. Dazu gehört nach Auffassung von Siedelberg, dass der Alkoholkonsum als gesamtgesellschaftliches Phänomen problematisiert werden muss und nicht als Problem nur von Heranwachsenden oder Randgruppen. Außerdem müsse die Einhaltung der bestehenden Jugendschutzbestimmungen stärker kontrolliert werden. Und: Für und mit Jugendlichen müssen attraktive Angebote geschaffen werden, die Spaß und (Ent)Spannung auch ohne Suchtmittel wie Alkohol ermöglichen.

Andererseits, so der Lakost-Geschäftsführer, sollte an jeder Schule im Rahmen ihres Schulprogramms ein Präventionskonzept existieren. "Nur so kann Suchtprävention im schulischen Alltag verbindlich eingeführt und verankert werden." Lehrer sollten wissen: Wie sollen sie mit Kindern und Jugendlichen umgehen, die mit Alkohol ihre ersten Erfahrungen machen oder deren Konsum bereits alltäglich geworden ist? Und wie können sie Jugendliche darin unterstützen, einen verantwortungsbewussten und genussorientierten Umgang zu entwickeln, um die darin liegende Entwicklungsaufgabe gut zu meistern?

Die Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung hat dazu einen Mitmach-Parcours entwickelt. "Volle Pulle Leben - Auch ohne Alkohol" wird offenbar gerne von den Schulen gebucht. "Nur das Angebot, die Erarbeitung von Konzepten zu unterstützen und die Lehrer für diese Problematik fortzubilden, wird kaum genutzt", beklagt Rainer Siedelberg. "Es wird häufig nur bzw. erst um Hilfe gerufen, wenn es einen Vorfall gab. Es ist aber zu beachten, dass suchtpräventive Einzelaktionen von Externen, die nicht in die Unterrichtsarbeit integriert sind, erfahrungsgemäß wenig wirkungsvoll sind."

Das Lehrerkollegium der Bertolt-Brecht-Schule hatte sich in der vergangenen Woche bereits zusammengesetzt und ein solches Präventionskonzept erarbeitet, das jetzt umgesetzt werden soll.


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