Schwerin : 20 Millionen für eine Busch-Elster

Zu den in seiner Heimat bedrohten Vogelarten gehört der Jawa-Reisfink. Der Zoo besitzt einen ganzen Schwarm davon, der schon Nachwuchs hat.  Fotos: Schüttpelz (2)
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Zu den in seiner Heimat bedrohten Vogelarten gehört der Jawa-Reisfink. Der Zoo besitzt einen ganzen Schwarm davon, der schon Nachwuchs hat. Fotos: Schüttpelz (2)

Zoo rettet bedrohte Vogelarten: Weil viele Singvögel in Asien gefangen und für viel Geld gehandelt werden, nehmen Bestände rapide ab

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12. Juli 2019, 20:00 Uhr

„Für eine Busch-Elster werden in Indonesien 20 Millionen Rupien gezahlt, ein Niasbeo wird auf dem Markt für 15 Millionen Rupien gehandelt, ein Zweifarbenhäherling genauso. Das sind mehrere Jahreseinkommen der dortigen Durchschnittsgehälter“, erzählt Sabrina Höft, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Schweriner Zoos. Kein Wunder also, dass diese und viele andere Singvögel in Asien zu Hunderttausenden gefangen und verkauft werden. Mit dem Ergebnis, dass mancherorts die Wälder wie ausgestorben wirken. „Silent Forest“ – totenstiller Wald – nennen die Einheimischen das, und so heißt auch das Projekt, an dem sich Naturfreunde aus aller Welt und viele Zoos beteiligen, um diese gefährliche Entwicklung aufzuhalten. Im Schweriner Tierpark haben die Mitarbeiter eine kleine Holzhütte neben der Vogelvoliere im nordöstlichen Teil des Areals aufgebaut, die einem asiatischen Vogelhändlerstand nachempfunden ist. Nur dass in den Käfigen keine lebenden Vögel, sondern Stofftiere sitzen. Schilder klären auf, warum gerade diese Vögel so begehrt sind. „Sie singen sehr schön, und in Asien ist es vielerorts Tradition, Vögel in kleinen Käfigen zu halten“, erläutert Höft. Zudem würden Sängerwettstreits veranstaltet, bei denen ähnlich wie bei Hahnenkämpfen um viel Geld gewettet werde.

Um besonders gefährdete Arten vor dem Aussterben zu retten, beteiligt sich der Schweriner Zoo an internationalen Erhaltungszuchtprogrammen. Das betrifft auch vier Vogelarten aus Asien: den Omai-Bunthäherling, den Blaukappen-Häherling, die Bartlett-Dolchstichtaube und den Jawa-Reisfink. Sie leben gemeinschaftlich in einer großen Voliere mit festem Winterhaus im nordwestlichen Bereich des Zoos. „Von den Häherlingen haben wir jeweils nur ein Pärchen, weil sie Reviere bilden, von den Tauben zwei Männchen, aber von den Reisfinken haben wir zehn Stück, weil sie Schwarmvögel sind“, berichtet die Diplom-Biologin. Bekommen hat der Zoo allerdings nur vier Pärchen. „Wir haben Nistkästen aufgestellt, darin hat aber niemand gebrütet. Um so größer war die Freude, als plötzlich zwei Jungtiere im Schwarm auftauchten. Wir haben aber nie das Nest gefunden, in dem sie ausgebrütet wurden“, erzählt sie lachend. Denn in dem Gehege gibt es viele Versteckmöglichkeiten, Palmen, Gesträuch, vertrocknete Bambusbüsche – so wie diese gefiederten Asiaten es in ihrer Heimat mögen. Ein kleiner Teich zum Baden und Rindenmulch zum Scharren auf dem Boden runden das Biotop ab. Ans Futter stellen diese Arten keine besonderen Anforderungen.

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