Neu Meteln : Ärztin macht Nachbarn zu Rettern

Herzdruckmassage im Rhythmus  des Radetzkymarsches: Ärztin Maria Pietrowski zeigt, wie es geht.
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Herzdruckmassage im Rhythmus des Radetzkymarsches: Ärztin Maria Pietrowski zeigt, wie es geht.

Maria Pietrowski lädt in der Woche der Wiederbelebung zu zwei Übungskursen für die Herzdruckmassage nach Alt Meteln ein

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15. September 2017, 08:00 Uhr

„Bei der Ersten Hilfe können Sie nichts falsch machen, außer Sie machen nichts!“ Diesen Spruch gibt Maria Pietrowski Laien mit auf dem Weg, die bei der Fachärztin für Anästhesie vom Sana-Hanse-Klinikum Wismar an einem Übungskurs in der Herzdruckmassage teilnehmen. Die Ärztin hofft, dass am 22. September von 18 bis 19 Uhr sowie am 23. September von 10 bis 11 Uhr viele Mutige im Jugendclub von Alt Meteln vorbeischauen, um ihr Wissen aufzufrischen und am Dummy die Herzdruckmassage zu üben. „Er muss niemand die ganze Stunde bleiben, die eigentliche Übung dauert sogar nur fünf Minuten“, betont Maria Pietrowski. Sie will ihren Nachbarn vor allem Mut machen, in Notsituationen nicht untätig zu bleiben, sondern zu helfen. „Die meisten Menschen trauen sich einfach nicht einzugreifen“, berichtet die 60-jährige Fachfrau. Dabei sind Angehörige oder Freunde zumeist in der Nähe, wenn eine Person einen Herzstillstand erleidet. Und dann sollte das Motto lautet: Helfen, bis der Notarzt kommt!

Genau das ist auch das Motto, unter dem Maria Pietrowski zu ihren kostenfreien Kursen einlädt. Den ersten gab es bereits im Jahr 2011. Ein paar Jahre zuvor war sie mit ihrem Mann nach Neu Meteln gezogen. „Wir leben hier an der Grenze der Rettungsdienst-Bereiche“, erläutert die Ärztin. Und da kann es schon mal dauern, bis der Rettungswagen aus Bad Kleinen oder der Notarzt aus Schwerin eintrifft. „Je früher ein Mensch reanimiert wird, um so größer ist aber seine Chance, einen Herzstillstand zu überleben“, erläutert Pietrowski. Hinzu kommt: Nicht nur das ländliche Mecklenburg, sondern ganz Deutschland ist in Sachen Reanimation durch Laien ein Entwicklungsland. „Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden und in Schweden liegt die Überlebensquote nach Herzstillstand deutlich höher – auch dank des beherzten Eingreifens von Laien“, fügt die erfahrene Ärztin an.

Bei ihren Kursen gibt Maria Pietrowski natürlich auch Tipps, wie eine Herzdruckmassage richtig ausgeführt wird. „Es ist nur eine kurze Einführung, dann wird geübt“, verrät die Neu Metelnerin. Und wer bereits vor Jahrzehnten den letzten Erste-Hilfe-Kurs besucht hat, wird feststellen, dass sich einiges geändert hat. Heute lautet die Empfehlung: 100- bis 120-mal pro Minute kräftig auf dem Herzmuskel drücken und dabei den Brustkorb fünf bis sieben Zentimeter tief eindrücken. Und wer den Radetzkymarsch oder „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees kennt, findet leicht den richtigen Rhythmus, so der Tipp die Fachfrau.

Dass Maria Pietrowski diese Kursangebote in der zweiten September-Hälfte unterbreitet, ist übrigens kein Zufall: Vom 18. bis 24. September finden deutschlandweit in der „Woche der Wiederbelebung“ Gesundheitsaktionen statt. Die Anästhesistin will sich da einbringen – in ihrer Heimatgemeinde. Sie hofft allerdings auch auf eine größere Resonanz. Zu den ersten Kursen kamen vor allem Feuerwehrleute und Gemeindevertreter. „Jeder ist eingeladen, denn jeder kann helfen.“

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