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Es hat sich ausgeblüht : Abschied vom sauberen Schwerin

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Geschlossene Toiletten, abmontierte Papierkörbe, Hundedreck auf den Wegen, Unkraut in den Rabatten und trocken gelegte Wasserspiele - dieses Zukunftsbild von Schwerin schockt die Landeshauptstädter.

svz.de von
erstellt am 23.Jul.2013 | 06:48 Uhr

Schwerin | Geschlossene Toiletten, abmontierte Papierkörbe, Hundedreck auf den Wegen, Unkraut in den Rabatten und trocken gelegte Wasserspiele - dieses Zukunftsbild von Schwerin schockt die Landeshauptstädter und ihre politischen Vertreter. SPD-Stadtvertreterin Gerlinde Haker kann die plötzliche Aufregung nur schwer verstehen. "Diese Maßnahmen gehören zum Sparpaket, das die Stadtvertreter selbst verabschiedet haben", betont sie. Als die Kürzungen Anfangs des Jahres diskutiert wurden, hätten sie und einige Mitstreiter bereits Alarm geschlagen und die Politiker aufgefordert, an dieser Haushalts-Position nicht zu sparen. Doch der Kassandra-Ruf verhallte offenbar ungehört. Oder haben die Stadtvertreter ihren selbst beschlossenen Sparkatalog nicht aufmerksam genug gelesen?

Gerlinde Haker ist Werkausschuss-Vorsitzende bei den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen, dem Eigenbetrieb, der z.B. für öffentliche Sauberkeit, Grün und Straßenunterhaltung zuständig ist. Bereits Ende Februar bekamen die Mitglieder Detailinformationen über die anstehenden Kürzungspläne. Knapp 200 000 Euro sollten insgesamt in drei Bereichen eingespart werden. Konkret ging es um 46 400 Euro, die wegfallen, wenn die öffentlichen Toiletten am Klingberg-Platz, am Schlachtermarkt und am Zippendorfer Strand 2014 geschlossen werden. Auch der angekündigte WC-Container am Spielplatz der Atolle erhielt damit eine Absage. Eine Zwischenlösung für diesen Sommer ist der SDS zu teuer (SVZ berichtete). Zusätzlich unterbleibt die wöchentliche Reinigung der Gehwege durch die SDS in der Innenstadt. Außerdem verschwinden 60 von 298 Papierkörben und zehn von 80 Hundebeutelspendern. Für die Werkausschuss-Mitglieder war schon im Frühjahr klar: das Erscheinungsbild der Stadt wird sich durch diese Sparmaßnahmen stark nachteilig verändern, neue Dreckecken könnten entstehen, die Wohnlage an Attraktivität verlieren.

Auch an den touristischen Hinguckern soll gespart werden: Die Staudenbepflanzungen am Platz der OdF, am Bürgermeister-Bade-Platz und der Moritz-Wiggers-Straße sollen laut Sparplan schrittweise zurückgebaut werden. Die Sommerbepflanzung am Bahnhofsvorplatz steht auf der Streichliste ebenso wie die roten Blumentöpfe sowie Wasserspiele. Rasenmahd und Graffitibeseitigung werden reduziert, defekte Geräte auf Spielplätzen nicht ersetzt. Kleinigkeiten, die das Leben bisher liebenswert machten. Die Ersparnis hier beträgt insgesamt 62 700 Euro.

Schließlich kann die Stadt zusätzliche 80 000 Euro aus dem überschuldeten Haushalt streichen, wenn sie diesen Betrag pauschal aus der Straßenunterhaltung nimmt. Der Werkausschuss vermutet: Da die Verkehrssicherheit weiterhin oberste Priorität hat, werden damit wohl vor allem Maßnahmen in Wohngebieten gestrichen.

Beeindruckt hat diese Liste im Frühjahr offenbar nicht viele Stadtvertreter. Lediglich die Fraktion Die Linke hatte in einem Antrag gefordert, diese Streichungen zu streichen. Denn: Die Folgen der Kürzungen stünden in keinem Verhältnis zu den Einspareffekten und würden langfristig sogar zu noch höheren Investitionskosten gerade im Bereich Straßen führen. "Das Stadtbild würde massiv unter diesen Kürzungen leiden, was sich nicht nur negativ auf die touristische Attraktivität auswirken würde", heißt es in der Begründung.

Der Antrag der Linken wurde von den Stadtvertretern abgeschmettert. Was das bedeutet, bemerken die Schweriner allerdings erst jetzt und in den kommenden Monaten mit weniger Papierkörben, mehr Hundehaufen, weniger öffentlichen Toiletten, trockenen Brunnen und halbherzig gepflegten Beetanlagen. "Ich finde es unverständlich, dass da nicht ein Aufschrei unter den Mit-Stadtvertretern kommt oder schon kam", sagt Gerlinde Haker. "Sparen ist okay, aber doch nicht an dieser Stelle. Wir bleiben weiter am Ball und geben nicht Ruhe."

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