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Rettungsleitstelle in Schwerin : 90 Sekunden für einen Anruf

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wer steckt eigentlich dahinter? Heute – die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle: 30 Disponenten organisieren Hilfe von Plau bis Lübeck

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Wer nennt den Schwerinern die nächste Haltestelle in der Straßenbahn? Wer zeigt im Kino die Filme? Und wer bereitet in der Kantine jeden Mittag das Essen zu? In dieser Woche stellt SVZ Menschen vor, deren Leistungen zu unserem Alltag in der Stadt gehören, die jedoch im Hintergrund bleiben.

„Notruf bei Lebensgefahr – Feuerwehr und Rettungsdienst“ – vielen Menschen wird dieser Satz nichts sagen. Diejenigen, die schon einmal auf Hilfe angewiesen waren, haben ihn schon mal gehört. Es ist die Begrüßung der integrierten Feuer- und Rettungsleitstelle Westmecklenburg in Schwerin.

Insgesamt 30 Disponenten und Schichtgruppenleiter sind hier für die Organisation von Hilfs- und Rettungsmaßnahmen verantwortlich. Und das in einem Umkreis, der sich in Nord-Süd-Richtung von Boiensdorf bis Dannenberg, in Ost-West-Richtung von Plau bis Lübeck erstreckt.

Onrigo Paschen ist einer von ihnen. Der 46-Jährige ist Schichtgruppenleiter und arbeitet mit seinen Kollegen in zwölfstündigen Schichten. Durchschnittlich 200 Anrufe nehmen er und seine Kollegen jeweils täglich entgegen. Die Art der Einsätze variieren dabei von banalen Vorfällen, wie beispielsweise einer Reißzwecke, die in der Hand steckt, bis hin zu schweren Unfällen und Bränden. „Wenn ein Notruf einläuft, versuchen wir als erstes herauszufinden, wo sich der Anrufer befindet“, erklärt Paschen. Das ist nicht immer einfach. „Im Bereich der Ostsee zum Beispiel haben wir oft Touristen und Urlauber, die nicht sagen können, wo sie sich befinden.“ In solchen Fällen versuchen die Retter anhand von elektronischen Kartenmaterialien und in Ausnahmefällen auch mit Dreieckspeilungen der Funkzellen, den Standort des Anrufers zu bestimmen.

Das größere Problem sei allerdings, dass die meisten Anrufer zu aufgeregt seien. „Dadurch wird es schwierig die rettungsrelevanten Daten aufzunehmen“, sagt Paschen. 90 Sekunden benötigen die Disponenten im Durchschnitt, um alle erforderlichen Daten aufzunehmen und für die Anrufer Hilfe zu organisieren. Dabei arbeitet jeder von ihnen mit sechs Bildschirmen.

Der Weg zum Schichtgruppenleiter ist lang. Ein Beamter der Rettungsleitstelle muss zunächst die Ausbildung zum Rettungssanitäter absolvieren und bei der Feuerwehr den Rang eines Gruppenführers erreichen. Dann folgen Qualifizierungen – a in Summe etwa sieben Jahre.

Auch Onrigo Paschen hat diesen Ausbildungsweg bestritten. 1996 hat er bei der Feuerwehr angefangen. Zunächst wurde er zum Rettungssanitäter ausgebildet, dann zum Rettungsassistenten. Jahrelang war der 46-Jährige für den Rettungsdienst und die Feuerwehr im Einsatz, bevor er sich für die Rettungsleitstelle entschied. „Es ist ein interessanter Job, der viele Facetten beinhaltet, die sich von einem normalen Büro-Dienst unterscheiden“, sagt Paschen. „Es macht Spaß. Ich gehe gerne zur Arbeit.“

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