Zeitbomben an den Äckern

Flurmeliorationshecke mit überalterten Pappelbestand.  Bettina Schwarz
Flurmeliorationshecke mit überalterten Pappelbestand. Bettina Schwarz

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15. Februar 2010, 06:09 Uhr

Sternberg | Der Landschaftspflegeverband "Sternberger Endmoränengebiet" steht vor wortwörtlich wachsenden Aufgaben. Aktuell sind es mehrere Flurmeliorationshecken, die den Fachleuten um Verbandschef Bernhard Schulz Kopfzerbrechen bereiten. Die Hecken, in den 60er-Jahren zur Minderung der Winderosion angelegt, wurden damals mit rasch wachsenden Pappeln durchsetzt. Diese haben sich in den vergangenen Jahrzehnten in die Höhe gereckt. Es sind tickende Zeitbomben, meinten die beiden jungen Diplomingenieurinnen für Landeskultur und Umweltschutz Bettina Schwarz und Manja Kämper, die das Team des Landschaftspflegeverbandes verstärken.

Die Hecken selbst sind durch die hochgeschossenen Bäume "löchrig, wie Schweizer Käse", beklagt Bernhard Schulz. Fast alle Bäume stehen nach dem Einfluss von Stürmen schon schief und werden irgendwann beim nächsten Sturm auf die Äcker stürzen.

All diese Pappeln müssten dringend herausgenommen und die Hecken funktionstüchtig gestaltet werden, meinten die Fachleute. Das ist jedoch nicht so einfach: Da die Bäume aber inzwischen einen stattlichen Umfang von meist über einem Meter haben, fallen sie unter den Schutz des geltenden Naturschutzgesetzes.

Infoveranstaltung im März geplant

Um hier handeln zu können sind dringend Gespräche mit der Unteren Naturschutzbehörde notwendig. Aber dies allein genüge nicht, erläuterte Bernhard Schulz. Im März trete das neue Bundesnaturschutzgesetz in Kraft, das den Spielraum der Länder weiter einenge.

Über die Umsetzung des Gesetzes in MV soll es Anfang März in Sternberg eine Informationsveranstaltung geben, zu der alle Mitglieder des Landschaftspflegeverbandes eingeladen werden, kündigte Schulz an.

Er möchte einen Juristen gewinnen, der an der Modifizierung des Gesetzes auf die Länderbedingungen mitgewirkt hat und so den Landwirten aus erster Hand Rede und Antwort stehen kann, was möglich ist und was nicht. "Wir wären glücklich, wenn der dringend notwendige Heckenumbau in die Reihe der möglichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen aufgenommen wird und sich dann für uns größere Handlungsspielräume eröffnen. Landwirte könnten so in den Wintermonaten als anerkannte Pflegemaßnahme die Pappeln aus den Hecken herausnehmen, meinte er.

Ein besonders drastisches Beispiel für eine solch desolate Hecke befindet sich übrigens im Bereich Mestlin.

Praktische Landschaftspflege ist neben der Beratungstätigkeit eine der Hauptaufgaben des Landschaftspflegeverbandes "Sternberger Endmoränengebiet". Hier unterstützen sie die Landwirte, um gemeinsamen mit ihnen die Aufgaben vor Ort zu konkretisieren und notwendige Maßnahmen mit staatlichen Ämtern abzustimmen.

Broschüre zu den Oberen Seen

Zu den aktuellen Aufgaben des Landschaftspflegeverbandes in diesem Jahr gehört die Arbeit an einer Broschüre über das Gebiet der Oberen Seen, einem Landschaftsschutzgebiet mit vielen seltenen Pflanzen und Tieren. Fertig ist bereits die komplette Erfassung von Flora und Fauna, die in enger Zusammenarbeit mit der Naturforschenden Gesellschaft Mecklenburg e. V. und dem Naturpark Sternberger Seenland zusammen gestellt wurde.

All das soll nun aber in einer handlichen Broschüre zusammengefasst und allgemein verständlich geschrieben werden, damit auch Touristen und andere interessierte Laien einen Nutzen daraus ziehen können.

Eine weitere anspruchsvolle Aufgabe, der sich Manja Kämper und Bettina Schwarz verschieben haben, ist die Rekonstruktion des alten Gutsparkes in Jesendorf nach dem Beispiel des Schlossparkes von Kaarz.

Sowohl der Alteigentümer als auch die Gemeinde haben daran ihr Interesse signalisiert. Derzeit werden dazu für die Vorplanung der Arbeiten noch die Grundlagen ermittelt, wozu u. a. umfangreiche und nicht immer einfache Recherchen u. a. im Landeshauptarchiv Schwerin notwendig sind. Liegen dann diese Planungspapiere vor, werde geprüft, ob und wo dazu Fördermittel beantragt werden können. Der Eigentümer habe bereits seine Bereitschaft erklärt, Eigenmittel beizusteuern, sagte Bernhard Schulz.

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