Sprengungen : 3000 Tonnen im freien Fall

Seltenes Schauspiel: Mit 300 Kilo Sprengstoff wird die zehntausendmal schwerere Stahlbetonbrücke zum Einsturz gebracht.
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Seltenes Schauspiel: Mit 300 Kilo Sprengstoff wird die zehntausendmal schwerere Stahlbetonbrücke zum Einsturz gebracht.

Sprengung der Schweriner Stadionbrücke gestern früh genau wie geplant. Hunderte Schaulustige verfolgten Spektakel.

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28. November 2014, 20:35 Uhr

Die Explosion, die gestern um 9.02 Uhr Schwerin erschütterte, war so gewaltig, dass sie selbst in Görries, in der Paulsstadt und in Neu Zippendorf noch zu spüren war. Dann stieg filmreif eine Staubwolke empor, bevor die mehr als 500 Schaulustigen eine Sekunde später den dumpfen Knall zu hören bekamen. „Zugabe!“, forderten lautstark die Schüler der vierten Klasse der Waldorfschule, die aus sicherer Entfernung das Geschehen beobachtet hatten und sich voller Begeisterung über ihre Eindrücke austauschten.

 

Es war Maßarbeit: Die Sprengung der 80 Meter langen Stahlbetonbrücke über die Ludwigsluster Chaussee in Schwerin lief gestern früh wie am Schnürchen. Mit lautem Knall stürzte das 3000 Tonnen schwere Bauwerk um 9.02 Uhr auf das zur Dämpfung des Aufpralls aufgeschütte Kiesbett. Nichts blieb von dem 40 Jahre alten Bauwerk stehen.

„Ja, es hat genau so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagte der glückliche Sprengmeister Oliver Marks. Insgesamt 1486 Sprenglöcher hatten er und seine Kollegen von der Thüringer Spezialfirma zuvor mit den 35 Zentimeter langen und 2,5 Zentimeter dicken Sprengpatronen gefüllt, mit Zündern versehen und verkabelt und dann wie geplant zur Explosion gebracht.

„Jede Sprengung ist anders und immer ein Höhepunkt“, erläutert Marks. Die besondere Herausforderung mit der Stadionbrücke sei gewesen, dass das Objekt mitten in der Stadt und inmitten von Wohnbebauung stand, erklärt der Sprengbeauftragte.

Auch die Schweriner Einsatzkräfte waren zufrieden. Polizei, Feuerwehr und Stadtverwaltung sprachen übereinstimmend von einem problemlosen Verlauf. Die Polizei hatte eine 300- Meter-Schutzzone um das Areal gezogen und den Verkehr wegen fehlender Wendemöglichkeiten schon frühzeitig umgeleitet. Die vielen Schaulustigen hielten sich an den Sicherheitsradius. „Es gab keine Probleme“, fasste Polizeisprecherin Jenny Schwabe zusammen.

„Alle haben ihre Jobs ganz toll gemacht“, lobte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. Ausdrücklich dankte sie dem Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement, Dr. Bernd Smerdka, und der Leiterin des Ordnungsamtes, Gabriele Kaufmann, und deren Mitarbeitern für die umsichtige Vorbereitung der Aktion. Alle Anwohner hatten die Sperrzone rechtzeitig verlassen, nur eine blinde Frau brauchte Hilfe, kein einziges Auto musste abgeschleppt werden. „Ich bin sehr stolz, dass das Zusammenwirken aller eingesetzten Kräfte so gut geklappt hat. Das war wie eine perfekte Katastrophenschutzübung“, resümierte Gramkow.

Schon 20 Minuten nach der Sprengung setzten sich die bereit stehenden acht riesigen Bagger in Bewegung. Sie räumten zunächst das zentimeterstarke Filzvlies zur Seite, das das Umherfliegen vom Splitterstücken verhindert hatte. Sprengmeister Marks nahm sein Werk in Augenschein und erteilte Martin Büchert, dem Geschäftsführer der gleichnamigen Rostocker Abbruchfirma, die Freigabe zur Beräumung der Brückenruine.

„Wir räumen zunächst die Kiesschicht zur Seite, die zur Dämmung auf die Brücke aufgebracht worden war, und beginnen dann mit dem Zerkleinern des Stahlbetons mit hydraulischen Schneidern“, erläuterte Büchert, dessen Firma auf diese Arbeiten spezialisiert ist.

Am Abend begann der Abtransport der insgesamt 9000 Tonnen Schutt und Kies. Zunächst wurde eine so genannte Rettungsgasse freigemacht, dann die Straßenbahngleise. Bis Sonntag 24 Uhr sollen die Aufräumarbeiten abgeschlossen sein, verspricht Büchert. Dann kann die Vollsperrung der Ludwigsluster Chaussee aufgehoben werden, die in den vergangenen Tagen für erhebliche Staus in Schwerin gesorgt hatte.

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