Unsere Helden : Ehrenamt beim Schweriner THW: 1000 Stunden gegen die Katastrophe

Beim THW hat Rico Godow seinen Trauzeugen kennengelernt.
Beim THW hat Rico Godow seinen Trauzeugen kennengelernt.

Er war in Meppen, Lübtheen und Schwerin im Einsatz – für Rico Godow ist das THW zu einer zweiten Familie geworden

23-17638254_23-66108082_1416392554.JPG von
07. September 2019, 05:00 Uhr

„Jeder Einsatz ist anders. Genau darauf vorbereiten kann man sich eigentlich nicht.“ Wenn Rico Godow über seine ehrenamtliche Arbeit beim Technischen Hilfswerk (THW) in Schwerin spricht, dann hat er viel zu berichten. Schließlich ist er schon seit 13 Jahren dabei und bildet inzwischen sogar den Nachwuchs aus.

 

Er kennt die Prinzipien der Bergungstechnik aus dem Effeff ebenso wie die Struktur und die Abläufe beim THW. Er weiß fast alles über Erste Hilfe und über Brandschutz, kann mit schwerem Atemschutz Menschen retten und mit Großpumpen Wassermassen beseitigen. Er hat mitgeholfen, einstürzende Häuser zu stabilisieren und Dächer zu sichern, die der Sturm zerstört hatte.

Jede Alarmierung ist neu

Er hat beim Elbe-Hochwasser Sandsäcke gefüllt und geschleppt, er hat beim Moorbrand in Meppen Hilfe geleistet und beim Großbrand in Lübtheen. Und doch: Jede Alarmierung ist neu, anders, aufregend, anstrengend. Und gerne kommt sie am Abend, wenn die Helfer, die tagsüber einer ganz anderen Arbeit nachgehen, gerade die Füße hochlegen und gemütlich den Tag ausklingen lassen möchten. Doch wenn der Pieper sie ruft, sind sie wieder hellwach und topfit.

„Ich habe das Helfersyndrom“, sagt Rico Godow achselzuckend, wenn er gefragt wird, warum er das alles auf sich nimmt.

Wenn man gesund aus einem Einsatz wiederkommt und merkt, dass man es richtig gemacht hat, ist das eine Form von Belohnung für die vielen Übungsstunden. Jeder Einsatz bringt uns im Ortsverband ein Stück weiter. Rico Godow, ehrenamtlich beim THW
 

Beim Großbrand in Lübtheen haben die Schweriner THW-Helfer beim Aufbau der Zeltstädte für Feuerwehrleute aus vielen Teilen Deutschlands geholfen, danach den Einsatz logistisch unterstützt: Fahrzeuge im Wald betankt, Verbrauchsmaterial geliefert, die Einsatzstelle fachlich beraten. Abends, nach der Zwölf-Stunden-Schicht, ging es zurück nach Schwerin, erholen im eigenen Bett. Bei weiter entfernten Einsatzorten funktioniert das nicht. Dann schläft man oft auch auf Feldbetten im Zelt.

Eine zweite Familie

Immer dabei sind gute und wichtige Gespräche mit Kollegen aus der ganzen Republik. Und der ehrliche Dank der Bevölkerung, wie zuletzt in Lübtheen.
Das THW ist für Rico Godow inzwischen so etwas wie eine zweite Familie geworden. „Ich habe hier meinen besten Kumpel kennengelernt, wir waren sogar gegenseitig Trauzeugen“, erzählt der 34-Jährige. „Nach meiner Schulzeit am Sportgymnasium sind die meisten meiner Freunde aus Schwerin weggegangen in andere Städte. Ich bin hier geblieben, habe in einem Autohaus in Crivitz eine Ausbildung gemacht.“ Im Anschluss verpflichtete er sich als Ehrenamtler beim THW – als legitime Alternative zum Wehrdienst, wie er unumwunden zugibt. So konnte Godow in seinem Ausbildungsbetrieb weiterarbeiten, statt für neun Monate in eine Kaserne zu ziehen.

Als seine „Dienstpflicht“ im Katastrophenschutz nach sechs Jahren endete, war Rico Godow leidenschaftlicher THW-Helfer geworden und dachte gar nicht ans Aufhören. Aus 120 Dienststunden pro Jahr, wie sie in jener Zeit vorgeschrieben waren, sind mittlerweile um die 1000 geworden, rechnet Godow vor – manchmal mehr als 100 Stunden im Monat. „Vieles mache ich von zu Hause aus“, sagt er.

Und vieles ganz woanders

Schulungen, Großübungen, Ausbildungen – die nächsten Wochenenden sind komplett verplant. Jeden Dienstagabend ist Regeldienst am THW-Standort in der Mettenheimerstraße. Seit fünf Jahren ist Rico Godow Ausbildungsbeauftragter. „Leute, die sich Gedanken machen, wie sie ihr Loch in der Freizeitgestaltung füllen, sind bei uns jederzeit willkommen“, sagt er lachend. Denn „keine Hilfe ohne Helfer“, betont Godow.

Und keine Helfer ohne großzügige Arbeitgeber, die ihre Leute spontan freistellen, wenn ein Feuer ausgebrochen ist oder die Innenstadt in Regenmassen versinkt. Rico Godow arbeitet heute am Bleicherufer bei HNP Mikrosysteme. „Drei Tage, nachdem ich dort angefangen hatte, wurde ich zum Moorbrand nach Meppen gerufen“, erinnert er sich. Sein Chef zeigte Verständnis – damals und seitdem immer wieder. Rico Godow weiß das sehr zu schätzen. Und der THW-Landesverband auch. Er bedankte sich für die Unterstützung bei Dr. Thomas Weisener, dem Geschäftsführer der Schweriner HNP Mikrosysteme GmbH, mit einer Urkunde und einer Ehrenplakette.

Hintergrund: THW sucht neue Helfer

Am 21. September startet der THW-Regionalbereich Schwerin in den Städten Bad Doberan, Gadebusch, Güstrow, Ludwigslust, Parchim, Rostock, Schwerin und Wismar mit der nächsten THW-Grundausbildung. Sie dauert mehrere Monate – meistens wird einmal pro Woche geschult – und schließt mit einer Prüfung ab. Interessierte Frauen und Männer sollten mindestens 18 Jahre alt sein. Nach der Grundausbildung ist es möglich, als Einsatzkraft, in der Küche, der Verwaltung oder der Jugendarbeit tätig zu werden. Alle entstehenden Kosten für Aus- sowie Fortbildung, Ausstattung und natürlich auch Verpflegung übernimmt das THW. Der Ortsverband Schwerin hat seinen Sitz in der Mettenheimerstraße 7 und ist unter Telefon 0385/2075070 (Dienstag 18 bis 21 Uhr) , per Mail ov-schwerin@thw.de oder über die Homepage www.thw-schwerin.de zu erreichen.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen