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Abholzung am Schweriner See : Ärger in Seehof geht weiter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Abholzung am Ufer des Schweriner Sees verärgert nicht nur die Gemeinde – Landesforstbehörde will Aufforstung kontrollieren

von
erstellt am 06.Apr.2016 | 04:30 Uhr

Nun ist sie da, die freie Sicht auf den Schweriner See am Campingplatz in Seehof. Vor wenigen Monaten wuchsen dort noch Pappeln dicht an dicht meterhoch in den Himmel. Als die ersten Bäume im Januar fielen, gab es schon Streit zwischen Eigentümern und Anwohnern (SVZ berichtete). Jetzt ist die Schneise da: „Der absolute Kahlschlag ist eine Sünde“, erklärt Wilhelm Karl Scholz. Der Gemeindevertreter kann nicht verstehen, warum das den neuen Eigentümern, die den Waldstreifen am Ufer des Sees gekauft haben, möglich ist. „Es handelt sich hier um Schutzgebiet. Das Areal ist nicht nur ein europäischisches Schutzgebiet, sondern auch als nationales Natur- und Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Das kann doch nicht erlaubt sein“, wettert Scholz.

„Doch“, sagt Peter Rabe, Leiter des zuständigen Forstamtes in Grevesmühlen und hält klar dagegen. „Es handelt sich hier um Pappeln, die nicht standorttypisch sind. Es spricht aus forstrechtlicher Sicht nichts gegen eine Abholzung.“ Rabe kann aber durchaus verstehen, dass Anwohner und Besucher des Platzes besorgt sind. „Es ist ein sehr sensibler Bereich und die Aufmerksamkeit in diesem Areal deutlich größer, als würde es in einem Waldgebiet passieren“, merkt der Forstamtsleiter an. Die neuen Eigentümer des Waldstreifens am Seeufer wurden von der Forstbehörde allerdings aufgefordert, die abgeholzte Fläche wieder aufzuforsten. Wilhelm Karl Scholz zeigt sich skeptisch: „Die Frage ist doch, wo und wann das passiert.“ Doch auch auf diese Frage weiß Rabe eine Antwort. „Die neuen Eigentümer wurden angewiesen, an gleicher Stelle eine Ersatzpflanzung vorzunehmen mit standorttypischen Roterlen“, sagt Rabe. Er werde auch kontrollieren, dass das noch in diesem Jahr passiert, sicherte der Grevesmühlener Forstamtsleiter zu. Eine Waldumwandlung sei nicht genehmigt. „Was Wald war, wird auch wieder Wald“, betont Peter Rabe. Derzeit werde geprüft, wie die Fläche am Seeufer überhaupt genutzt werden darf und ob die Nutzung als Campingplatz legitim ist. „Doch da sind Gemeinde und Bauamt gefragt“, schiebt Rabe hinterher.

Seehofs Bürgermeisterin Christiane Schwonbeck ist dieser Fakt nicht bekannt. „Davon wissen wir nichts“, sagte sie auf Nachfrage der Redaktion. Zur Abholzung am See hat sie jedoch eine klare Meinung: „Wir sind alle darüber empört, was sich hier unter den Augen der Naturschutzbehörden abspielen kann“, moniert sie. Denn für das geplante Wohngebiet in mehreren Hundert Metern Entfernung habe es zahlreiche Naturschutzauflagen gegeben. „Aber hier kann mitten im Natur- und Vogelschutzgebiet abgeholzt werden. Unfassbar“, beklagt sie.

Dass die Gemeinde Seehof sich aber noch einmal der Problematik annimmt, schließt die Bürgermeisterin aus. Die Kommune, so Christiane Schwonbeck, hätte direkt nichts mit dem Campingplatz und auch dem privaten Waldstreifen zu tun. „Es bleibt aber eine traurige Erkenntnis, dass der Landkreis nicht hinter der Gemeinde steht“, sagt sie abschließend.

Die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Nordwestmecklenburg verweist jedoch auf das Forstamt. „Gemäß den gültigen Managementplänen für diese Gebiete stellt die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung eine mit der Unterschutzstellung verträgliche Landnutzungsform dar“, erklärte Mathias Diederich, Stellvertreter der Landrätin. Das heißt: Die Untere Naturschutzbehörde sieht keinen Handlungsbedarf.

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