Schulleiter geht : Abschied für Albrecht Tischendorf

Alle Verordnungen, Gesetze und offiziellen Papiere hat Schulleiter Albrecht Tischendorf in Aktenordnern. Um sich an seine Schüler zu erinnern, braucht er dagegen nicht nachzuschlagen.
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Alle Verordnungen, Gesetze und offiziellen Papiere hat Schulleiter Albrecht Tischendorf in Aktenordnern. Um sich an seine Schüler zu erinnern, braucht er dagegen nicht nachzuschlagen.

Nach 24 Jahren an der Spitze des Schweriner Sportgymnasiums geht der Schulleiter in den Ruhestand

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15. Juli 2015, 21:00 Uhr

Wo genau in der Schule alle Lichtschalter sind, weiß der Direktor des Sportgymnasiums besser als der Hausmeister, erzählen sich Schüler wie Ehemalige mit einem Lächeln im Gesicht: Albrecht Tischendorf macht sie abends schließlich immer alle selbst aus. Es gibt viele solche Sprüche und Anekdoten über den altgedienten Pädagogen mit dem großen Engagement und den überlangen Arbeitstagen. Manche schnippisch, manche ironisch, aber alle respektvoll. Der Direktor wird geachtet. Und in einem sind sich alle einig: Albrecht Tischendorf ist fair. Und so wird seine Verabschiedung in den Ruhestand wohl wirklich jeden Schüler berühren. Am Freitag wird der Direktor zum letzten Mal zum Unterricht kommen. Und vermutlich wird er nicht der letzte sein, der das Sportgymnasium in die Ferien verlässt.

„Ich weiß wirklich noch nicht, was ich dann machen werde“, sagt Albrecht Tischendorf in seiner gewohnt sachlichen und ruhigen Art. Urlaub auf Korsika werde er mit seiner Frau machen. So wie in den vergangenen Jahren auch. Aber dann? „Ich bleibe im Schulförderverein“, sagt er und man weiß, dass es ein ernst gemeintes Versprechen ist, sich weiterhin für das Wohl des Sportgymnasiums und seiner Schüler zu engagieren. „Aber ich werde nicht in Belange der Schule reinreden. Ich bin nicht der, der als Rentner immer noch hingeht und schaut, ob alles nach seinen Vorstellungen läuft.“

Das hat er schließlich über Jahrzehnte sehr erfolgreich getan. Ohne Albrecht Tischendorf gäbe es vermutlich keine so erfolgreiche Eliteschule des Sports. Und dabei kam der DHfK-Absolvent, Diplomlehrer für Sport und Biologie und Lizenztrainer für Leichtathletik 1991 eher zufällig auf den Schulleiterposten. 1972 hatte Albrecht Tischendorf an der KJS in Güstrow begonnen. Im Schweriner Lambrechtsgrund trainierte er u. a. die Mehrkämpferinnen. Die Kinder- und Jugendsportschule in Schwerin, das Sportinternat, die Trainer und viele Lehrer kannte er. Als nach der Wiedervereinigung die Berufsschule für Versicherungskaufleute von Crivitz nach Schwerin verlegt werden sollte, an der er unterrichtete, bewarb sich Albrecht Tischendorf an der quasi in Auflösung befindlichen KJS als stellvertretender Direktor für die sportliche Ausbildung. Nur: Den Posten gab es gar nicht mehr. Und so wurde er am 1. August 1991 Schulleiter.

Viele Weggefährten hätten es ihm damals möglich gemacht, die Schule zu retten. „Ich wusste, was für ein Potenzial wir hatten mit Internat, Küche, Schule und Stadion. Viele andere haben das schon tot gesehen“, sagt der Direktor. Rolf Deparde und Harri Rohwer, die von der EOS zu ihm versetzt wurden, hätten ihm gezeigt, wie Schule funktioniert. Sportliche Partner waren Trainerlegenden wie Wolfgang Labahn, Horst „Willi“ Holz, Wolfgang Maibohm, Karola Mevius oder Heinz Stiller.

Gemeinsam mit ihnen kämpfte Albrecht Tischendorf für das Sportgymansium, das plötzlich Konkurrenz mit anderen Gymnasien meistern musste. „Mitte der 1990er-Jahre hatten die Eltern die Schule angenommen“, erinnert sich der Schulleiter. „Wir waren quasi die erste Ganztagsschule der Stadt.“ Seit 1998 trägt das Haus den Titel Eliteschule des Sports. Seit 2000 gibt es wieder harte sportliche Aufnahmeprüfungen.

„Wir sichern den Unterricht und schaffen die Bedingungen für sportliche Leistungen“, erklärt Albrecht Tischendorf. Das sei ganz gut gelungen, sagt er. „Aber Eliteschule des Sports ist keine goldene Pappnase, sondern eine Verpflichtung.“ Für den erfahrenen Schulleiter ist klar: „Wenn es sportlich läuft, sind Schüler auch im Unterricht besser.“

Sechs Olympiasieger haben im Lambrechtsgrund die Schulbank gedrückt: Jochen Bachfeld, Gerd Wessig, Jürgen Schult, Andreas Tews, Torsten Zülow und Stefan Nimke. Vom Letzteren hängt ein Foto im Direktionszimmer – gleich über dem Foto der Schweriner Vorzeigevolleyballerin Hanka Pachala.

Im neuen Schuljahr übernimmt der Ludwigsluster Gymnasiallehrer Torsten Westphal das Zimmer. Ohne die Fotos.

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