zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 00:21 Uhr

Streik : 5000 Fahrgäste warten vergeblich

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Überraschender Warnstreik beim Nahverkehr: Viele Schweriner kritisieren unangekündigten Ausstand der Gewerkschaft Verdi

von
erstellt am 27.Jan.2015 | 21:15 Uhr

Zum Schwimmunterricht haben die Fahrer des Nahverkehrs die Mädchen und Jungen der Nils-Holgersson-Schule gestern Morgen noch gebracht. Auf den Rücktransport in die Schule warteten sie vergeblich: Die Gewerkschaft Verdi hatte von 8 bis 12 Uhr einen Warnstreik angesetzt, von dem selbst ein Großteil der Bus- und Straßenbahnfahrer überrascht waren – und die Geschäftsführung ohnehin. „Wir hatten keine Chance, einen Notfahrdienst zu organisieren“, sagt Nahverkehr-Geschäftsführer Norbert Klatt. An fünf Arbeitsplätzen organisierte die Nahverkehrsspitze Telefondienst, um verärgerte Kunden zu beruhigen – und wenn möglich zu helfen. Die Nils-Holgersson-Schüler holte ein Bereichsleiter mit einem Bus von der Schwimmhalle ab und brachte sie zurück auf den Dreesch.

So gut änderte es für die meisten der 5000 Fahrgäste nicht, die während des Streiks vergeblich auf Bus und Bahn warteten. Die Taxigenossenschaft fuhr im Akkord, doch zahlreiche Schweriner mussten zu Fuß gehen. Vor allem Einpendler hatten vom Bahnhof aus teilweise erhebliche Distanzen zu meistern, ehe sie auf Arbeit waren.

Der Tenor der wartenden Fahrgäste war gleich: Sie haben Verständnis für einen Arbeitskampf im Ringen um bessere Entlohnung. Aber das sollte vorher angekündigt werden, wie es auch Piloten und Eisenbahner machen.

Warum Verdi einen anderen Weg gegangen war, ließ die Gewerkschaft offen. Zwei Verhandlungsrunden zwischen Verdi und dem Verband privater Omnibusunternehmen, dem auch der Schweriner Nahverkehr angehört, hat es bereits gegeben. Morgen soll eine weitere folgen. Die Arbeitgeberseite bezeichnete die bisherigen Tarifverhandlungen als sachlich und konstruktiv. Umso überraschender sei der plötzliche Ausstand gekommen, bei dem auch Forderungen genannt werden, für die es in den Tarifverhandlungen bereits Einigung gegeben habe.

Und das will Verdi: 165 Euro soll jeder Beschäftigte ab sofort monatlich mehr in der Lohntüte haben, Verdi-Mitglieder zusätzlich noch einmal 500 Euro pro Jahr. Statt 39 sollen die beschäftigten nur noch 38 Stunden pro Woche arbeiten. Die vermögenswirksamen Leistungen sollen sich verdoppeln, ebenso die Teildienstzuschläge. Und alle sollen 30 Tage Urlaub erhalten, was bereits für die klare Mehrheit gilt.

Und das bedeutet das für den Nahverkehr: Würde alles akzeptiert, kämen jährliche Mehrkosten auf das städtische Unternehmen von rund einer Million Euro zu. Kompensieren ließe sich das wohl kaum aus der Stadtkasse. Fahrpreiserhöhungen wären die Alternative.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen