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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. Oktober 2017 | 01:07 Uhr

Kultur in Schwerin : Ärger auf den hinteren Plätzen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Viele Veranstalter gehen mit Sichtbehinderungen offensiv um und übernehmen keine Haftung für Einschränkungen

von
erstellt am 17.Jan.2017 | 07:00 Uhr

Das hat sicher schon so mancher Konzertbesucher erlebt: Alle guten Plätze sind weg, die Sänger und Musiker sind kaum zu sehen und schlecht zu hören. So zum Beispiel bei Konzerten in der Schelfkirche, wenn die Besucher auf der Empore Platz nehmen müssen oder im Theater im dritten Rang. Doch Beschwerden bei den Veranstaltern sind eher selten. Denn sie übernehmen keine Haftung für gute oder weniger gute Sicht.

Aber um Ärger zu vermeiden, gibt es durchaus unterschiedliche Herangehensweisen. Klassisches Beispiel: Theater. Im dritten Rang, Seite rechts oder links etwa, bei manchen Inszenierungen auch im zweiten Rang, ist die Bühne nicht oder nur teilweise zu sehen. „Solche Plätze weisen wir als sichteingeschränkte aus“, sagt Franziska Pergande, Pressesprecherin des Theaters. Der Besucher könne dann selbst entscheiden, ob er dennoch eine Karte kaufen wolle oder nicht. Und Karten für Stehplätze, die auch nur eingeschränkte Sicht bieten, würden in der Regel auch nur dann verkauft, wenn alle anderen vergeben seien.

Offensiv geht auch Dieter Manthey mit dem Thema um. Er ist seit 20 Jahren Manager des Speichers in der Röntgenstraße und er hat ein eisernes Problem: Mitten im Zuschauerraum des Live-Klubs stehen zwei massive Pfeiler. „Aus meiner Erfahrung kann ich aber sagen: Die Besucher kommen damit gut zurecht. Jeder, der schon mal im Speicher war, kennt die Pfeiler und wählt entsprechend seinen Platz. Und Neulinge arrangieren sich mit der Situation. Für die Künstler auf der Bühne indes ist das eher eine Herausforderung, schließlich wollen sie alle Zuschauer erreichen. Also spielen sie mal zur einen, mal zur anderen Seite in den Zuschauerraum“, erzählt Manthey. Beschwerden habe er noch nie bekommen, spitze Bemerkungen von Künstlern indes schon.

Und wie steht es mit den Sitzmöglichkeiten auf der Treppe zwischen Zuschauerraum und Gaststättenbereich, die bei Veranstaltungen auch als Sitzplätze verkauft werden? „Auch dort gibt es keine Probleme“, versichert Manthey. „Ganz im Gegenteil: Die sind sogar sehr begehrt, weil man sehr gut sieht und hört.“

Als Veranstaltungsmanager hat er aber auch schon Konzerte in anderen Häusern, etwa der Kongresshalle, dem Schleswig-Holstein-Haus oder der Schelfkirche, organisiert. „In einer Kirche Platzkarten wie im Theater zu vergeben, ist praktisch unmöglich. Der Aufwand ist riesig und Kontrolle nur schwer möglich. Deshalb haben wir bei den von uns organisierten Konzerten immer den Hinweis auf die Karten gedruckt, dass möglicherweise die Sicht eingeschränkt ist“, erzählt Dieter Manthey. Das beuge Ärger vor.

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