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Verein macht Boot flott : „Albatros“-Sanierung nimmt Fahrt auf

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bootsführer Andreas Meyer unterstützt Wiederaufbau des 47 Jahre alten Polizeibootes, das vor knapp 28 Jahren im Heidensee gesunken war

svz.de von
erstellt am 01.Jan.2015 | 09:00 Uhr

Der stählerne Rumpf des Polizeibootes KB12 liegt auf einem Trailer im ehemaligen Kasernengelände von Stern Buchholz. Einzelteile wie zum Beispiel der Original-Scheinwerfer vom Dach oder die Schiffsschraube wurden gesichert und die ersten Planungen für das Sandstrahlen und Streichen im Frühjahr abgeschlossen. Der Verein „Albatros-Natur und Umwelt“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, den 1967 gebauten Kahn wieder flott zu kriegen. Dafür suchen seine Mitglieder Sponsoren und Unterstützer.

Es gibt nicht mehr viele Kontrollboote aus diesem Jahr in Deutschland. Deshalb bewahrten Bootsliebhaber mit der Gründung eines Vereins die „Albatros“ vor der Verschrottung. Das Boot soll mit Spenden und viel ehrenamtlicher Arbeit wieder aufgebaut werden. „Ich kann mir gut vorstellen, das Boot für Klassenfahrten im Schullandheim zu nutzen“, sagt Axel Mielke, Geschäftsführer der Schweriner Arbeiterwohlfahrt (Awo). Ideen für die Nutzung haben die Mitglieder viele, aber dazu muss das KB12 erst einmal instandgesetzt werden.

Nun bekommt der Verein aber Unterstützung. Als der Kfz-Mechatroniker Andreas Meyer von dem Vorhaben erfuhr, leuchteten seine Augen. Sofort meldete er sich bei den Vereinsgründern und bot seine Hilfe an. Der heute 52-Jährige aus Schwerin war von 1985 bis 1988 Bootsführer der „Albatros“. Er transportierte mit einem Tatra-Laster das Kontrollboot vom Grenzschutz in Dömitz zur GST, der Gesellschaft für Sport und Technik, nach Schwerin. „Man kann nicht gerade sagen, dass es einfach war, solche Transporte zu DDR-Zeiten zu organisieren. Aber, es war aufregend“, erinnert sich Meyer. In Dömitz war das Boot einige Jahre auf der Elbe mit dem Grenztruppen im Einsatz, davor soll es bei der Wasserschutzpolizei auf dem Schweriner See gedient haben.

„Wir wollen jetzt die Geschichte des Bootes aufschreiben“, sagt Stefan Schulz, Mitgründer des Vereins. „Dazu suchen wir Zeitzeugen und Fakten.“

Einer der Zeitzeugen ist Andreas Meyer. Er war es auch, der dem stählernen Boot den Namen „Albatros“ gab, das zuvor mit dem Industriekran im Hafen des Ziegelinnensees ins Wasser gehievt worden war, bevor es in den GST-Hafen im Heidensee kam. „Als ich das erste Mal damit gefahren bin, war ich von der Größe, Behäbigkeit und doch der Schnelligkeit des Bootes auf dem Wasser begeistert. Das erinnerte mich an den Vogel Albatros“, so Meyer. Bei der GST wurde die „Albatros“ für prominente Gästefahrten oder für den Einsatz bei Regatten und anderen Veranstaltungen genutzt. Der ehemalige Bootsführer kommt aus dem Erzählen kaum heraus, wenn er zurückdenkt.

Neben vielen schönen Momenten gab es für ihn aber auch ein Schockerlebnis. Im Februar 1987 sank die „Albatros“ auf den Hafengrund. „Der Auspuff war kaputt gefroren und bildete dadurch ein Leck an der Wasserkante. Als ich ankam, war nur noch der Scheinwerfer zu sehen“, erinnert sich Meyer. Mühsam und mit viel Einfallsreichtum wurde die „Albatros“ gehoben, in alle Einzelteile zerlegt, getrocknet und geölt. „Wir haben bis in die Nacht sogar den Motor komplett auseinander gebaut, damit sich kein Rost ansetzt“, erzählt er. Wenige Wochen später lief die „Albatros“ wieder auf dem Schweriner See – bis zum Ende der GST.

Die „Albatros“ soll wieder auf Fahrt gehen: „Für uns ist Andreas Meyer ein Hauptgewinn“, sagt Stefan Schulz. „Er kennt das Boot auch technisch in- und auswendig. Gemeinsam mit den Vereinsmitglieder will er nun die Arbeiten organisieren. Wenn das Wetter es zulässt, können wir im April mit dem Sandstrahlen beginnen“, sagt Schulz. Erst dann kann mit dem Einbau des Motors, der Hydraulik und technischen Armaturen begonnen werden. Da das Sanierungsprojekt ehrenamtlich gestemmt wird, ist der Verein auf Spenden und handwerkliches Engagement angewiesen.

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