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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 08:38 Uhr

Querschnitt für die Nachwelt : Ackerboden mit Profil

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Profi-Gutachten und Lackabdruck auf dem Biohof Medewege sollen für umsichtigen Umgang mit der Erde sensibilisieren

svz.de von
erstellt am 22.Mai.2014 | 22:00 Uhr

Drei Stunden Arbeit in der prallen Sonne auf dem Acker. Ein Bauer baggert ein tiefes Loch, Männer springen hinein, messen, kratzen Schichten ab, reiben Erdkrümel in der Hand, staunen über Regenwürmer. Landwirte, Schaulustige und Medienleute filmen, fragen, schwitzen – und heraus kommt eine Kiste mit Erde. So stellte sich die Szene gestern zwischen Groß und Klein Medewege dar. Doch was die Profis dort bewerkstelligten, mündet in ein Ewigkeitswerk: Es geht um den Zustand unseres Bodens, der Grundlage für unsere Nahrungsmittel. Der leidet nämlich, sagt Ökolandbau-Experte Dr. Burkhard Roloff vom BUND, der das Projekt anschob: „Auch in MV führt die industrielle Pflanzen- und Tierproduktion zur Verschlechterung der Böden. Die Folgen sind zunehmende Flächeninanspruchnahme sowie Erosion, Verdichtung, Verringerung der biologischen Vielfalt im Boden und Schadstoffeinträge. Mit einem erstmalig auf einem Biobetrieb angelegten Bodenprofil wollen wir darauf hinweisen, dass mit ökologischem Landbau am besten nachhaltiger Bodenschutz verwirklicht werden kann.“ Der Biohof Medewege arbeitet seit 20 Jahren biologisch-dynamisch, bewirtschaftet 250 Hektar Acker. Auf dem Profilstück stand im vergangenen Jahr Roggen, jetzt wächst dort Kleegras, um den Boden zu verbessern. Ein Humusanteil von etwa zwei Prozent zeugt vom Erfolg. Bodenkundler Frank Idler stellte das und einiges mehr bei der „Bodenansprache“ fest: Die Bearbeitungsspur ist 30 Zentimeter tief, darunter kommt ein „Horizont“ mit stark lehmigem Sand, anschließend mittelsandiger Lehm, darunter Geschiebemergel aus der Eiszeit. Die Durchwurzelung ist gut, die Erosionsgefahr gering. Für weitere Feinanalysen muss ein Labor ran. Das Ergebnis bekommt der Hof zusammen mit einem Boden-Lack-Profil, also dem konservierten und aufgeklebten Inhalt der Kiste. Das Profil soll Hofbesuchern künftig vor Augen halten, wie es unter dem Acker aussieht und sie für die Probleme des Umwelt- und Klimaschutzes sensibilisieren.

Das soll auch die landesweit erste Boden-Dauer-Beobachtungsfläche auf einem Bio-Acker, die gestern nebenan eingemessen wurde. Dort soll innerhalb der nächsten 200 bis 300 Jahre erforscht werden, wie sich der Boden verändert.

 

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