Dorfschulen : 40 Reichsmark fürs Mobiliar

Bild aus den 1930er-Jahren: Schulkinder vor der Dorfschule Warnitz  Repro: Zukunftswerkstatt
Bild aus den 1930er-Jahren: Schulkinder vor der Dorfschule Warnitz Repro: Zukunftswerkstatt

Ehemalige Dorfschulen in der Landeshauptstadt – Heute: das alte Schulgebäude in Warnitz

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06. November 2018, 08:00 Uhr

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Vielerorts entstanden Dorfschulen. Mit der Eingemeindung einiger Dörfer rund um Schwerin gab es plötzlich auch in der Stadt Dorfschulen. Heute sind diese längst geschlossen. Einzig im Freilichtmuseum in Mueß können Besucher erleben, wie das damals so war. SVZ stellt in dieser Woche die Geschichte einiger Dorfschulen vor. Heute: die Schule in Warnitz.

Bereits in einer Urkunde von 1669 wird in Warnitz eine Schule erwähnt. Ob die ein eigenes Gebäude hatte oder ob die Schulmeisterin Greth Thrische zu Hause unterrichtete, ist nicht bekannt. 1780 besuchten schon 42 Kinder die Schule. Sie kamen aus Warnitz, Pingelshagen und Herren Steinfeld.

1804 dann war ein neues Schulhaus fertig. Lehrer Boeck unterrichtete die Kinder, bis er 1825 starb. Einer seiner Nachfolger war der aus Neu Zachun stammende Heinrich Schulz. Er stand zweimal wegen „übermäßiger Züchtigung“ von Schülern vor Gericht.

Bald war die „Schulstube“ aber wieder zu klein. Sie reichte für 42 Kinder, es wurden aber 70 bis 80 Schüler unterrichtet. 1835 wurde das Gebäude deshalb erweitert. 1861 erfolgte ein weiterer Anbau. Die Schülerzahl lag inzwischen bei mehr als 100.
Da die Lehrer nicht sehr üppig besoldet wurden, hielten sie sich nebenbei Vieh. Dafür wurde 1902 ein Stallgebäude errichtet. Dadurch konnte die Wohnung der Lehrerfamilie erweitert werden, waren doch Stall und Heuboden bisher im Schulgebäude untergebracht.

Die Schule in Warnitz war offenbar begehrt. Als Lankow zu Schwerin kam, wollten die Gemeinden Friedrichsthal und Klein Medewege ihre Kinder statt nach Lankow nach Warnitz schicken. Dagegen wehrten sich aber Lehrer und Gemeindevorsteher.
1933 konnte ein weiterer Anbau genutzt werden. Das Mobiliar kostete 40 Reichsmark und kam aus Beständen Schweriner Schulen.

Nach dem II. Weltkrieg begann der Unterricht erst wieder am 1. Oktober 1945. Einige Jahre später wurde mit Hilfe der neu gegründeten LPG eine Küche für die Schulspeisung eingebaut und ein Schulgarten angelegt.

Warnitz wuchs und damit stiegen die Schülerzahlen. 1966 wurde die 1903 gebaute Schulscheune als zweites Schulgebäude eingeweiht. In Warnitz gab es jetzt eine zehnklassige allgemeinbildende Oberschule.

Mit dem Wachsen des Plattenbaugebietes in Lankow begann der Niedergang der Warnitzer Schule. Sie wurde 1979 geschlossen. Die Schüler besuchten fortan die Otto-Grotewohl- und die Wilhelm-Pieck-Oberschule.

Heute wird das historische Schulhaus von der Zukunftswerkstatt, einer Beschäftigungsgesellschaft, genutzt.

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