Andreas Gabalier im Interview : Kindheitsgefühl mit Lederhose

Volks-Rock’n’Roller: Andreas Gabalier bringt seine Fans zum Rocken und Schunkeln.
Volks-Rock’n’Roller: Andreas Gabalier bringt seine Fans zum Rocken und Schunkeln.

Andreas Gabalier vor dem Schwerin-Konzert über Schwarzenegger und Rock.

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01. November 2018, 20:00 Uhr

Er ist ein Feuerwerker der guten Laune und der Erfinder des Volks-Rock’n’Rolls: Andreas Gabalier aus der Steiermark. Zu seinem Top-Hit „Hulapalu“ schunkeln Zehntausende in Dirndln und Lederhosen, dabei nimmt der Grazer seine Platten in Los Angeles, Nashville und London auf. Auf dem aktuellen Opus „Vergiss mein nicht“ kombiniert er volkstümliche Texte mit rockigen Gitarren, intoniert Wienerlieder und Metalhymnen. Am 8. November tritt Gabalier in Schwerin auf – das Konzert ist ausverkauft. Olaf Neumann sprach mit dem 34-Jährigen über seinen Kumpel Schwarzenegger, seinen Einfluss auf die Jugend und den Vorwurf, er sei ein Rechtskonservativer.

Arnold Schwarzenegger hat Sie in Los Angeles im Studio besucht. Sind Sie Freunde?
Ich sehe den Arnold zwei- oder dreimal im Jahr. Auch, wenn er bei uns daheim ist oder in Kitzbühel beim Skirennen. Wir gehen dann zusammen ein Eisen biegen. Er ist ein ganz Lieber. Freund ist vielleicht zu viel gesagt, aber ein sehr netter Bekannter ist er schon.

Reden Sie mit ihm auch über Privates?
Auch. Über alles, was in einer oder zwei Zigarrenlängen so ansteht. Er ist ein geselliger Zeitgenosse und ein großes Idol seit meiner Kindheit. Arnold hat mir gezeigt, was alles möglich ist: Man kann aus einem kleinen Nest hinaus in die große weite Welt gehen. Umso schöner, dass ich heute mit ihm zusammensitzen und ein Bier trinken kann. Wir haben erst gestern über Skype miteinander geplaudert.

Auf dem Album sind ein paar kernige Rocknummern. Was ist der Grund für die Härte?

Wir wollten den Sound, den wir live spielen, erstmals auf ein Studioalbum bringen. Meine Konzerte sind bunt gemischt von Kindergartenkindern und ausflippenden Teenagern bis zu durchtätowierten Bikern und Senioren. Diese Kraftnummern kommen immer sehr gut an. Mit dem sechsten Album verträgt das auch der Durchschnittsfan. Ich will mich weiterentwickeln. Stillstand ist der Tod. Die Gitarren habe ich zum Teil selber gespielt.

„Verdammt lang her“ ist ein Rückblick auf Ihre Jugend. Waren Sie ein wilder Teenager?
Wir haben uns ordentlich aufgeführt, ja! Das sieht man in dem rotzigen Video. Es war mir ein Anliegen, das Ganze nicht weich zu spülen. Es war damals eine aufregende und neue Zeit. Wir waren daheim vier Kinder und haben viel gefeiert. Unser Haus ist 1988 fertig gestellt worden; damals waren Luftschutzbunker noch vorgeschrieben. Das war unser Partyraum. Absolut schalldicht! Ich konnte es kaum erwarten, endlich mobil zu sein mit Moped oder Auto. Es war ein sehr prägender Lebensabschnitt mit den ersten Freundinnen.

Woran merken Sie, dass Sie einen Einfluss auf die Jugend von heute haben?
Am Erfolg meiner Konzerte, wo ich zum Teil traditionelle Werte vermittle. In meinen Liedern erzähle ich Geschichten, die ich in der Kindheit erlebt oder von meinen Eltern und Großeltern mitbekommen habe. Die Menschen sehnen sich danach, wieder etwas von Angesicht zu Angesicht zu machen. Wenn sie zu meinen Heimspielen in Kitzbühel, Schladming oder München kommen wollen, müssen sie mindestens drei Tage Urlaub machen. Sie gehen dann auch ein bisschen wandern oder sitzen im Wirtshaus, um das ganze Thema Volks-Rock'n'Roller zu erleben. Zu Hause wird die ganze Zeit auf dem Scheiß-Handy herumgewischt, aber bei mir ist es noch so wie in der Kindheit. Insofern gebe ich vielleicht etwas weiter, was heute nicht mehr so cool ist, wonach aber eine Sehnsucht besteht.

Ist es eigentlich anstrengend, in einer Lederhose stundenlang auf einer Bühne herumzutoben?
Ja, denn Leder ist dick. Ein Auftritt ist für mich drei Stunden Sport. Ein echter Knochenjob. Nach einem Konzert bin ich klatschnass und froh, dass ich keine langen Hosen anhatte.

Ihre Kritiker stellen Sie in die rechtskonservative Ecke. Wie sehen Sie sich selbst?
Ich mache einfach mein Ding. Damit ecke ich vielleicht bei vielen an, die damit gar nichts anfangen können. Dann wirst du gleich verteufelt. Wenn man solch einen Erfolg hat wie ich, gibt es auch Neider. Man muss für sich selber einen Weg finden, damit umzugehen. Ich kritisiere niemanden, weil er sich die Hosen unter den Arsch hängen lässt oder mit grünem Haar durch die Straßen läuft. Das ist mir vollkommen wurscht. Umgekehrt finde ich es sehr interessant, dass es immer wieder Leute gibt, die meinen, mich zu kennen und Urteile über mich fällen zu können.

 

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