Lübstorf als Drehort : Alki Alki: Jubel, Leid und ein Stück Lübstorf

Unzertrennliches Team: Architekt Tobias (Heiko Pinkowski) und Freund Alkohol „Flasche“ (Peter Trabner, M.) – einer kommt nicht ohne den anderen aus. Und wo Worte fehlten, sprang Robert Gwisdek als Käpt’n Peng ein und sang, was keiner zu sagen vermochte.
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Unzertrennliches Team: Architekt Tobias (Heiko Pinkowski) und Freund Alkohol „Flasche“ (Peter Trabner, M.) – einer kommt nicht ohne den anderen aus. Und wo Worte fehlten, sprang Robert Gwisdek als Käpt’n Peng ein und sang, was keiner zu sagen vermochte.

Zwei Jahre nach den Aufnahmen kommt Filmproduzentin Anne Baeker zurück an den Drehort und mit Betroffenen ins Gespräch

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17. Juni 2016, 12:00 Uhr

Seit 21 Jahren kümmert sich das Team der AHG Klinik Schweriner See um Menschen mit Depressionen, Angststörungen und Zwangserkrankungen. Jährlich sind es um die 1100 Patienten, die in der Lübstorfer Klinik Hilfe bekommen. Darunter auch Menschen, die süchtig nach Alkohol sind. Gern im Volksmund auch Alkis genannt. Und genau diesen Menschen hat Filmproduzentin Anne Baeker einen 90-minütigen Streifen gewidmet: „Alki Alki“.

Jetzt wurde der Kinofilm in der Lübstorfer Klinik vor Patienten und Mitarbeitern gezeigt. Und das aus einem ganz bestimmten Grund: Genau zwei Jahre ist es her, dass die Kameras in der Klinik aufgebaut wurden. Denn ein Teil des Films wurde in Lübstorf gedreht. Zwar nicht mit echten Patienten, aber „mit ganz viel Unterstützung vom Haus“, erklärt Anne Baeker.

Durchaus echt ist das Problem Alkoholsucht – es ist auch den beiden Hauptdarstellern vertraut: Heiko Pinkowski und Peter Trabner sind beide trockene Alkoholiker. Hauptsächlich ging von Trabner der Impuls aus, einen Film zu diesem Thema zu machen, erzählt Anne Baeker. Mehrere Anläufe waren nötig, bis aus der Idee ein Drehbuch entstanden ist. Es war auch keine leichte Aufgabe, so Baeker. Lange beschäftigten sie sich mit der Frage, wie er denn aussieht, der vermeintliche Freund Alkohol? „Flasche“ alias Peter Trabner hat ihm ein Gesicht gegeben. Im Film ist er immer da – immer an der Seite des stets gestressten Architekten und dreifachen Familienvaters Tobias Zach, gespielt von Heiko Pinkowski. Und der hat seine Rolle so überzeugend gespielt, dass es sogar ihm an einigen Tagen „zu viel“ wurde, verrät Baeker.

Auch bei der Vorführung in Lübstorf haben es nicht alle auf dem Stuhl ausgehalten, mussten den Raum verlassen. Besonders schwer sei es für die Betroffenen, die Szenen auszuhalten, in denen exzessiv gefeiert wird. Dennoch bleiben die meisten Gäste bis zum Schluss. Mucksmäuschenstill verfolgen sie Liebe und Leid. Viel Futter für die eigenen Gedanken. Schon während des Abspanns lichteten sich schnell die Reihen. Einige blieben sitzen, hatten noch Fragen. „Warum küssen sich die Männer – liebt Tobias seine Sucht“, will einer der Patienten wissen. Ein klares Ja folgt als Antwort. „Es ist schwer zu sagen, ob es tatsächlich Liebe ist. Auf jeden Fall aber eine Sehnsucht, die erfüllt wird. Eine Abhängigkeit und vielleicht auch eine Art Hass-Liebe“, sagt Anne Baeker. Klar sei aber, dass mit einer Therapie das Problem nicht gelöst, sondern nur beherrschbar gemacht werden kann.

Ein kleiner Sprung in den Film: Zwei Wölfe leben in einem Suchtkranken. Ein guter, der mit Vernunft handelt und Rücksicht nimmt. Und ein schlechter, lasterhafter und trinkfreudiger. Welcher bleibt nach der Therapie übrig? „Der, den du fütterst“, lautet der Ratschlag des Therapeuten. Einige Patienten wollen sich diesen zu eigen machen. „Es ist wie im wahren Leben. Es gibt kein Hollywood-Happy-End. Es gibt aber Hoffnung“, so die Produzentin. Und noch eine gute Nachricht hat sie: Da zahlreiche Szenen im Film aus Platzgründen nicht veröffentlicht werden konnten, soll es eine Fortsetzung geben. „Wir haben an eine Serie gedacht mit Szenen aus den Gruppentherapien. Vielleicht kommen wir auch wieder zum Dreh nach Lübstorf“, fügt sie hinzu. Karin Parlow, Sprecherin der AHG Kliniken, würde sich freuen. Es sei eine sehr gute Zusammenarbeit gewesen. „Wir haben alle rechtzeitig informiert und es gab wirklich schöne Momente“, sagt Parlow und erzählt von einem Nachmittag, an dem Schauspieler Oliver Korittke von ein paar Patienten mit in die Gruppentherapie genommen wurde. „Es gab sogar eine Autogrammstunde. Er hat sich sehr viel Zeit genommen, alle waren überglücklich“, sagt sie.

„Alki Alki“ wird am 2. August um 23.30 Uhr im ZDF gezeigt.

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