Verbot von Sickergruben in Schwerin : Abwasser in Kleingärten: Alles dicht?

Dichtheitsprüfungen laufen bereits: Frank Westphal vom  Kleingartenverband  (l.) berät  Kleingärtner Joachim Frahm beim Einbau eines abflusslosen Sammelbehälters in seiner Parzelle. Reinhard Klawitter
Dichtheitsprüfungen laufen bereits: Frank Westphal vom Kleingartenverband (l.) berät Kleingärtner Joachim Frahm beim Einbau eines abflusslosen Sammelbehälters in seiner Parzelle. Reinhard Klawitter

Schwerins Kleingärtner unter Kontrolle: Ab 2013 müssen sie laut Gesetz ihr Abwasser sammeln. Der Kreisverband der Gartenfreunde bietet seinen Mitgliedern Hilfe durch Fachberater wie Frank Westphal an.

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26. September 2012, 07:51 Uhr

Schwerin | Im Kleingarten von Joachim Frahm klafft ein tiefes Loch. Daneben liegt ein schwarzes Ungetüm aus Plastik, das einem U-Boot ähnelt. Der Behälter soll in dem Loch versenkt werden und künftig alle Abwässer auffangen, die Joachim Frahm in seinem Kleingarten produziert. Solche abflusslosen Sammelsysteme haben sich in Gartenanlagen als beste Alternative gegenüber Klär- und Sickergruben durchgesetzt, wie Wolfram Görs, Vorsitzender des Kreisverbandes der Gartenfreunde Schwerin, erklärt. Die U-Boot-förmigen Behälter seien derzeit so etwas wie der Renner in den Parzellen.

Die Gründe sind das Wasserhaushalts- und das Landeswassergesetz. Diese schreiben in MV von 2013 an "abwasserfreie Gärten" vor. Dann dürfen Kleingärtner ihre Abwässer beispielsweise nicht mehr über Sicker-Klär gruben entsorgen, sondern müssen diese "ordnungsgemäß beseitigen" wie es in einer Stellungnahme des Umweltministeriums heißt. Die Behörde verweist unter anderem auf Stralsund und Schwerin, wo "die Zusammenarbeit funktioniere und die Kleingärtner engagiert mitarbeiten".

Der Kreisverband der Gartenfreunde bietet seinen Mitgliedern Hilfe durch Fachberater wie Frank Westphal an. Diese untersuchen vorhandene Anlagen auf Dichtheit und beraten die Kleingärtner über finanziell tragbare Alternativen, um die immer noch "vielfach anzutreffende unzureichende Abwasserbeseitigung zu beseitigen". Die Kontrolleure kommen aus den Reihen der Kleingärtner und haben eine Fortbildung bei der DWA Nord-Ost durchlaufen. "Innerhalb der eigenen Sparte dürfen die ausgebildeten Prüfer keine Dichtheitsprüfungen durchführen", wie das Ministerium mitteilt. Nach den gesetzlichen Vorgaben müssen abflusslose Sammelgruben mit der so genannten DlBT-Zulassung alle 20 Jahre und solche Systeme in Trinkwasserschutzzonen alle fünf Jahre überprüft werden.

Die Regel für "abwasserfreie Gärten" hatte in den Jahren 2010 und 2011 bei vielen Hobbygärtnern für Unmut gesorgt. Die Vorgaben würden viele Kleingärtner "finanziell überfordern, weil viele von ihnen bereits im fortgeschrittenen Lebensalter seien", heißt es aus dem Ministerium. Die Laubenpieper führten an: Das Gesetz "widerspreche dem Bestandsschutz für Kleingartenanlagen aus DDR-Zeiten und die Kleingärtner würden ohnehin nur wenig Abwasser produzieren". Erst nach mehreren Diskussionsrunden stellte das Ministerium fest: "Der Nach Paragraf 20a des Bundeskleingartengesetzes geltende Bestandsschutz für die vor dem 3. Oktober 1990 rechtmäßig errichteten Gartenlauben (einschließlich ihrer sanitären Anlagen) erstrecke sich nicht auf die Abwasserbeseitigung." Das bedeutet für die Kleingärtner, alle müssen ihre Abwässer von 2013 an ordnungsgemäß entsorgen.

Von der Gesetzgebung sind vor allem Kleingärtner in den neuen Bundesländern betroffen - wovon es in Schwerin immerhin etwa 8000 gibt. In den alten Bundesländern hatte sich die Gartenkultur in eine andere Richtung entwickelt. Übernahmen in der DDR die Kleingärten eine Art Ausgleichsfunktion zur Plattenwohnung, wurden diese in der BRD nur für den Gartenanbau benutzt. In ihnen wurden keine Bungalows und Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen. Aus diesem Grund sind "abwasserfreie Gärten" vor allem für die Laubenpieper in den neuen Bundesländern ein Thema.

Frank Westphal hat für sich eine Lösung gefunden. Mit dem abflusslosen System hat er die nächsten 20 Jahre seine Ruhe.

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