Schwerin : Ältere "Bufdis" sind schwer im Kommen

<strong>Als 'Bufdi' leitet  Anita Gröger (33, r.)</strong> den Paulsstadt-Treff.  Marita Kruse, Vorsitzende des Trägervereins, freut sich über die engagierte Mitarbeiterin. <foto>christian Koepke</foto>
Als "Bufdi" leitet Anita Gröger (33, r.) den Paulsstadt-Treff. Marita Kruse, Vorsitzende des Trägervereins, freut sich über die engagierte Mitarbeiterin. christian Koepke

Anita Gröger kennt sich aus im Umgang mit Menschen. Sie ist Berufspädagogin und psychologische Beraterin - und ein "Bufdi". Die 33-Jährige gehört zu den insgesamt 54 Bundesfreiwilligendienstleistenden in Schwerin.

svz.de von
27. Juli 2012, 07:05 Uhr

Schwerin | Ein Angebot für alle Generationen möchte Anita Gröger machen. "Die Leute sollen bei uns Raum und Zeit für die Begegnung finden, für die Kommunikation, das Kennenlernen und das aktive Miteinander", sagt die Leiterin des Paulsstadt-Treffs im Hinterhof des Külzhauses. Anita Gröger kennt sich aus im Umgang mit Menschen. Sie ist Berufspädagogin und psychologische Beraterin - und ein "Bufdi". Die 33-Jährige gehört zu den derzeit insgesamt 54 Bundesfreiwilligendienstleistenden in der Landeshauptstadt.

Seit einem Jahr gibt es den Bundesfreiwilligendienst, der den Wegfall des Zivildienstes ausgleichen soll. Bundesweit hat sich der Dienst, der anders als etwa ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr auch für Menschen offen ist, die älter als 27 Jahre sind, nach schleppendem Beginn zu einem echten Renner entwickelt. Die 35 000 Plätze, die die Bundesregierung vergeben wollte, sind fast besetzt. In Schwerin ist die Zahl der "Bufdis" ebenfalls stetig angestiegen. Vor einem halben Jahr etwa hatte es erst gut 30 Stellen in der Landeshauptstadt gegeben. Auch der Antei l der älteren Freiwilligen habe zugenommen, bestätigt Roland Hartmann, Sprecher des zuständigen Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

Die meisten Schweriner Freiwilligen versehen nach Angaben von Hartmann ihren Dienst bei den Helios-Kliniken, gefolgt vom Arbeitslosenverband und der Anker-Wohnanlage. Dann komme n schon die vier "Bufdis", die im Paulsstadt-Treff tätig sind, denn außer Anita Gröger gibt es noch drei weitere Freiwillige.

"Wir sind froh, dass der Bundes freiwilligendienst ins Leben gerufen wurde", betont Marita Kruse, Vorsit zende des Vereins Ideenbau intakt, der Träger des Paulsstadt -Treffs ist. Zwar gäbe es viele Ehrenamtliche, die sich für den Treff in der Dr.-Külz-Straße en gagierten, doch sei ein dauerhaftes Angebot in den von der Stadt zur Verfügung ge stellten Räume n ohne bezahlte Mit arbeiter nur schwer auf recht zu er hal ten. "Und aus eigener Kraft könnten wir die Kosten nicht aufbringen", erklärt Kruse.

Reich könne man als "Bufdi" nicht werden, sagt Anita Gröger mit einem Lächeln. Das sei aber auch nicht ihr Ansatz. "Ich wünsche mir, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die über ihr Leben nachdenken und sich gegenseitig helfen wollen." Soziale Nachhaltigkeit zu schaffen, das sei ihr Ziel, unterstreicht die 33-Jährige, die sich über ihre "Bufdi"-Stelle hinaus auch ehren amtlich im Treff einbringt. "Dabei schaue ich mir an, was die Leute wirklich möchten." Ein paa r feste Angebo te gäbe es im Paulsstadt-Treff aller dings, etwa eine Hausauf gabenhilfe oder die Mög lich keit zum Gitarre spielen, berichtet Anita Gröger. Jede Woche öffne außerdem ein "Café für Junggebliebene und Weise-Gewordene" seine Pforten, und gefeiert werde in der Külzstraße auch, am 25. August zum Beispiel ein Kulturfest zur Völkerverständigung. Motto: "1001 Nacht".

Voraussichtlich 18 Monate wird Anita Gröger als "Bufdi" im Paulsstadt-Treff arbeiten. Angebunden ist ihre Ein satz stelle bei den Internationalen Ju gend gemeinschaftsdiensten. In der Regel dauert der Bundesfreiwilligendienst ein Jahr. Er kann im sozialen und ökologischen Bereich abgeleistet werden, aber auch in den Bereichen Sport, Integration, Kultur und Bildung sowie im Zi v il- und Katastrophenschutz. Nach eine r jüngsten wissenschaftlichen Studie ist der Anteil der älteren Freiwilligen in Ostdeutschland besonders hoch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen