Feuerball über Schwerin : Was kam da vom Himmel?

Da wars gewesen: Was Uwe Leverenz kürzlich über dem Lankower See sah, war wohl  ein verglühender Meteorid. Unsere Fotomontage ist nur ein Beispiel. 

Da wars gewesen: Was Uwe Leverenz kürzlich über dem Lankower See sah, war wohl  ein verglühender Meteorid. Unsere Fotomontage ist nur ein Beispiel. 

Uwe Leverenz sah eine Himmelserscheinung über dem Lankower See und vermutet dahinter einen verglühenden Meteoroiden.

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20. März 2019, 20:00 Uhr

„Wenigstens weiß ich jetzt, dass ich nicht spinne“, sagt Uwe Leverenz erleichtert. Und zeigt auf eine E-Mail, die das bestätigt. Bekommen hat er sie vom Arbeitskreis Meteore, einem Verein, der sich mit der Beobachtung und Auswertung von Meteoren, Halos, Polarlichtern, leuchtenden Nachtwolken und anderen Himmelsphänomenen in der Erdatmosphäre beschäftigt.

Grün-gelbe Feuerkugel

„Hier steht Schwarz auf Weiß, dass diese nur für Bruchteile von Sekunden aufgetauchte grün-gelbe Feuerkugel am 14. Februar zwischen 21.37 Uhr und 22.35 Uhr an 29 verschiedenen Orten von Augenzeugen ebenfalls beobachtet worden ist. Nämlich über Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, den Niederlanden, Polen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen“, liest der 73-Jährige aufgeregt vor. Noch immer kann er kaum glauben, was sich damals vor seinem Fenster am Nachthimmel abgespielt habe, gesteht der zwischen Demmin und Rostock in Gnoien Geborene.

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„Dort habe ich sie gesehen“, erklärt der seit 1966 in Schwerin Beheimatete weiter und zeigt in Richtung Süden, wo hinter dem Lankower See die Weststadt liegt. „Ich hatte eigentlich nur zufällig in die Richtung geschaut, als dieser grelle Lichtblitz auftauchte.“ Wie weit er entfernt war, habe sich nur sehr schwer schätzen lassen. „Ich war jedenfalls geschockt, weil ich mir diese mysteriöse Beobachtung anfänglich nicht erklären konnte. Heute glaube ich, dass die brennende Kugel ein Meteor war, also ein Besucher aus dem All.“

Spektakuläre Phänomene am Himmel sind gar nicht so selten, wie vermutet. In Mitteleuropa dringen mehrmals im Jahr größere Meteoriden in die Atmosphäre ein und verbrennen dabei. So haben im Februar 2016 Hunderte eine Feuerkugel über die Ostsee rasen sehen. Auch sie sprachen einhellig von einem grün-gelben Feuerball, der verglüht und ins Meer gestürzt sei. Experten hatten damals bestätigt, dass es sich um einen Meteoriteneinschlag gehandelt habe. Überreste zu finden, ist schwer. Sollte es doch einmal gelingen, ist das selten, aber nicht unmöglich.

Seltener Glücksfall für den Fotografen

„Weltweit fallen jeden Tag 60 bis 100 Tonnen an Meteoroiden zur Erde. Das meiste verglüht jedoch, bleibt also unbemerkt“, weiß Torsten Menz, der sich seit vier Jahrzehnten mit Astronomie beschäftigt. Er habe erst vor zwei Wochen eine Sternschnuppe beobachtet, die am Ende wie eine Silvesterrakete auseinander geborsten sei. Mit Nachleuchten. „Feuerkugeln habe ich sicher schon ein Dutzend beobachtet“, sagt der Sternwarten-Mitarbeiter, der dort als Lehrer arbeitet und Vorträge hält. Außerdem ist er Mitglied im Astronomischen Verein Schwerin. Dass Uwe Leverenz mit dem grellen Lichtschein einen verglühenden Meteoroiden gesehen haben könnte, sei wahrscheinlich. „Das ist sicherlich ein seltener Glücksfall für jemanden, der sich sonst nicht mit der Materie beschäftigt“, betont der 53-Jährige. Und erklärt: Gewöhnliche Sternschnuppen seien Kleinstmeteore und oft nur wenige Milligramm schwer. Sie verglühten mit einem sehr steilen Einfallswinkel im Bruchteil einer Sekunde in der Erdatmosphäre. „Ich habe meine erste Beobachtung gehabt, als ich elf Jahre alt war. Sicherlich hat das mein großes Interesse an Sternen und Weltall mit beeinflusst“, verrät der gebürtige Neustädter. Selbst habe er aber noch keines solcher Milliarden Jahre alten Gesteine gefunden. Die Gesetzeslage, wem ein Meteorit nun tatsächlich beim Fund gehöre, bezeichnet der Fachmann als „heilloses Durcheinander in den Ländern und Staaten“. Um nicht falsch verstanden zu werden, verweist Menz deshalb an die Behörden.

Zeugen der Geburt unseres Sonnensystems

Eine Nachfrage beim Landesarchäologen Dr. Detlef Jantzen bringt auch nicht viel Licht ins Dunkel: „Für Meteoriten sind wir nicht zuständig“, so der Abteilungsleiter im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege.

Meteoriten sind Zeugen der Geburt unseres Sonnensystems und das älteste Gestein, dem wir hier auf der Erde begegnen können. Poetisch auch „Himmelssteine“ genannt, geben sie Auskunft über das Planetensystem. Wer einen besitzen möchte und ganz sicher gehen will, kauft sich diesen Botschafter ferner Galaxien. So gibt es regelmäßig in Hamburg eine Mineralienbörse. „Man sollte ihn jedoch nur bei einem lizensierten Händler erwerben, sonst gibt man womöglich viel Geld für einen wertlosen Kieselstein aus“, rät Torsten Menz.

Hintergrund: Wem gehört ein Meteorit?

Was aus dem Weltall kommt, hat eigentlich keinen Eigentümer. Wer einen Meteoriten findet, darf ihn also behalten? Diese Frage hat schon Anwälte und Gerichte beschäftigt. Jedes Land hat individuelle Regeln. So können die Besucher aus dem All wie ein entdeckter Schatz behandelt werden. In MV gilt: Bewegliche Denkmale, die herrenlos sind oder die so lange verborgen gewesen sind, dass ihr Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist, werden mit der Entdeckung Eigentum des Landes, wenn sie bei staatlichen Nachforschungen oder in Grabungsschutzgebieten entdeckt werden oder wenn sie einen hervorragenden wissenschaftlichen Wert haben.

Eine Versicherung gegen Meteoriten-Einschlag gibt es nicht. Auch heute wird meteoritisches Eisen wegen seiner relativen Seltenheit zu Schmuck oder zu handgemachten Messern verarbeitet. Extrem selten und besonders begehrt sind Mond- und Mars-Gesteine.

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