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Dieter Senft kreiert riesige, winzige und verrückte Fahrräder : Abgefahren: Didis kuriose Räder

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Dieter Senft über Nacht in der DDR zum offiziellen Vorführer von kuriosen Radmodellen. Der 59-Jährige Fahrrad-Designer aus Storkow im Kreis Oder-Spree präsentiert heute noch immer kuriose und exotische Kreationen.

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erstellt am 25.Nov.2011 | 09:26 Uhr

Storkow | In der DDR wurde Dieter Senft über Nacht zum offiziellen Vorführer von kuriosen Radmodellen - so steht es in einem amtlichen Ausweispapier, das eines Tages plötzlich bei ihm im Briefkasten lag. Heute präsentiert der 59-Jährige aus Storkow im Kreis Oder-Spree noch immer kuriose und exotische Kreationen, vom Sieben-Meter-Fahrrad bis zur Hochzeits-Rikscha mit Figuren von William und Kate. Er nennt sich "Didi" und ist jetzt Fahrrad-Designer.

Bei Senft dreht sich alles ums Rad: Einem Weltpublikum wurde er als sogenannter Tour-Teufel bekannt, der in rot-schwarzem Kostüm mit Hörnern und einem Dreizack in der Hand bei der Tour de France die Fahrer anfeuert. "Ich habe schon immer verrückt gespielt", sagt Senft mit einem feinen Lächeln. Ohne Kostüm fallen vor allem sein langer weißer Bart und die fröhlichen Fältchen um seine Augen auf.

Besucher empfängt "Didi" in seiner Ausstellungshalle am Rand eines Gewerbegebiets in Storkow zwischen Berlin und Frankfurt (Oder). Im Vorraum zwängt man sich zuerst an der aktuellen Kreation vorbei - ein fünf Meter hoher Schwibbogen aus Leitern mit Weihnachtsmannfiguren und vielen Lämpchen, den er mit einem Liegefahrrad bewegen kann.

Der "Tour-Teufel" an der Seite von Fürst Albert II. von Monaco

Dann öffnet sich die Halle. Dort stehen nur wenige Zentimeter hohe Mini-Räder, ein sieben Meter langes Fahrrad, ein weißes, riesiges Hochrad, mit dem Senft schon vor dem Brandenburger Tor in Berlin posierte. Dazu kommen Modelle, die Sportlern gewidmet sind. Es gibt zum Beispiel ein Henry-Maske-Rad - wenn Senft stilecht im weißen Bademantel in die Pedale tritt, werden zugleich auch Boxhandschuhe angetrieben, die in Richtung eines auf dem Gepäckträger montierten Bildes des Ex-Champions stoßen.

An den Wänden hängen jede Menge Fotos mit Senft als "Tour-Teufel", wahlweise an der Seite von Radprofis oder von Fürst Albert II. von Monaco. Seit 1993 sei er im Kostüm dabei, sagt Senft, der in seiner Jugend selber Radrennen gefahren ist. Möglicherweise kommt daher auch seine Begeisterung für das Velo, aber so richtig rückt der Designer auf die Frage nach seiner Motivation nicht mit einer Antwort heraus.

"Die Ideen kommen mir aber beim Autofahren", sagt er. Denn wenn er seine Modelle präsentieren will, muss er sie erst mit dem Wagen quer durch Europa transportieren. Zum Beispiel kurz nach dem Tod von Michael Jackson: Senft tourte durch 13 europäische Hauptstädte und fotografierte sich mit der Jackson-Kreation vor den Ortsschildern - eines Tages soll aus den Bildern eine Ausstellung werden. In diesem Jahr tauchte Senft mit einem Riesen-Fahrrad auch beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf auf.

Ein Jahr vor dem Mauerfall bekam der gelernte Karosseriebauer den Ausweis, der den passionierten Bastler offiziell zum Vorführer machte. "Im Osten war nach der Wende für mich alles vorbei, im Westen kannte mich niemand. Ich musste bei null anfangen." Heute finanziere er sich und seine Leidenschaft über einen Sponsor.

Auch über Rollstuhl-Modelle wird schon nachgedacht

Seine Kreativität hat Dieter Senft schon etliche Einträge in deutsche Ausgaben des Guinness Buches der Rekorde beschert, wie der deutsche Ansprechpartner für das Guinness Buch der Rekorde, Olaf Kuchenbecker, bestätigt. Die Leistungen seien aber nicht nachträglich auch bei der Londoner Zentrale angemeldet worden, daher seien sie offiziell bisher noch kein Weltrekord. "Didi" Senft denkt nicht ans Aufhören. Was bei ihm als Gag zum Herrentag vor mehr als 30 Jahren begann, möchte er auch im Alter fortsetzen - "bis ich im Rollstuhl sitze". Senft muss lachen: Auch über kuriose Rollstuhl-Modelle denkt er schon nach.

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